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Galerierundgang Am Puls der Zeit: Welche Kunst Berliner und Teilzeit-Berliner gerne kaufen

Charlottenburg ist wieder ein beliebtes Quartier für Galerien. Neuzugänge setzen auf junge Kunst zu überschaubaren Preisen. Was die Berliner Galerieszene zu bieten hat.
20.02.2020 - 18:03 Uhr Kommentieren
Sarah Alexander belebt die amerikanische Farbfeldmalerei neu. Hier in einer Ausstellung im Kunstverein Hoher Fläming. Quelle: Galerie Florian Schönfelder
Farb- und Lichtmalerei

Sarah Alexander belebt die amerikanische Farbfeldmalerei neu. Hier in einer Ausstellung im Kunstverein Hoher Fläming.

(Foto: Galerie Florian Schönfelder)

Berlin Langzeitbeobachter des Berliner Galeriemarkts mögen die Binsenweisheit zitieren, dass für jede Galerie, die schließt, eine neue auf den Plan tritt. Galeristen geben auf wegen Partnertrennung wie soeben Blain Southern, weil die Altersgrenze erreicht ist, aus Kostengründen oder wegen einer Rückkehr an ihren Hauptsitz. Immer wird sogleich das Menetekel heraufbeschworen, dass Berlin seine Anziehungskraft als Galeriemetropole verliere.

Das war auch beim Rückzug der Galerie Crone nach 18 Jahren von der Kreuzberger Rudi-Dutschke-Straße an den Hauptstandort Wien der Fall. Inzwischen ist der Galeriechef Markus Peichl nach Berlin zurückgekehrt: in die Kunstmeile Fasanenstraße im bürgerlichen Charlottenburg. Der Stadtteil entwickelt sich wieder zum Hotspot der Berliner Galerieszene. Hier eine Übersicht über die spannendsten Neuzugänge und die wichtigsten etablierten Player des Stadtteils im alten Westen der Stadt.

Florian Schönfelder hat Ende Oktober in der Fasanenstraße 28 seine Galerie eröffnet. Im ersten Stock eines Gründerzeitbaus will er ein vorwiegend junges, nach eigenen Worten „konzeptuell, philosophisch und poetisch inspiriertes“ Programm realisieren.

Seine erste Schau war Gemälden der in Berlin lebenden Sarah Alexander gewidmet. Sie hat die amerikanische Farbfeldmalerei der 1950er- und 1960er-Jahre inhaliert und belebt sie neu mit einer Farb-Licht-Malerei in aquarellartig fließender Technik. Hier liegen die Preise nicht höher als zwischen 1.600 und 8.400 Euro. Die jetzt laufende Schau ist dem 100. Geburtstag der deutsch-britischen Henry-Moore-Schülerin Jacqueline Diffring gewidmet. Ihr Markenzeichen ist eine Linien und Hohlraum betonende Skulptur. Abstrakte Formen wachsen in eine figurative Sinnlichkeit (bis 14. März).

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    Der 31-jährige Florian Schönfelder pflegt das traditionelle Modell der Primärgalerie, die Künstler entdeckt und systematisch aufbaut. Er möchte den „Künstlern Sicherheit und Kontinuität in ihrem Schaffensprozess gewährleisten“. Das wirtschaftliche Rüstzeug hat er sich nach Kunstgeschichtsstudium und Erfahrung in der New Yorker Galerie Marian Goodman in vierjähriger Arbeit als Unternehmensberater erworben.

    Blick in die Ausstellung von Sarah Alexander in der Galerie Schönfelder. Quelle: Galerie Florian Schönfelder
    Leuchtende Anziehung

    Blick in die Ausstellung von Sarah Alexander in der Galerie Schönfelder.

    (Foto: Galerie Florian Schönfelder)

    Sein Mentor ist Joachim Becker, der bis 1997 eine Galerie in Cannes und Paris führte und seit 2008 einen Lehrauftrag an der Berliner Universität der Künste hat. Schönfelder geht es nach eigener Aussage „immer um Inhalte und nicht um Dekoration“. Er will sich auch auf Messen profilieren und „in die Stadt hineinwirken mit Netzwerken, Talks und Events“.

    Robert Grunenberg ist der zweite vielversprechende Galeriegründer. Sein Leitsatz lautet „Schreiben, Netzwerken und Verkaufen“. Der 34-Jährige hat nach dem Kunstgeschichtsstudium im New Yorker PS1 des Museum of Modern Art gearbeitet und Betriebswirtschaft studiert. Auch im Pressewesen hat er Erfahrungen gesammelt. Zum Gallery Weekend 2018 eröffnete Grunenberg seine Ausstellungsräume im ersten Stock eines Hauses, das dem finnischen Sammler Timo Miettinen gehört. Der hatte den jungen Kunstvermittler in die Marburger Straße gelockt.

    Der ersten Schau über Palmen in der Kunst folgten acht Ausstellungen mit der Kunst von Dreißigjährigen, in denen Rainer Fetting der einzige Oldie war. Zum Teil hat Grunenberg mit etablierten Galerien zusammengearbeitet, so mit Meyer Riegger bei dem Karlsruher Künstler Jan Zöller, dessen starkfarbige figurative Leinwände im letzten Herbst parallel in beiden Galerien gezeigt wurden.

    Käufe aus der Start-up-Szene

    Jan Zöller gehört zu den vier Künstlern, die Grunenberg fest an sich gebunden hat. Die anderen drei sind der Amerikaner Brandon Lipchik, der in seiner transparenten Malerei mediterrane Leichtigkeit verströmt, der Bildhauer Stefan Knauf und die russische Scherenschnitt-Magierin Sonja Yakovleva. Ihre zum Teil großformatigen Arbeiten, die männlich-weibliche Rollenspiele verkörpern, finden bei Sammlern Anklang, die queere Figuration schätzen (bis 14. März).

    Wie bei den meisten Jungen bei Grunenberg liegen die Preise unter 10.000 Euro, bei Zöller bis 15.000 Euro. Sammler aus der Schweiz, Belgien und Russland sind Kunden. Aber die meisten Arbeiten erwarben Berliner, womit der zumindest in dieser Galerie alte Spruch widerlegt ist, dass es in Berlin keine Sammler gäbe. Stammkäufer sind junge Wohlhabende aus der Start-up-Szene, aber auch alte Charlottenburger haben hier schon gekauft. Charlottenburg mit seinem urbanen Umfeld hat noch einen dritten jungen Galeristen mit anspruchsvollem Programm angezogen.

    Philipp Haverkampf verließ vor drei Jahren die Galerie Contemporary Fine Arts und machte sich in der Mommsenstraße 67 selbstständig. Hier vertritt er ein Programm, das vorwiegend junger und internationaler Malerei gewidmet ist. Er hat jüngst sieben Arbeiten an Museen, darunter die Hamburger Kunsthalle, verkauft und gibt ehrlich zu Protokoll: „Nur von Berlin könnte ich nicht leben. Ich verkaufe viel an Teilzeit-Berliner, die hier eine Wohnung haben und aktiv sind.“

    Seine Preise für junge Künstler sind nicht hoch. Sie liegen zumeist bei 1.000 bis 8.000 Euro und bei den Etablierten bei maximal 30.000 Euro. Zurzeit läuft eine Schau mit farbintensiven Werken des Berliners Stefan Hirsig unter dem Motto „Der Maler ist hell“. Eine Anspielung auf die Leuchtwirkung dieser Wimmelbilder (bis 14. März).

    Und was machen die etablierten Galerien an ihrem alten oder neuen Wirkungsort Charlottenburg?

    Bei Wolfgang Werner sind wieder einmal Gemälde und Zeichnungen der jetzt international gefragten Paula Modersohn-Becker aus den Jahren 1898 bis 1907 ausgestellt (bis 29. Februar). Es ist eine vom Figurenbild dominierte Auswahl, in der die Preise bis 1,4 Millionen Euro reichen.

    Contemporary Fine Arts (CFA), die Ende 2016 in die Grolmannstraße gezogen sind, machen sich stark für einen der „wilden“ Figurativen der 1980er-Jahre: Werner Büttner, dessen heute gar nicht mehr so provokativ wirkendes „Selbstbildnis im Kino onanierend“ als Logo der Ausstellung dient.

    Büttners Malerei ist dem Duktus einer gekonnt improvisierten Öltechnik verpflichtet. Der Exhibitionismus, der auch in anderen Werken aufscheint, ist eher melancholischer Natur (bis 7. März). Büttners Bilder haben immer noch oder wieder eine starke Wirkungskraft. Über sechzig Arbeiten besitzt der Hamburger Sammler Harald Falckenberg, und die Londoner Galerie Marlborough hat Büttner seit 2012 im Programm.

    Ein neuer Preisruck

    Mehr Luft nach oben scheint programmiert. Aber die Preise sind noch heterogen. Im letzten Jahr konnte man in deutschen Auktionen Werke der Jahre 1982 bis 1990 für Preise zwischen 20.000 und 86.800 Euro ersteigern. Bei CFA liegen die Preise bei 45.000 Euro für ein kleines 2019 datiertes Selbstbildnis und 250.000 Euro für ein monumentales Triptychon von 1983. Das Selbstporträt als Onanierender kostet 150.000 Euro. Das ist ein Preisruck, der sich erst noch zu bewähren hat.

    Die Galerie Wentrup hat im April letzten Jahres in der Knesebeckstraße einen neuen Stützpunkt eröffnet. Hier zeigt sie jetzt die 1964 bis 1971 in New York entstandenen abstrakten Gemälde von Jochen Seidel, der 1971 Selbstmord beging. In Berlin ist er kein Unbekannter. Die hier versammelten Gemälde, die mit Preisen von 18.000 bis 38.000 Euro moderat zu nennen sind, haben eine Aura, die mit ihrem impulsiven Formenarsenal weit über das hinausragt, was heute an neuer Abstraktion geboten wird (bis 29. Februar).

    Bei Max Hetzler in der Goethestraße füllt das Künstlerduo Ida Tursic und Wilfried Mille die Galeriehalle mit knallbunter Malerei. Die bezieht sich ironisch auf Bilder aus den Medien und dem Internet. Sie transformiert kitschige Reklamewelten mal reduziert, mal überbordend. Die Preise liegen zwischen 15.000 und 60.000 Euro (bis 29. Februar).

    In einer höheren Preisliga sind die Werke aus Privatsammlungen und dem Nachlass des amerikanischen Malers William N. Copley angesiedelt, die in Hetzlers zweiter Galerie in der Bleibtreustraße hängen (bis 7. März). Das größte und beste Bild der Schau ist bereits verkauft, Papierarbeiten liegen bei 30.000 Euro, andere verkäufliche Bilder bis 400.000 Euro.

    Der als Vorreiter der Pop Art gefeierte Künstler hatte eine surreale Ader, die er auch als Galerist und Sammler pflegte. In Copleys hier ausgewählten Werken herrschen Geschlechterkampf und zwischenmenschliche Absurdität. Genau wie im richtigen Berliner Leben.

    Mehr: Geschäftsaufgabe – Endgültiges Aus für die Galerie Blain Southern

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