Pilara Family Foundation: Nach Mieterhöhung: Fotosammlung wird verkauft
Die in einem großen Abzug vorliegende Rassismus-Studie erzielte 952.500 Dollar mit Aufgeld. Erwartet wurden 350.000 Dollar. Es ist der höchste Preis, der für den Künstler je auf einer Auktion erzielt wurde.
Foto: Sotheby'sNew York. Im Juli 2025, wenn der Mietvertrag ausläuft, wird eines der weltweit größten und wichtigsten Spezialmuseen für Fotografie, „Pier 24 Photography“ in San Francisco, schließen. Es war vom ehemaligen Finanzier Andrew Pilara (81) 2010 in einem renovierten Lagerhaus direkt unter der Bay Bridge für seine wachsende Fotosammlung eingerichtet worden.
Innerhalb von 20 Jahren war die kostenlos zugängliche Sammlung mit dem Schwerpunkt auf amerikanischer Fotografie der Nachkriegszeit auf über 4000 Fotos angewachsen. In jüngster Zeit kamen auch junge Künstler dazu, wie Katy Grannan und Richard Learoyd. „Es gibt nichts Vergleichbares in den Vereinigten Staaten“, begeistert sich selbst Jeff Rosenheim, Curator in Charge der Fotoabteilung des New Yorker Metropolitan Museum.
„Wir haben uns fünf Jahre lang vergeblich um einen neuen Mietvertrag mit der San Francisco Port Commission bemüht, die will unsere Miete nun verdreifachen. Anstatt mit einem beträchtlich höheren Budget zu arbeiten, kann unserer Meinung nach das Geld besser durch lokale Organisationen genutzt werden“, erklärte Pilara im Januar.
Der gesamte Bestand wird nun veräußert. 112 Fotos von zehn Künstlern wurden bereits von dem mit einem Stiftungsvermögen von 4,6 Milliarden Dollar überaus großzügig ausgestatteten privaten Glenstone Museum in Potomac (Maryland) erworben. Mit dem Rest wird Sotheby’s nach und nach den Markt füttern. Mit erwarteten über 15 Millionen Dollar will die Pilara Family Foundation künftig die Bereiche Gesundheitswesen, Erziehung und Künste in der San Francisco Bay Area unterstützen.
Sotheby’s Auftakt spielte am Montag und Dienstag für 176 verkaufte Lose bereits 10,6 Millionen Dollar mit einer exzellenten Absatzquote von über 96 Prozent ein, nur sechs Werke fanden keine Abnehmer. Kenner waren von den erzielten Preisen und Rekorden nicht überrascht. „Die Auktion belegt die breite Akzeptanz von rarer und wirklich großartiger Fotografie“, so der New Yorker Fotoexperte Rick Wester.
Das 1936 aufgenommene Motiv gehört zu den bekanntesten Motiven, mit deren Hilfe die US-Regierung die Folgen der schweren Wirtschaftskrise in den 1930er-Jahre kommunizierte. Der 1940 abgezogene Print kam mit Aufgeld auf 609.600 Dollar (Ausschnitt).
Foto: Sotheby'sRobert Franks eindringliche Rassismusstudie „Charleston, S.C.“ (1955) besetzte den Spitzenplatz und sprang von höchstens erwarteten 350.000 Dollar netto auf den neuen Künstlerrekord von 952.500 Dollar mit Aufgeld. Die wurden von George Wachter, Sotheby’s Chairman of North America and South America, für seinen Kunden bewilligt. Pilara hatte den ungewöhnlich großen Abzug 2005 bei Kicken in Berlin erworben.
Auch Dorothea Langes „Migrant Mother, Nipomo, California“ (1936), eines der bekanntesten Fotos der Great Depression - „meine Mona Lisa“, so Pilari - sah rege Konkurrenz und setzte den Rekordpreis bei 609.600 Dollar inklusive Aufgeld. Auch hier handelte es sich um einen besonders großformatigen Abzug.
Die großzügige Anlage von „Pier 24“ ermöglichte, nicht nur Highlights, sondern ganze Gruppen anzukaufen. Lee Friedlanders 52 Fotos der einflussreichen Serie „The Little Screens“ (1961-70) zeichnen den wachsenden Einfluss des Fernsehens auf. Die als ein Los aufgerufene Gruppe bestätigte bei 609.600 Dollar brutto die untere Taxe.