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Impressionisten im Museum Barberini Wie ein Ausstellungsvorhaben zu teuer bezahlten Ankäufen verleitete

SAP-Mitgründer Hasso Plattner gibt für die Kunst des Impressionismus viele Millionen aus. Im Lockdown lädt das Museum Barberini zu virtuellen Rundgängen ein.
15.11.2020 - 11:58 Uhr Kommentieren
Die Ausstellung
Vor dem Lockdown

Die Ausstellung "Impressionismus. Die Sammlung Hasso Plattner" ist auch online ein Genuss. Im Vordergrund hängt Claude Monets Gemälde "Low Tide at Les Petites Dalles" (1884).

(Foto: AFP via Getty Images)

Berlin Er ist einer der großen Kunstsammler mit Lust an großartigen Gemälden: Hasso Plattner, Mitgründer des Softwareriesen SAP, besitzt 34 Bilder von Claude Monet. Sie allein wären schon hochkarätiges Museumsfutter, doch Plattners Privatmuseum in Potsdam ist breiter aufgestellt.

Der Potsdam-Mäzen hat in den letzten drei Jahrzehnten 103 Gemälde des französischen Impressionismus zusammengetragen. Die Bilder sind in seine der Digitalisierung verschriebene Stiftung eingeflossen. Erst seit diesem Herbst sind diese impressionistischen Gemälde in einer Dauerausstellung des von Plattner in Auftrag gegebenen Museums Barberini in Potsdam der Öffentlichkeit zugänglich.

Nach dem Inkrafttreten des deutschen Kulturschutzgesetzes hingen die hochkarätigen Impressionisten zunächst im amerikanischen Wohnsitz des Sammlers und wurden nur partiell ausgeliehen. Dass sie jetzt Teil der Stiftung sind, fördert ihre Verfügbarkeit.

In einem Interview gab der Sammler den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ zu Protokoll: „Weil die Bilder jetzt meine größte Wertanlage außerhalb der SAP-Aktien sind, sind sie nun Sicherheiten für die Stiftung. Das heißt, falls es der Stiftung einmal schlecht geht, muss vielleicht mal ein Bild verkauft werden. Der Erlös ginge dann an die Stiftung.“

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    Während der pandemiebedingten Museumsschließung lässt sich die Dauerausstellung digital besuchen. Quelle: AFP via Getty Images
    Auguste Herbin „Landschaft auf Korsika“ (l.) und André Derain „Landschaft bei Cassis“ (r.)

    Während der pandemiebedingten Museumsschließung lässt sich die Dauerausstellung digital besuchen.

    (Foto: AFP via Getty Images)

    Die Pandemie zwingt das Museum wie alle deutschen Kunstinstitute zu temporärer Schließung. Aber es gibt eine virtuelle Alternative. Das Museum Barberini hat sein vorbildliches digitales Programm erweitert und bietet via Internet 50-minütige Livetouren durch die Ausstellung an, bei denen die Werke aus der Nähe betrachtet werden können. Das Angebot ist täglich buchbar und kostet für Einzelpersonen und Familien nicht mehr als drei Euro.

    Wer diese Onlineführungen in Anspruch nimmt, kann sich dem Einzelwerk ohne Besucherandrang nähern. Zwar ersetzt das nicht die Begegnung mit dem Original. Aber solche Surrogate erfüllen auch den Zweck, sich mit den beliebten Bildern en Détail auseinanderzusetzen.

    Stark auf Auktionen fixiert

    Darüber hinaus ist es aufschlussreich, sich mit der Sammelpolitik Plattners zu befassen. Die ist besonders in den letzten Jahren stark auf Auktionen fixiert. Allein 2019/20 hat der Sammler nach unseren Berechnungen für sechs Gemälde in internationalen Auktionen rund 180 Millionen Euro ausgegeben, darunter zum Rekordpreis von 111 Millionen Dollar (98,6 Millionen Euro) Monets „Getreideschober bei Sonnenuntergang“ bei Sotheby’s. Das Bild hatte im Mai 1986 – vor dem Marktboom des Impressionismus – bei Christie’s 2,5 Millionen Dollar eingespielt.

    Jetzt hängt Plattners Lieblingsbild in Potsdam. Damit schließt sich der Kreis zu dem ersten Monet, den er schon 1993 erwarb: Monets verschneitem Getreideschober.

    1888 entstand das atmosphärische Gemälde im Stil des Pointillismus. Die Farben werden Punkt für Punkt auf die Leinwand gebracht (Ausschnitt). Quelle: Museum Barberini
    Camille Pissarro „Rauhreif – Junge Bäuerin, die Feuer macht“

    1888 entstand das atmosphärische Gemälde im Stil des Pointillismus. Die Farben werden Punkt für Punkt auf die Leinwand gebracht (Ausschnitt).

    (Foto: Museum Barberini)

    Zwei späte Venedig-Ansichten Monets hat Hasso Plattner in den Jahren 2013 und 2015 bei Sotheby’s für umgerechnet 18 und 23 Millionen Euro ersteigert. Für eines der berühmten Gemälde von Paul Signac, der zunächst unter dem Einfluss von Claude Monet stand, sich aber ab 1884 mit Georges Seurat der pointillistischen Technik der Farbzerlegung verschrieb, musste Plattner im Februar 2019 bei Christie’s den Spitzenpreis von 22 Millionen Euro bieten. Dieses Hauptwerk mit dem Titel „St. Tropez, der Hafen bei Sonnenuntergang“ hatte 1980 noch bescheidene 490.000 Dollar erzielt und 1993 bei Sotheby’s nicht mehr als 1,8 Millionen Dollar realisiert.

    Auch bei Camille Pissarro scheute sich Plattner nicht, in den letzten zwei Jahren zweistellige Millionenpreise auszugeben. Der Maler, der im Gegensatz zu seinen impressionistischen Mitstreitern einen dichteren Farbauftrag pflegte, war jahrzehntelang eher ein Stiefkind des Marktes.

    Ein Ausstellungsvorhaben spornt an

    Ähnliches gilt für Gustave Caillebotte, dessen Werk dank internationalen Ausstellungen in den letzten 15 Jahren eine steile Marktkarriere erlebt. Von ihm erwarb Plattner 2015 die „Brücke von Argenteuil“ aus Privatbesitz, in den sie vier Jahre zuvor bei Sotheby’s für 18 Millionen Dollar gewandert war. Das liebliche Sommerbild „Paar beim Spaziergang“ (1891), das an frühe Werke Monets erinnernd 2003 noch für 7,8 Millionen Euro zu haben war, wurde im Februar 2019 bei Christie’s für umgerechnet 16,6 Millionen Euro zugeschlagen.

    2015 erwarb Hasso Plattner die „Brücke von Argenteuil“ aus Privatbesitz, in den sie vier Jahre zuvor bei Sotheby’s für 18 Millionen Dollar gewandert war (Ausschnitt). Quelle: Museum Barberini
    Gustave Caillebotte

    2015 erwarb Hasso Plattner die „Brücke von Argenteuil“ aus Privatbesitz, in den sie vier Jahre zuvor bei Sotheby’s für 18 Millionen Dollar gewandert war (Ausschnitt).

    (Foto: Museum Barberini)

    Was Plattner angetrieben hat, vor allem in den letzten Jahren große Summen auszugeben, dürfte die jetzige Dauerausstellung sein, die so mit einem Schlag auch eine Qualitätssteigerung erfuhr. Denn nicht alle der rund 100 Gemälde haben publizistische Weihen verdient. Da gibt es selbst von Plattners Lieblingsmaler Claude Monet Werke mittlerer Kategorie wie die Schlittschuhläufer und das Bild „Der Fluss“.

    Auch von Auguste Renoir, Alfred Sisley und Eugène Boudin gibt es schwächere Werke. Der weite Bogen, den Plattners Faible für den französischen Impressionismus spannt, ist bei Gemälden von Armand Guillaumin, Henry Moret, Gustave Loiseau, Auguste Herbin und Raoul Dufy nicht immer museumsreif.

    Aber es gibt ja immer noch die Möglichkeit eines „Refinings“, die Methode, neben dem Ankauf von Meisterwerken Zweitrangiges abzustoßen. Das würde der Impressionistensammlung, die schon so viel Publizität erhalten hat, den letzten Feinschliff geben.

    Mehr: Internetauftritt: Museen stoßen digitale Fenster auf

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