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Britisch-indischer Schriftsteller„Abscheuliche Tat“ – Politiker verurteilen Angriff auf Salman Rushdie

Der Angriff löste weltweit Entsetzen aus, einige Politiker fordern nun Sanktionen gegen den Iran. Iranische Medien begrüßten die Attacke auf den Schriftsteller. 14.08.2022 - 13:07 Uhr Artikel anhören

Der Autor wurde am Freitag bei einem Auftritt mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt.

Foto: AP

Berlin, New York. Nach dem Messerangriff auf den Autor Salman Rushdie haben sich Politiker weltweit bestürzt gezeigt. Rushdie war am Freitagmittag (Ortszeit) in Chautauqua, im Westen des US-Bundesstaats New York bei einem Auftritt angegriffen worden.

Der britisch-indische Schriftsteller wurde lebensgefährlich verletzt. Laut seinem Agenten trug Rushdie Verletzungen an der Leber und am Arm davon, außerdem werde er wahrscheinlich ein Auge verlieren. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen und ist in Untersuchungshaft. Die genauen Hintergründe der Tat sind noch unklar.

Nach der Veröffentlichung seines Buchs „Die satanischen Verse“ aus dem Jahr 1988 hatte der frühere iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini damals per Fatwa zur Tötung des britisch-indischen Autors aufgefordert. Er warf Rushdie vor, in seinem Roman den Islam, den Propheten und den Koran beleidigt zu haben. Auf das Todesurteil folgten damals eine dramatische Flucht Rushdies und jahrelanges Verstecken.

Auch der 73-jährige Moderator der Veranstaltung mit Rushdie, Henry Reese, wurde bei dem Angriff verletzt. Er erlitt nach Polizeiangaben eine Verletzung im Gesicht und wurde nach einer Behandlung aus dem Krankenhaus entlassen.

Rushdies Agent Andrew Wylie teilte am Sonntag mit, dass der Autor nicht mehr an ein Beatmungsgerät angeschlossen ist und wieder spricht.

Biden: „Rushdie steht für universelle Ideale“

US-Präsident Joe Biden teilte am Samstag mit, er und seine Frau Jill seien über den Angriff auf Rushdie schockiert. „Salman Rushdie – mit seinen Einblicken in die Menschlichkeit, seinem einzigartigen Gespür für die Erzählung, mit seiner Weigerung, sich einschüchtern oder zum Schweigen bringen zu lassen – steht für essenzielle, universelle Ideale“, gab Biden an. „Wahrheit. Mut. Widerstandskraft. Die Fähigkeit, ohne Angst Ideen zu teilen. Das sind die Bausteine jeder freien und offenen Gesellschaft.“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) äußerte sich am Samstag über Twitter: „Was für eine abscheuliche Tat!“, schrieb der Kanzler. Er wünschte dem Autor viel Kraft für die Genesung. „Die Welt braucht Menschen wie Sie, die sich vom Hass nicht einschüchtern lassen und furchtlos für die Meinungsfreiheit eintreten.“

Auch andere Mitglieder der Bundesregierung verurteilten den Angriff. Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) schrieb bei Twitter: „Der Mordanschlag auf ihn ist ein entsetzliches Verbrechen“, Rushdie stehe für Mut und freie Rede. „Ich hoffe, dass er sich schnell und vollständig von seiner schweren Verletzung erholt.“

Außenministerin Annalena Baerbock verurteilte den Angriff und Personen, die ihn unterstützen. „Wer diesen Mordanschlag nun auch noch rechtfertigt, verbreitet nichts anderes als Hass und Extremismus. Wer an ein friedliches Zusammenleben glaubt, muss sich dem klar und konsequent entgegenstellen“, schrieb die Grünen-Politikerin auf Twitter.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser bezeichnete den Angriff „furchtbares Verbrechen“. „Wir alle wünschen ihm sehr, dass er die schweren Verletzungen übersteht und wieder gesund wird“, sagte die SPD-Politikerin der „Bild am Sonntag“.
„Für diese schreckliche Bluttat tragen auch die Verantwortung, die Salman Rushdie seit Jahrzehnten verfolgt und mit dem Tod bedroht haben“, ergänzte sie. Rushdie sei ein „großer, mutiger Kämpfer für die Freiheit des Wortes und die Freiheit der Kunst“. Er habe sich nie einschüchtern lassen.

Iranische Medien begrüßen Angriff

Der Grünen-Vorsitzende Omid Nouripour benannte den Iran direkt als Mitschuldigen. Die Attacke sei ein Angriff auf die Freiheit des Wortes, schrieb Nouripour am Freitagabend auf Twitter. Sie sei „die schlimme Frucht eines Hasses, der seit Jahrzehnten vom iranischen Regime geschürt und finanziert wird. Auch sie trägt für diese Schandtat Verantwortung.“

Auch international geben prominente Politiker dem Iran eine Mitverantwortung für das Attentat. Der britische Premier-Kandidat Rishi Sunak sagte dem „Telegraph“ (Sonntag), der Angriff müsse ein „Weckruf für den Westen“ sein und spreche dafür, die iranische Revolutionsgarde als Terrororganisation einzustufen. Man müsse sich außerdem fragen, ob eine potentielle Einigung mit Iran im Atomstreit „möglicherweise in einer Sackgasse angekommen“ sei.

In iranischen Medien ist der Messerangriff auf Rushdie begrüßt worden. In der regierungsnahen Zeitung „Kayhan“, deren Chefredakteur von Irans weltlichen und geistlichen Oberhaupt Ali Chamenei ernannt wird, hieß es am Samstag: „Tausend Bravos (...) für die mutige und pflichtbewusste Person, die den abtrünnigen und bösen Salman Rushdie in New York angegriffen hat“. Weiter hieß es: „Die Hand des Mannes, der dem Feind Gottes den Hals umgedreht hat, muss geküsst werden.“

Die Zeitung „Chorasan“ brachte die Schlagzeile: „Satan auf dem Weg zur Hölle“. Die Nachrichtenseite Asr Iran veröffentlichte ein Zitat von Chamenei, in dem es heißt, der vom ehemaligen iranischen Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Chomeini abgeschossene „Pfeil“ werde eines Tages das Ziel treffen. Von der Führung in Teheran lag noch keine Stellungnahme vor.

Der israelische Regierungschef Jair Lapid gibt dem Iran ebenfalls die Verantwortung für den Messerangriff. Der Vorfall sei „das Resultat von Jahrzehnten der Aufwiegelung, angeführt durch das extremistische Regime in Teheran“, schrieb Lapid am Samstagabend bei Twitter. Stellvertretend für die Menschen in Israel wünsche er dem Schriftsteller eine vollständige und schnelle Genesung.

Drohungen gegen Rowling

Die britische Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling ist nach dem Angriff auf den Schriftsteller Salman Rushdie online bedroht worden. Rowling hatte am Freitag auf Twitter ihr Entsetzen über die Gewalttat ausgedrückt und über Rushdie geschrieben: „Ich hoffe, er ist okay.“ Daraufhin antwortete ein anderer Nutzer: „Keine Sorge, du bist die nächste.“ (original: „Don't worry you are next“).

Am Samstag bat Rowling zunächst Twitter selbst um Unterstützung. Später bedankte sich die 57-Jährige dann bei ihren Followern für Zuspruch und Unterstützung und schrieb, die Polizei sei eingeschaltet – und auch wegen anderer Drohungen im Einsatz.

Vor einigen Wochen hatte Rushdie sich im Magazin „Stern“ zu den Drohungen geäußert: „So eine Fatwa ist eine ernste Sache. Aber das ist lange her.“ Auf die Frage, was er heute fürchte, antwortete Rushdie: „Früher hätte ich gesagt – den religiösen Fanatismus. Das sage ich heute nicht mehr. Die aktuell größte Gefahr ist, dass wir unsere Demokratie verlieren.“ Das Schlimmste sei, dass Morddrohungen alltäglich geworden seien: „Nicht mehr nur Politiker bekommen sie, sondern selbst amerikanische Lehrer, wenn sie bestimmte Bücher im Unterricht durchnehmen.“

Gegen den 24-jährigen Mann, der auf offener Bühne Schriftsteller Salman Rushdie angegriffen hat, wird wegen versuchtem Mord zweiten Grades und Körperverletzung zweiten Grades ermittelt.

Foto: dpa
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Der mutmaßliche Angreifer, ein 24-Jähriger aus dem US-Staat New Jersey, wies vor Gericht den Vorwurf zurück, er habe am Freitag im US-Staat New York versucht, Rushdie zu töten. Das Gericht ordnete an, dass der Beschuldigte Hadi M. in Untersuchungshaft bleibt. Eine Freilassung gegen Kaution wurde ausgeschlossen.

Staatsanwalt Jason Schmidt sagte, M. habe den Angriff auf den Schriftsteller geplant. Er habe sich ein Ticket für die Veranstaltung besorgt, auf der Rushdie sprechen wollte, und sei einen Tag zuvor mit einem gefälschten Ausweis angereist. „Dies war ein gezielter, unprovozierter, im Voraus geplanter Angriff auf Herrn Rushdie“, sagte Schmidt. Es wurde noch ermittelt, ob es nur einen Verdächtigen gibt.

rel, dpa, ap, rtr
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