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Ausstellung Kann eine Maschine kreativ sein?

Künstliche Intelligenz dringt zunehmend in den Alltag ein. Doch wenn Maschinen kreativ werden – worin unterscheiden sie sich dann noch vom Menschen?
26.07.2018 - 20:01 Uhr Kommentieren
In der Video- und interaktiven Installation plaudert die erste KI-Barbie des Herstellers Mattel fröhlich mit dem Besucher. Natürlich über Mode oder ihre neueste Frisur. Quelle: NRW Forum
Faith Holland, „Hello Barbie“

In der Video- und interaktiven Installation plaudert die erste KI-Barbie des Herstellers Mattel fröhlich mit dem Besucher. Natürlich über Mode oder ihre neueste Frisur.

(Foto: NRW Forum)

Düsseldorf Die Faszination der Künstler für Maschinen ist keineswegs eine Entwicklung des 21. Jahrhunderts. Bereits Leonardo da Vinci war fasziniert von Schiffen, Kriegswerkzeugen und Geräten, mit denen Menschen fliegen können sollten.

Allerdings scheint es so, als müssten wir uns knapp sechs Jahrhunderte nach da Vinci von der Gleichung „Kunst erschafft Maschine“ verabschieden. In Zeiten von künstlicher Intelligenz (KI) scheint nahezu alles möglich – selbst das bisher Undenkbare: Maschine erschafft Kunst. Dieser These geht die Ausstellung „Pendoran Vinci – Art and Artificial Intelligence Today“ im Düsseldorfer NRW-Forum nach.

Die Schau versammelt verschiedene Spielarten der künstlichen Intelligenzvom sprechenden Chatbot bis hin zum Roboter, der es gelernt hat, expressionistische Werke zu erschaffen. Dabei fragt sie auch danach, ob Kreativität eine Seele braucht, aus der sie entspringt, oder ob am Ende dann doch eine Festplatte reicht.

Wenn Maschinen kreativ werden, worin unterscheiden sie sich dann noch von uns? Und die Ausstellungsmacher fragen: Wer tritt in einer global vernetzten Welt, in der das Wissen in elektronische Daten umgewandelt und online versammelt ist, an die Stelle eines Genies wie da Vinci?

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    Der Name der Ausstellung. „Pendoran Vinci“ erinnert nicht nur an den Universalgelehrten der Renaissance, sondern auch an die Büchse der Pandora, aus der allerlei Übel entsprang. Aber was denn nun: Heil oder Verderben?

    Die Ausstellung lässt auf den ersten Blick kein eindeutiges Urteil zu – wohl aber Raum zum Gruseln. Ein auf die Wand geworfenes Video zeigt die Arbeit von Justine Emard: Der japanische Tänzer und Schauspieler Mirai Moriyama interagiert fast zärtlich mit einem Roboter, dessen porzellanähnliches Gesicht an das einer Geisha erinnert. Das von japanischen Wissenschaftlern geschaffene Maschinenpendant interagiert auf gespenstische Art und Weise, wiegt sich nahezu harmonisch mit Moriyama.

    Schräg gegenüber ist wie auf einem Altar als Göttin der Konsumgesellschaft eine Barbie präsentiert. Die Installation der US-Künstlerin Faith Holland beinhaltet aber mehr als eine simple Puppe – es ist die erste KI-Barbie des Herstellers Mattel, die fröhlich mit dem Besucher der Ausstellung plaudert. Über Mode oder ihre neueste Frisur.

    Die Plattheit ihrer Konversation setzt Holland gekonnt vor einen Hintergrund anderer Maschinenfrauen, die der Menschheit zu Diensten sein sollen: Von den Frauen von Stepford über Sprachassistentin Siri bis hin zu einem menschlichen Cyborg der US-Erfolgsserie „Westworld“, in der als Menschen verkleidete Maschinen Freizeitparkbesuchern jeden noch so privaten Wunsch erfüllen. Die Barbie-Installation stellt auch die Frage, wie in Zukunft unsere Beziehung zu KI aussehen wird und wie nah wir sie wirklich an uns heranlassen wollen.

    Es sei wünschenswert, dass sich in Deutschland noch mehr Museen mit der künstlichen Intelligenz beschäftigten, sagt Leonie Spiekermann, Initiatorin der Ausstellung und Gründerin der Kunstberatung Artgate. „Dabei ist sie doch mittlerweile omnipräsent, und Kunst war immer Mittler zwischen den Welten, das sollte sie auch bei einer technologischen Revolution wie künstlicher Intelligenz sein.“ Die Ausgangsfrage sei gewesen, ob eine Maschine tatsächlich kreativ werden und künstlerische Werke erschaffen könne.

    Als der Computer den Weltmeister matt setzte
    KI, AI - Was ist das alles überhaupt?
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    Unter künstlicher Intelligenz (KI) oder engl. Artificial Intelligence (AI) versteht man die kognitive Fähigkeit eines Computers oder einer softwaregesteuerten Maschine, auf eine Weise Entscheidungen zu treffen oder Aufgaben zu erfüllen, die der menschlichen Intelligenz gleichwertig ist.

    Wie funktioniert das?
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    Künstliche Intelligenz behandelt Daten eigentlich ganz ähnlich, wie wir Menschen das tun, wenn wir mit unseren Sinnen die Umgebung wahrnehmen. KI braucht dafür allerdings Input-Geräte, also Kameras mit Gesichtserkennungssoftware, Radar und Lidar, Mikrofone oder bestimmte Tastsysteme. Experten sprechen dann von Machine Perception.

    Und dann?
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    Dann kommt das neuronale Netz zum Einsatz. Sind die Algorithmen der KI ähnlich miteinander verwoben wie unsere Synapsen im Gehirn, spricht man von einem künstlichen neuronalen Netz. Die KI bricht komplexe Probleme in einfachere Datensätze, analysiert ein Bild beispielsweise erst Pixel für Pixel, sucht dann nach schrägen Linien, anschließend nach Kreisen und so weiter. Dieses Vorgehen entspricht den menschlichen Lernvorgängen.

    Turing-Test: 1950
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    Alan Turings Kriterium für Maschinenintelligenz: Eine Versuchsperson kann im Blindtest die Antwort einer Maschine nicht von der eines Menschen unterscheiden. Dabei kann ein Programm menschliche Interaktion täuschend echt imitieren. Der Brite Turing (1912-1954) gilt heute als Informatiker-Ikone. Erst sehr spät bekam er die nötige Anerkennung für seine Leistungen.

    Erster Neuronenrechner: 1951
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    Der amerikanische KI-Forscher Marvin Minsky baut die lernfähige Maschine SNARC (Stochastic Neural Analog Reinforcement Calculator). Sie besteht aus einem Netzwerk von 40 Neuronen. Heute gilt Multigenie Minsky, der 2016 im Alter von 88 Jahren verstorben ist, als Pionier der künstlichen Intelligenz.

    Dartmouth Conference: 1956
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    John McCarthy prägt bei einer Konferenz am Dartmouth College, bei der auch Marvin Minsky großen Anteil hat, den Begriff „artificial intelligence“ - die Geburtsstunde der neuen wissenschaftlichen Forschungsdisziplin KI. Nichts von dem, was das menschliche Gehirn leistet, das war Minskys Credo, ist in irgendeiner Weise übernatürlich. Deshalb muss es möglich sein, diese Leistungen auch Maschinen beizubringen.

    Chatbot Eliza: 1966
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    So sehen Chatbots heutzutage aus. Das hat natürlich keine Ähnlichkeit mit dem, was der deutsch-amerikanische Informatiker Joseph Weizenbaum 1966 programmiert: Eliza. Der erste Chatbot überhaupt, der mit einem simplen Dialog-Algorithmus das Gespräch mit einem Psychotherapeuten simuliert. Weizenbaum, der auch als Computerkritiker galt, starb 2008 im Alter von 85 Jahren in Berlin. „Das Internet ist ein großer Misthaufen, in dem man allerdings auch kleine Schätze und Perlen finden kann“, sagte er einmal zu Lebzeiten.

    Wer sich in dem großen Raum des NRW-Forums umschaut, der vermag diese Frage vielleicht mit Ja zu beantworten: Die Bilder der deutsch-israelischen Künstlerin Liat Grayver sind eine Koproduktion – gemalt wurden sie zusammen mit dem von der Universität Konstanz entwickelten Malroboter David. Tatsächlich gibt es mittlerweile an vielen Orten der Welt Experimente mit malenden Maschinen: In Thailand etwa imitiert ein Roboter die Meisterwerke großer Künstler. Ein Schaudern durchzuckt da den Besucher: Wird der nächste Picasso etwa ein Algorithmus sein?

    Gruselkabinett oder Star-Trek-Spielplatz?

    Das zeigt auch die Virtual-Reality-Welt von William Latham, die Besucher mithilfe von Joysticks selbst modellieren können. Der Simulation liegt ein mathematisches Modell zugrunde, das diese Welten immer neu berechnet – quasi ins Unendliche.

    Die Ausstellung ist übersichtlich – gerade einmal neun Werke sind hier versammelt. Dennoch lohnt sich ein Besuch des oberen Stockwerks für den, der im NRW-Forum unterwegs ist. Denn trotz Überschaubarkeit ist es auch ein unterhaltsamer Ausflug in eine Welt, die auf einmal nicht mehr so weit weg scheint, wie es sich vielleicht manch einer wünschen würde.

    Die Ausstellung hat am Ende dann doch vor allem etwas von einer interaktiven KI-Erlebniswelt: Je nach Verständnis eben Gruselkabinett oder Star-Trek-Spielplatz.

    „Pendoran Vinci“ bis 19. August 2018 im NRW-Forum Düsseldorf

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