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Buchtipp„Die Daten, die ich rief“ – Warum Datenschutz wie ein Saunabesuch sein sollte

Die Netzaktivistin Katharina Nocun hat sich durch die AGBs ihrer Online-Dienste gekämpft – und ein Plädoyer für mehr Datenschutz geschrieben.Corinna Nohn 23.05.2018 - 17:09 Uhr Artikel anhören

Von diesem Umgang mit Privatsphäre können Großkonzerne lernen, schreibt Katharina Nocun in ihrem neuen Buch.

Foto: dpa

Düsseldorf. Datensicherheit betrifft jeden, der regelmäßig auf Facebook, Google, Amazon oder Twitter unterwegs ist – oder in der Sauna. „Nur weil jemand in der Sauna nackt ist, heißt das schließlich noch lange nicht, dass er im Alltag Exhibitionist ist“, schreibt Katharina Nocun in „Die Daten, die ich rief“.

Das textilfreie Schwitzvergnügen sei „Privacy by Design“, so Nocun: In der Sauna herrscht Handy- und Fotoverbot. Für die Nacktheit gibt es einen bestimmten Zweck, sie ist eine Ausnahme, nicht Dauerzustand. Von so einem umsichtigen Umgang mit Privatsphäre könnten viele Onlinedienste nur träumen.

Nocun zeigt: Datenschutz kann auch unterhaltsam sein. Die Netzaktivistin und Ex-Piratin erzählt locker, verwebt Anekdoten wie jene aus der Sauna mit großen Datenskandalen wie jenem um Cambridge Analytica und verknüpft das Ganze verständlich mit der aktuellen Rechtslage.

Katharina Nocun: Die Daten, die ich rief Bastei Lübbe Köln 2018 352 Seiten 18 Euro ISBN: 978-3785726204 Foto: Bastei Lübbe

Besonders spannend ist, dass Nocun, 1986 geboren, selbst Web-Junkie ist: Onlineshopping, Social Media, digitale Dienstleistungen sind Teil ihres Lebens. Sie will darauf nicht verzichten und wird keine Verbote oder den „digital detox“ postulieren.

Nocun las sich durch viele Datenschutzbestimmungen

Für die Recherche zum Buch durchforstete Nocun ihr eigenes Datendickicht, fragte bei Amazon, Facebook und deutschen Polizei- und Verfassungsschutzbehörden ab, was über sie gespeichert ist, las sich tagelang durch sämtliche Geschäftsbedingungen und Datenschutzhinweise all der Dienste, die sie nutzt.

Allein der Aufwand und ihre Beharrlichkeit sind höchst wertvoll – das Gefühl, im Netz allzu leichtfertig auf „Okay“ zu drücken, inklusive. „Ich habe die Datenschutzbestimmungen gelesen“ sei die wohl meistverbreitete Lüge im Netz, meint Nocun.

 Wem ist auch schon bewusst, dass Facebook jedes Bild samt Breiten- und Längengrad speichert – auch wenn man angibt, der Standort solle nicht angezeigt werden? Wen kümmert es, wenn ein Konzern für den jeweiligen Service viel zu weitreichende Datenauskünfte verlangt? Wer hat sich ernsthaft mit der neuen EU-Datenschutzgrundversordnung befasst, die diesen Freitag in Kraft tritt? Wer liest Allgemeine Geschäftsbedingungen?

Dabei lässt Nocun das viel gebrachte Argument „Naja, ich habe ja nix zu verbergen“ nicht gelten – weil man dann genauso gut die Meinungsfreiheit damit hergeben könnte, dass man ja gerade nichts zu sagen hat. „Jeder hat etwas zu verbergen“, schreibt Nocun. „Und wenn es nur der heimliche Wunsch ist, ein glücklicheres Leben als das jetzige zu führen.“

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Nocun ist ein eindrückliches, umfassendes und höchst anschauliches Plädoyer für mehr Datenschutz gelungen. Ihr Buch schließt mit einer „Ersten Hilfe für mehr Privatsphäre“ – einem geradezu mustergültigen Nutzwertteil. Bei alldem verteufelt sie das Netzt nicht. Sie macht vielmehr klar: Wer die Verantwortung für seine Spuren im Netz nicht ernst nimmt, dem wird es wie Goethes Zauberlehrling ergehen. Er wird die Kontrolle verlieren über die Geister, die er rief

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