Sotheby’s Onlineauktion: Edles Porzellan aus Bankierssammlungen
Düsseldorf/Köln. Es gibt nicht viele Porzellansammlungen, die so konzentriert Kultur und Wohlergehen von Bankiersgenerationen spiegeln wie die Sammlung Ehlen. 122 Teller, Teekannen und Kleinskulptur ruft Sotheby’s Köln in einer Onlineauktion vom 27. Februar bis 6. März auf. Ihre Anfänge im 19. Jahrhundert gehen zurück auf den Kölner Bankier Carl Eduard Schnitzler. Das teilt Sotheby’s in einer Pressemitteilung mit.
Wer hingegen mit den deutschen Manufakturen Meissen, Frankenthal und Ludwigsburg vertraut ist, erkennt darin die Sammlung von Hermann Josef Abs. Das einstige Vorstandsmitglied der Deutschen Bank war eine schillernde und auch umstrittene Figur. Der Kunstmäzen war mit Inez Schnitzler verheiratet. Beider Nachfahren bieten das Porzellan unter dem Namen „Ehlen Collection. Eine Rheinische Porzellansammlung“ ohne Reserve an: Damit jeder Interessierte und Neueinsteiger ein Stück „weißes Gold“ erwerben kann, starten die Onlinegebote bei 1 Euro. Die Schätzpreise bieten nur eine Orientierung.
Bei den Kleinskulpturen eines Tänzerpaars und einer Madonna aus der Fuldaer Manufaktur wirken die oftmals moderat angesetzten Taxen allerdings überambitioniert. Eingeliefert wurden keine Tafelservice, sondern dekorative Tabaksdosen, Wappenteller und Terrinen. Die Schätzpreise liegen oft bei 1000 bis 3000 Euro. Nur Raritäten wie die Skulptur „Papagei“ aus Höchst aus den Jahren um 1750/55 zielen auf Preise zwischen 20.000 und 30.000 Euro.
Die gesamte, überwiegend marktfrische Offerte wird auf 400.000 Euro geschätzt. Abgerundet werden die großen deutschen Manufakturen durch einige attraktive Iznik-Teller ottomanischer Zeit, die der Katalog auf 1575 und 1590 datiert. Hier werden jeweils 10.000 bis 15.000 Euro als Schätzpreis angegeben.
Türkisch in der Form ist eine Kaffeekanne in Böttger-Steinzeug. Sie ist schwarz glasiert und mit vergoldeten Chinoiserien verziert. In der Frühzeit von Meissen entstanden, zwischen 1711 und 1715, schätzen Experten die Rarität auf 15.000 bis 26.000 Euro. Porzellangeschichte ist eben auch Technikgeschichte, Kulturhistorie und in diesem Fall auch die Geschichte von kunstsinnigen Bankern.