Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Porträt eines Galeristen Thaddaeus Ropac - Der großzügige Gentleman

Der Wahl-Salzburger zählt zu den fünf wichtigsten Galeristen für zeitgenössische Kunst. Den Weltmarkt hat er von Paris aus erobert.
14.11.2020 - 11:36 Uhr Kommentieren
„Einer der ganz großen Künstler der Gegenwart.“ Quelle: Marco Riebler
Thaddaeus Ropac vor einem Gemälde von Georg Baselitz

„Einer der ganz großen Künstler der Gegenwart.“

(Foto: Marco Riebler)

Paris Thaddaeus Ropac rückt die Sessel auseinander: „Auf 1,80 Meter Distanz können wir die Masken abnehmen“, regt er an und öffnet das Fenster seines Büros im zweiten Stock der Pariser Galerie im Marais-Viertel. Anlässlich des 30-jährigen Bestehens seiner Pariser Galerie nimmt sich der sechzigjährige Österreicher viel Zeit für das Gespräch mit dem Handelsblatt.

„Ich mache alle zwei Tage einen Covid-Test, da ich weiterhin so viel reise wie eh und je“, erklärt der für seine Höflichkeit und Selbstbeherrschung bekannte Ropac. Nach einer Stippvisite in Budapest zur Ausstellung des Malers Sean Scully, der neu ist im Galerieprogramm, flog er nach Antwerpen für eine Schau von Adrian Ghenie, dann nach Athen zur Museumsausstellung von Ali Banisadr, deren Eröffnung aber plötzlich abgesagt wurde.

Und am Nationalfeiertag, dem 11. November, der in Frankreich an den Waffenstillstand von 1918 erinnert, feierte Ropac in Paris den Triumph seines umsatzstarken Künstlers Anselm Kiefer. Dem Deutschen mit Atelier in Paris hatte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron einen Auftrag erteilt. Er sollte für die Ruhmeshalle des Panthéon, des symbolträchtigen Begräbnisorts verdienter Männer und Frauen, ein Gedenkwerk zu schaffen.

In diesem Jahr wurde die Asche des Schriftstellers Maurice Genevoix in den Panthéon überführt. Die von Genevoix geschilderten Leiden der Soldaten in den Schützengräben reflektiert Kiefer mit Installationen in sechs Vitrinen. Ein Beispiel: Aus Betonklötzen sprießen Mohnblumen, das Symbol für gefallene Soldaten, darüber hängt eine Bleiwolke.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ropac vertritt Anselm Kiefer seit 2006. Mit Methode, Durchhalte- und Finanzkraft sowie seinem jahrelang gesponnenen Beziehungsnetz setzt er sich für die internationale Anerkennung des deutschen Künstlers ein. Weltweit platzierte er Kiefers Werk in wichtigen Museen und Privatsammlungen.

    Das „Readymade“ vermittelte Thaddaeus Ropac ins Art Institute of Chicago. Quelle: Ropac; VG Bild-Kunst, Bonn 2020
    Der „Flaschenhalter“ von Marcel Duchamp

    Das „Readymade“ vermittelte Thaddaeus Ropac ins Art Institute of Chicago.

    (Foto: Ropac; VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

    Thaddaeus Ropac gründete seine Galerie 1983 in Salzburg. Seine Mentoren Joseph Beuys und Andy Warhol waren entsetzt, wie klein und unterfinanziert sie war. Doch schon 1990 konnte Ropac eine Dépendance in Paris eröffnen. Erst von Frankreichs Kapitale aus begann sein Siegeszug im zunehmend globalen Kunstmarkt.

    Heute rangiert er weltweit unter den fünf wichtigsten Galeristen für zeitgenössische Kunst, wie der französische Kunstsoziologe Alain Quemin dem Handelsblatt bestätigt. „Er bleibt diskret, distanziert und bescheiden. Aber er erwies sich als unerbittlicher Konkurrent der Pariser Galeristen, indem er langsam, aber sicher die besten und teuersten Künstler übernahm: Georg Baselitz, Anselm Kiefer oder Antony Gormley.“

    Großgalerie mit sechs Filialen

    Derzeit verfügt der Großgalerist neben einer Galerie in London über zwei Galerien in Salzburg, zwei in Paris, darunter die 4700 Quadratmeter großen Hallen im Vorort Pantin, die er 2012 mit einer phänomenalen Schau von Anselm Kiefer und einer stupenden Auswahl an Arbeiten von Joseph Beuys eröffnete. In New York und Hongkong unterhält Ropac Büros

    Ropac nennt Anselm Kiefer den „Taufpaten der Galeriehallen in Pantin“. Auf Anfrage lässt Kiefer das Handelsblatt wissen: „Pantin ist für mich ein ganz besonderer Ort. Es ist bezeichnend, dass diese Galerie außerhalb von Paris liegt, denn wer Kunst sehen will, der geht gezielt dorthin. Geht nicht nur vorbei, wie bei einem Wochenendbummel durch Paris.“ Und ergänzt: „Ich habe diese alten Gebäude unheimlich gern, denn darin ist die Arbeit von ganz vielen Menschen, die dort gearbeitet haben, für lange Zeit präsent“.

    Im Auftrag von Emmanuel Macron entstand für die Ruhmeshalle im Panthéon eine Installation mit Vitrinen, verrosteten Fahhrädern, Aluminiumblumen, Stein und Blei sowie überdimensionalen Landschaftsbildern. Quelle: AFP
    Anselm Kiefer

    Im Auftrag von Emmanuel Macron entstand für die Ruhmeshalle im Panthéon eine Installation mit Vitrinen, verrosteten Fahhrädern, Aluminiumblumen, Stein und Blei sowie überdimensionalen Landschaftsbildern.

    (Foto: AFP)

    So viele Repräsentationsorte, so viele Ausstellungen lassen sich nur mit einer Mannschaft von Mitarbeitern stemmen. Mehr als 100 Mitarbeitende sind es mittlerweile. Seinen Angestellten lässt Ropac viel Freiraum, er delegiert geschickt: „Ich bin teamfähig“, meint er lächelnd und behält sich nur die Endentscheidungen vor.

    Büros unterhält er auch in New York und Hongkong. 2019 engagierte er Kyu Jin Hwang als Partnerin für seine Asien-Expansion. Das Office in Hongkong ermöglichte letzte Woche die Beteiligung an der Messe „Art Busan“ in Südkorea und die noch laufende in Schanghai.

    Wie Duchamps Flaschenhalter nach Chicago kam

    Ins New Yorker Büro reist der Boss oft, um sich mit Museumsdirektoren auszutauschen. So gelang es nach Ropacs weltweiter Marketingkampagne, den Flaschenhalter von Marcel Duchamp – eine Ikone der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts – in die Sammlung des Art Institute of Chicago zu schleusen.

    Ropacs Großzügigkeit ist ein wesentliches Charaktermerkmal, aber auch ein kluger Schachzug, insbesondere Museen gegenüber. Der Direktor des Museums im Centre Pompidou, Bernard Blistène, singt Lobeshymnen auf den Galeristen: „Thaddaeus Ropac ist der eleganteste und großzügigste Mensch, den ich je kennen lernte!“ Ropac schenkte dem Centre Pompidou wiederholt wichtige Werke. Blistène ist davon überzeugt, dass der „Gentleman Ropac aus Liebe zur Kunst und zu den Künstlern in die öffentlichen Institutionen investiert“.

    Der Maler, der mit surrealen Kompositionen und sattem Farbauftrag verführt, hat gerade eine Soloschau in Antwerpen. Quelle: Ropac
    Adrian Ghenie „Jungles in Paris“

    Der Maler, der mit surrealen Kompositionen und sattem Farbauftrag verführt, hat gerade eine Soloschau in Antwerpen.

    (Foto: Ropac )

    Dass der smarte, coole Herrn Ropac auch ein beinharter Geschäftsmann ist, macht ein Blick auf die sich verändernde Künstlerliste klar. Nachdem die Galerie 2009 in Paris eine beachtliche Schau iranischer Künstler gezeigt hatte, behielt er nur Ali Banisadr im Portefeuille. Die Brüder Ramin und Rokni Haerizadeh meinten später in ihrem Atelierhaus in Dubai ironisch, Ropac würde auf Künstler wie auf Rennpferde setzen.

    Der Galerist stellt das anders dar: Er hätte 17 iranischen Künstlern nach der teils regimekritischen Ausstellung kurzfristig geholfen, weil sie nicht mehr in ihre Heimat zurückkonnten.

    23 Künstler wurden ausgesiebt

    Vor zehn Jahren standen 58 Namen auf der Künstlerliste. Laut Website sind davon 23 Kunstschaffende ausgesiebt und 31 neue dabei. Darunter die klingenden Namen von Joseph Beuys, Robert Rauschenberg, Robert Wilson und Valie Export. Thaddaeus Ropac unterstreicht, dass das gegenseitige 100-prozentige Vertrauen zwischen Künstler und Galerist die Basis für die Zusammenarbeit sei. Das heißt aber eben nicht, dass der Galerist die Entwicklung der Arbeit kritiklos akzeptiert.

    „Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen ist Thaddaeus Ropac dazu fähig, einen kritischen Blick auf die Werke der Künstler zu werfen, die er vertritt und fördert“, sagt Philippe Dagen, Professor für Kunstgeschichte und seit Jahrzehnten Kritiker der Tageszeitung „Le Monde“. „Vor den Werken stehend, haben wir gelegentlich unsere Bemerkungen und Zweifel ausgetauscht. Konkret möchte ich aber nur Baselitz erwähnen, weil wir übereinstimmen, dass er einer der ganz großen Künstler seiner Zeit ist.“

    Ropac gelingt es, selbst in so enormen Sammlungen wie der von François Pinault, Gründer der Luxusgüter-Gruppe Kering, neue Akzente zu setzen. So konnte er den Ankauf jener frühen Fotografien der heute 80-jährigen Medien- und Performancekünstlerin Valie Export initiieren, die aktuell in Venedig hängen.

    François Pinault persönlich schlug Thaddaeus Ropac 2013 zum Ritter der Ehrenlegion. Denn der Kunst sammelnde Unternehmer hält große Stücke auf den „französischsten aller Österreicher“. Intuitiv, mutig und draufgängerisch sei der Galerist. „Was ich auch an ihm schätze“, fährt der Tycoon fort, „ist seine Vorliebe für Paris. Die ganze Welt riet ihm, Galerien in London, Berlin oder New York zu eröffnen. Er zog es vor, hierzubleiben, Risiken einzugehen und seine Künstler durchzusetzen.“

    Mehr: Ausgefallene Messen: Paris mobilisiert Alternativen für den Kunsthandel

    Startseite
    Mehr zu: Porträt eines Galeristen - Thaddaeus Ropac - Der großzügige Gentleman
    0 Kommentare zu "Porträt eines Galeristen: Thaddaeus Ropac - Der großzügige Gentleman"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%