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BuchkritikWorte, die für Freiheit sorgen : Roberto Savianos „Aufschrei“ für eine bessere Welt

In seinem neuen Buch schreibt der „Gomorrha“-Autor über die Wirkung starker Worte, über mutige, wortgewaltige Menschen – und ein wenig auch über sich selbst.Christian Wermke 29.05.2022 - 08:30 Uhr Artikel anhören

Der italienische Autor hat sein Leben dem Kampf gegen Machtmissbrauch, Korruption, die Mafia verschrieben.

Foto: imago images/ZUMA Press

Für Roberto Saviano gibt es nichts Mächtigeres als Worte: Sie können Autokratien zusammenbrechen lassen, Diktatoren stürzen, über Grenzen und Schranken springen.

Allen Menschen, denen Worte wichtiger sind als ihre Freiheit, hat der italienische Schriftsteller und Aktivist sein neuestes Werk gewidmet: In „Aufschrei“ mischt der 42-Jährige Erzählungen aus griechischer Antike und Mittelalter mit denen der Neuzeit.

Er schreibt etwa über den Italiener Giordano Bruno, der im Jahr 1600 auf einem Marktplatz in Rom wegen Ketzerei verbrannt wurde, weil er sich weigerte, seine auf Naturwissenschaften basierende Weltsicht zurückzunehmen. Auch dem amerikanischen Whistleblower Edward Snowden, der ermordeten maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia oder dem saudischen Kollegen Jamal Khashoggi, der im Konsulat seines Landes in Istanbul zerstückelt wurde, widmet Saviano jeweils ein Kapitel.

Viele der im Buch zitierten Persönlichkeiten leben nicht mehr. Sie sind für Saviano Beweis dafür, dass es „schrecklicher ist, unter einem Tyrannen zu leben, als für die Freiheit zu sterben“. Saviano schreibt in gewohnt wuchtiger Sprache, stakkatoartigen Aufzählungen, vor allem mit starken Adjektiven, in denen – wie er schreibt – erst das Urteil, das Denken steckt.

Roberto Saviano: Aufschrei. Carl Hanser Verlag München 2022 512 Seiten 27 Euro Übersetzung: Annette Kopetzki. Foto: Handelsblatt

Anfangs etwas ungewohnt ist die Ansprache: Saviano schreibt seinem jüngeren Ich, in dem im Alter von 16 Jahren der Gedanke reift, Investigativjournalist zu werden. Gleichzeitig will er mit seinen Geschichten „Schutzschild, Laterne und Munition“ bieten. Eine Anleitung, um in einer Welt aus Gleichmacherei, Fake News und Unterdrückung den Überblick zu behalten

Saviano kritisiert etwa die sozialen Netzwerke, die er als Legebatterie beschreibt, in der wir in unseren Filterblasen alle nur noch „umgeben sind von Gleichen“. Wer Widerstand leiste, werde mit Hass und Dislikes diskreditiert. Statt die Menschen einzusperren, werden pikante Einzelheiten des Privatlebens ausgebreitet, um jemanden stumm zu stellen. „Der bürgerliche Tod ist schlimmer als der physische“, resümiert Saviano.

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Immer wieder schimmert auch sein eigenes Leben durch. Ein Leben, das er dem Kampf gegen Machtmissbrauch, Korruption, die Mafia verschrieben hat. Berühmt wurde Saviano 2006 mit seinem Buch „Gomorrha“, das – längst als Film und Serie adaptiert – die dunkle und blutige Welt der Camorra beschreibt, der mächtigen Mafia in Kalabrien.

Seit dem Erscheinen des Bestsellers erhält Saviano immer wieder Todesdrohungen – und lebt dauerhaft mit Personenschützern. Im Khashoggi-Kapitel schreibt er, dass der saudische Journalist „ein zum Tode Verurteilter“ war und dies wusste – so, wie auch Saviano es weiß, obwohl es ihm „davor graut, es zuzugeben“.

Aufhören zu schreiben wird Saviano trotzdem nicht. Zum Bürger eines Staates werde man nicht durch den Pass – „sondern durch den Versuch, diesen Staat zu verbessern“.

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