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Kunstmesse Arco in Madrid Mit Wagemut und wohnzimmertauglichen Formaten auf die Messe

Die 40. „Arco“ ist zwar kleiner als sonst. Doch Galeristinnen und Kunstfreunde freuen sich über direkte Begegnungen mit Kunst und Menschen. Aus Lateinamerika kommen weniger Käuferinnen. Aber spanische Sammler sind treu.
08.07.2021 - 15:47 Uhr Kommentieren
Das Gemälde wird von der Madrider Galerie Heinrich Ehrhardt präsentiert. Quelle: Galerie Heinrich Ehrhardt
Secundino Hernández “Another day” aus dem Jahr 2021

Das Gemälde wird von der Madrider Galerie Heinrich Ehrhardt präsentiert.

(Foto: Galerie Heinrich Ehrhardt)

Madrid Die Hallenplaner haben in Madrid ganze Arbeit geleistet. Es fällt beim Flanieren durch die wie immer großzügig gestalteten Gänge kaum auf, dass die Kunstmesse Arco einen massiven Ausstellerschwund zu beklagen hat. 131 statt wie sonst über 200 Galerien nehmen an der immer noch größten europäischen Kunstmesse seit über einem Jahr teil (bis 11. Juli).

Einige Aussteller haben offensichtlich in letzter Minute zurückgezogen, sie sind zwar auf der Ausstellerliste im Internet verzeichnet, aber nicht auf dem gedruckten Hallenplan, darunter Bärbel Grässlin aus Frankfurt. Ihr sei das Corona-Risiko zu groß, sagt sie auf Nachfrage.

Ihr Madrider Partner Heinrich Ehrhardt ist hingegen präsent. Diejenigen, die gekommen sind, passen ihr Angebot den Erwartungen an; die Formate halten sich auffällig in wohnzimmerkompatiblen Dimensionen. Immerhin sind alle Beteiligten froh, dass die Messe überhaupt stattfindet.

Die Entscheidung zur Verschiebung sei schon im letzten Herbst gefallen, erklärt Direktorin Maribel Lopez. Gleichzeitig habe die Messegesellschaft Ifema ihr bessere Konditionen eingeräumt. Ein entscheidender Faktor sei die Zusage von 250 internationalen Sammlern zum Einladungsprogramm gewesen, etwas weniger als gewöhnlich, vor allem aus Lateinamerika.

Galerien müssen auch schon einigermaßen wagemutig sein, um zu Beginn der Sommerferien in Spanien an einer Messe teilzunehmen. Aus Deutschland haben lediglich acht ihren Weg nach Madrid gefunden, bis auf Anita Beckers aus Frankfurt und Van Horn aus Düsseldorf stammen sie alle aus Berlin, wie etwa Nome.

Unikate Fotokunst im Keramikrahmen Quelle: Galerie Kilchmann, Zürich
Shirana Shahbazi „Untitled“

Unikate Fotokunst im Keramikrahmen

(Foto: Galerie Kilchmann, Zürich)

Die noch junge Galerie war bereits im letzten Jahr von der Kuratorin Övül Durmusoglu für die Sektion „Opening“ eingeladen und nimmt jetzt mit Kameelah Janan Rashid erneut dort teil. Drucke in Fünfer-Auflagen kosten von 2.100 bis 5.400 Euro. „Es war einfach an der Zeit, unsere Künstler wieder einem internationalen Publikum zu präsentieren“, erklärt Jeshi Khadivi.

30 Prozent Corona-Rabatt

In der Koje nebenan kann sie zusätzlich im Rahmen der „Artist Projects“ Paolo Cirio mit Fotos für Preise bis zu 8000 Euro zeigen. Die Möglichkeit zu gleich zwei Solo Shows habe zur Entscheidung für eine Teilnahme beigetragen. Im Hauptprogramm der Messe dürfte ein Corona-Rabatt von 30 Prozent auf die Standgebühren vielen die Zusage erleichtert haben.

Für Patrice Cotensin von der Galerie Lelong aus Paris und New York ist die Sache ganz einfach: „Wir kommen seit vielen vielen Jahren zur Arco und machen hier immer gute Geschäfte. Außerdem lieben wir Madrid.“ Mit ihrem Bluechip-Programm, dieses Jahr unter anderem mit Günther Förg, David Nash oder Jaume Plensa, muss sich die Galerie um Nachfrage allerdings auch kaum Sorgen machen.

Andere Kollegen wägen genauer ab, sind aber zum gleichen Entschluss gekommen. „Ob es funktioniert, weiß man ja erst, wenn man es ausprobiert hat“, meint Andreas Osarek von der Galerie Crone aus Wien und Berlin lapidar. „Die Frage stellt sich bei allen Messen: Braucht man das? Ich glaube, dass das klassische Messemodell überdacht werden muss. Das hat nicht speziell etwas mit der Arco zu tun.“

Mit dem Eröffnungstag ist Osarek jedoch zufrieden und mit dem großen Interesse für Gemälde von Emmanuel Bornstein oder Ashley Hans Scheirl, einem Teil des nächsten österreichischen Biennale-Beitrags in Venedig. Deren Preise liegen zwischen 11.500 bis 38.500 Euro inkl. spanischer Umsatzsteuer.

Die luzide Malerei ist auf dem Stand der Galerie nächst St. Stephan zu finden (Ausschnitt aus einem quadratischen Format). Quelle: Markus Wörgöter; VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Bernard Frize “Uji” von 2020

Die luzide Malerei ist auf dem Stand der Galerie nächst St. Stephan zu finden (Ausschnitt aus einem quadratischen Format).

(Foto: Markus Wörgöter; VG Bild-Kunst, Bonn 2021)

Aus Österreich sind ungefähr so viele Galerien dabei wie aus Deutschland. Rosemarie Schwarzwälder von der Wiener Galerie Nächst St. Stephan war das erste Mal 1981 in Madrid und hält der Messe die Treue: „Ich finde, das hat auch etwas mit Solidarität zu tun.“ Arco sei auch ihre letzte große Veranstaltung vor der Pandemie gewesen. Sie sei neugierig, wie sich eine Messe in dieser eigenartigen Zwischenzeit bewährt.

„Hier gibt es viele Sammler, die trotz allem gekommen sind und gekauft haben. Spanische Sammler sind toll“, ergänzt Schwarzwälder. „Und treu.“ Die enge Verbindung zwischen Spanien und dem deutschsprachigen Raum sehe man hier ebenfalls. Überrascht sei sie vom Zuspruch europäischer Sammler, die sogar in diesen Zeiten eigens anreisen. Verkauft wurden zum Beispiel neue Papierarbeiten von Imi Knoebel, zu je 10.000 Euro netto, die Nachfrage nach Sheila Hicks sei enorm.

Diese Mischung aus vorsichtigem Optimismus und Krisenpragmatismus bezieht sich jedoch nicht nur auf die Corona-Pandemie. Denn schon in den Jahren zuvor war das über die letzten Jahrzehnte etablierte Kunstmarktgefüge aus dem Tritt gekommen. Das weiß Arco-Direktorin Maribel Lopez sehr genau. Sie sieht ihren Marktplatz aber gewappnet: „Eine Messe muss sich ihrer eigenen Stärken sicher sein.“ Arco feiere gerade ihren 40. Geburtstag und habe in dieser Zeit eine sehr starke Verbindung zu ihren Ausstellern und Sammlern aufgebaut.

„Wir haben immer unser Ziel vor Augen und für wen wir arbeiten“, erklärt die Messechefin. „Was wir auf alle Fälle noch lernen müssen, ist der Umgang mit den digitalen Kanälen. Aber unser Profil müssen wir nicht grundsätzlich neu erfinden.“ Der Fokus auf Lateinamerika gehöre natürlich dazu. „Zwar sind einige der großen Galerien nicht gekommen, aber wir stehen in intensivem Dialog und kümmern uns umeinander.“

Auf der Arco wird das Rad also wahrscheinlich nicht neu erfunden; die Messe setzt auf Beständigkeit. In einem immer undurchschaubareren und fraktionierten Kunstmarkt ist das womöglich nicht die schlechteste Strategie.

Aus der pandemischen Not geboren, als Konzept mindestens eine Erwägung wert ist „Panorama Madrid 01“ im städtischen Centrocentro. Dort sind die zehn besten Galerieausstellungen des letzten Jahres zu sehen. So sollen nicht die weitgehend im Lockdown versunkenen Präsentationen der Galerien überhaupt ihr Publikum finden, sondern auch Menschen ansprechen, die normalerweise ihren Weg dorthin nicht finden.

Mit der Auswahl wurden einheimische Kunstkritiker betraut, auch das ist innovativ. Das Projekt soll fortgesetzt werden, dann vielleicht mit anderen Kollegen als den üblichen Verdächtigen. Die Idee ist nicht schlecht, funktioniert aber natürlich nur, wenn die Käufer von 2020 ihre Neuerwerbungen direkt wieder ausleihen wollen und wenn viel Kunst nicht verkauft wurde und noch zur Verfügung steht. Allerdings noch so ein umsatzschwaches Jahr – das wurde bei der Arco augenfällig – dürften viele Marktteilnehmer kaum überstehen.

Mehr: Spark Art Fair: Wiens neue Kunstmesse debütiert mit gewagtem Konzept

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