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Zeitgenössische KunstFrieze Seoul: Mehr als nur Korea-Pop

Seoul triumphiert mit Sammlern, Galerien und viel guter Kunst auf den Messen „Kiaf „ und „Frieze Seoul“. Südkoreas Wirtschaftselite sammelt längst Kunst.Stephanie Dieckvoss 07.09.2022 - 17:21 Uhr Artikel anhören

Das Publikum auf der etablierten Messe „Kiaf“ ist jung. Die Galerie SH konzentriert sich dementsprechend auf Kunst, die in der Manga-Kultur wurzelt. Quelle: Kiaf Operating Committee

Foto: Handelsblatt

Seoul. Anlässlich der ersten „Frieze“-Messe in Asien rollt die südkoreanische Hauptstadt Seoul den roten Teppich aus. Ein vielfältiges Programm zeitgenössischer Kunst mit Museumsausstellungen, offenen Künstlerateliers sowie Galerie-Empfängen kann mit jedem internationalen Vergleich mithalten.

Das Fazit nachdem die Messe am Montag zu Ende ging: Es ist überfällig, dass die internationale Kunstszene von der Qualität der Kunst in Korea Kenntnis nimmt . Und das wirtschaftliche Potential des Landes und seiner Sammler berücksichtigt. Elaine Kwok, frühere Christie’s Direktorin in Hongkong und nun bei Hauser & Wirth Asien bringt es auf den Punkt: „Frieze Seoul hat die Energie von Südkoreas vibrierender Kunstszene auf ein neues Niveau angehoben.“

Einige internationale Galerien haben des bereits vor Jahren erkannt. Pace und Perrotin sind hier schon seit fünf Jahren, Thaddaeus Ropac hat gerade eröffnet. Aber man soll sich nicht täuschen lassen. Exquisite Räume etablierter koreanischen Galerien wie Kukje, Hyundai, PKM oder Hakgojae, die teils seit Jahrzehnten operieren, machen der Besucherin schnell klar: Hier folgen die westlichen Galerien den lokalen, nicht umgekehrt wie in Hongkong.

Frieze hat für den Einstieg in Asien mit der „Kiaf“-Messe zusammengearbeitet, die unter der Leitung des koreanischen Galeristenverbandes seit 20 Jahren eine mehr oder weniger internationale Messe in Seoul organisiert. Im gleichen Kongresszentrum – das im hippen Stadtteil Gangnam liegt – wie Kiaf angesiedelt, zeigt der Ableger der Londoner Messe eine kleine Auswahl der üblichen Frieze Galerien.

Um die 110 Aussteller präsentieren sich in der großzügig ausgelegten Halle vor ausgesuchten asiatischen Sammlern vor rund 70.000 Besuchern. Westliche Galerien brachten weitgehend ihr typisches Programm – stilistisch allerdings auf eine Region ausgerichtet, die abstrakte und konzeptuelle Kunst bevorzugt.

Xavier Hufkens aus Brüssel zeigte mutig vier großformatige, abstrakte Bilder des Amerikaners Sterling Ruby. Schon am ersten Tag der Messe waren alle Arbeiten zu Preisen zwischen 375.000 und 475.000 US-Dollar verkauft. Klar, dass Hufkens nächstes Jahr wiederkommen will.

Die Großgalerie aus New York mit acht Standorten setzt in der ersten Ausgabe der Messe „Frieze Seoul“ auf angesagte Namen: Georg Baselitz und Matthew Day Jackson (l.). Jacksons Baum-Bild bezieht sich auf Caspar David Friedrich. Es konnte an ein Museum in Korea verkauft werden. Quelle: Pace Gallery

Foto: Handelsblatt

Die Berlinerin Esther Schipper setzte klug auf Licht, Bewegung und Ton mit Arbeiten von Phillippe Parreno und Simon Fujiwara. Beide kamen auch beim allgemeinen Publikum sehr gut an. Die Präsentation geht Hand in Hand mit der Eröffnung der ersten ausländischen Dependance der Galerie – in Seoul natürlich.

Erfolgreiche Geschäfte auf der Frieze

Damit ist Esther Schipper die zweite deutsche Galerie, die in der Stadt aufschlägt, nach Johann König, der seine Galerie hier seit 2021 betreibt. Der Galerist war selbst nicht in der Stadt. Und das, obwohl er bei einem Diskussionsforum angekündigt war und die meisten Galeristen bei dieser wichtigen Messe Präsenz zeigten. Aber seit einem Artikel in der „Zeit“ sieht er sich abermals der sexuellen Übergriffigkeit Frauen gegenüber beschuldigt. Er bestreitet diese.

Michael Werner war zufrieden, eine bedeutende Arbeit des fast 90-jährigen Amerikaners Peter Saul von 1962 für 850.000 US-Dollar in Korea zu platzieren. Jeden Tag ließen sich Arbeiten an ein sehr informiertes Publikum verkaufen. Das bestätigte die Galerie dem Handelsblatt.

Auf der Frieze Seoul stammt der Hingucker am Stand von Lehmann Maupin wieder mal von Do Ho Suh. Der Koreaner lenkt den Blick des Betrachters auf Architektur und öffentliche Räume.
Quelle: OnArt Studio

Foto: Handelsblatt

Obwohl sicher nicht jede Galerie erfolgreich war, ist doch klar, dass die Frieze Seoul ein großer Erfolg ist. Sie brachte den Koreanern das internationale Scheinwerferlicht, das sie brauchen, um international wahrgenommen zu werden. Die lange Sammeltradition half der Frieze durch eine Sammlerschicht, die Geld und Geschmack vereint.

Kiaf: Mit und ohne Anspruch

Die Kiaf hatte mehr Bewerber als je zuvor und zeigte 164, auch internationale, Galerien. Kukje Gallery verkaufte gleich am Eröffnungstag Arbeiten im Wert von über einer Millionen US-Dollar. Werke von Park Seo-Bo, einem Vertreter der koreanischen Moderne, lagen um 500.000 US-Dollar, die Arbeiten von Haegue Yang um die 30.000 US-Dollar.

Die Hyundai Gallery verkaufte im Lauf der Messe Kunst im Wert von um 3 Millionen US- Dollar. Neben abstrakten Malern findet man auf der Kiaf allerdings ein sehr gemischtes Programm. Die Messe ist einfach zu groß. Die hinteren Gänge zeigen ausschließlich gefällige Sofakunst, die allerdings auch leicht verkäuflich ist.

Junge Kunst mit Potenzial

Vielversprechende junge Künstler findet man auf beiden Messen recht selten. Es scheint, das recht konservative Publikum verfolgt eher die langjährige Entwicklung eines Künstlers. In der Fokus Sektion auf der Frieze kann man erahnen, welchen Problemen sich jüngere Künstler stellen. Denn politische explizite Kunst finden man auf beiden Messen sehr selten.

Der Iraner Ali Beheshti wurde von Dastan Gallery aus Teheran vorgestellt, um die von Architekturmustern geprägten Papierarbeiten in einen erweiterten asiatischen Kontext zu stellen. Die Arbeiten, die 1.500 bis 3.500 US-Dollar kosten, verkauften sich gut. Aber für den Galeristen ist die Präsenz wichtiger als der Umsatz, wie er dem Handelsblatt erklärte.

Sungsil Ryus Multi-Media-Arbeit (Ausschnitt) beleuchtet Koreas Konsummuster und porträtiert die Bürger zwischen tiefer Müdigkeit und Korruption. Quelle: P21 Gallery

Foto: Handelsblatt

Drawing Room aus Manila präsentierte Objekte von José Santos III, die sich mit der Isolation während des Lockdowns in Manila beschäftigen. P21 aus Seoul zeigte eine Installation der jungen Künstlerin Sungsil Ryu, die sich mit Humor und Tiefe mit der koreanischen Gesellschaft beschäftigt. Sie greift den weitverbreiteten Betrug an älteren Koreanern auf und hinterfragt dabei gleichzeitig eine Konsumgesellschaft, in der alles käuflich ist. Die Preise für Ryus Arbeiten liegen zwischen 10.000 und 25.000 US-Dollar.

Knotenpunkt im Pazifikraum

Geld wir in Südkorea für Kunst ausgegeben. Korea hat die größte Zahl an Privatmuseen in der Welt und ist es ein guter Kontenpunkt für Sammler aus Japan, Singapur, China und Taiwan. Allerdings sah man wenig europäische Sammler auf der Messe und es bleibt abzuwarten, wie viele westliche Sammler Frieze nach Seoul bringen kann. Da gibt es noch einiges an Arbeit zu tun.

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Der koreanische Kritiker und Galerist James B. Lee begründete den Erfolg der koreanischen Kunstszene bei den „Suum“-Kunstgesprächen mit diesen Faktoren: der Stabilität von Politik und Wirtschaft, der Sichtbarkeit koreanischer Künstler im internationalen Kontext, einer wachsende Sammlerschicht, dem Erfolg von Korea-Pop sowie der geopolitischen Veränderungen in Asien.

Dieser Rahmen ermöglichte erst die erfolgreiche Doppelmesse Frieze und Kiaf. Auch wenn kein Asiate es ausspricht: Die Zukunft Hongkongs als Kunstmarktmetropole steht aufgrund der chinesischen Politik mehr als in Frage.

Wer kann in der Asien-Pazifik-Region mittelfristig diese wichtige Stellung übernehmen? Wird es ein oder mehrere Zentren geben? Das ist noch nicht ausgemacht. Die Messe „Art SG“ in Singapur, die im Januar 2023 zum ersten Mal stattfindet, will da sicherlich mitreden. Aber ob Singapur der reichen Infrastruktur Seouls das Wasser reichen kann, bleibt abzuwarten.
Mehr: Kunst aus Nord- und Südkorea in der Sammlung Sigg

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