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Buchrezension Warum Narzissten die Welt beherrschen – und weshalb wir sie stoppen müssen

Ob Politik oder Unternehmenswelt: Narzissten fällt der Weg an die Spitze leicht. Dabei sind sie meist nicht leistungsfähiger als andere – eher im Gegenteil.
16.05.2020 - 08:50 Uhr Kommentieren
Für Marie-France Hirigoyen sind die beiden Politiker zwei Seiten einer Medaille. Quelle: AP
Vladimir Putin (links), Donald Trump

Für Marie-France Hirigoyen sind die beiden Politiker zwei Seiten einer Medaille.

(Foto: AP)

Brüssel Sie laufen durch die Straßen von Brüssel, durch die von Frankfurt, Berlin, Paris, Washington, New York, Peking oder etwa Buenos Aires. Sie sind überwiegend männlich und versammeln sich gerne dort, wo es um Macht und Aufmerksamkeit geht: in den Schlüsselstellen von Politik, Wirtschaft und Kultur. Von dort aus bestimmen sie über einen großen Teil des Weltgeschehens – hauptsächlich zur Selbstbeweihräucherung.

Die Rede ist von Narzissten. Dieser besonderen Spezies widmet sich die französische Psychoanalytikerin Marie-France Hirigoyen in ihrem aktuellen Buch „Die toxische Macht der Narzissten – Und wie wir uns dagegen wehren“.

Die Autorin fordert dazu auf, Narzissten ausfindig zu machen, „um ihren Erfolg zu stoppen“. Ausführlich beschreibt sie, wie Narzissten zwar aufgrund ihres hinter Charisma verborgenen manipulativen Verhaltens leichter an die Spitze gelangten, dort aber nicht die besseren Staatslenker oder Manager seien.

Eher im Gegenteil: Sie zeichneten sich dort durch Unehrlichkeit und Inkompetenz aus, seien durch ihre mangelnde Empathie unfähig, etwas Nachhaltiges zu erschaffen. „Keine Studie hat bewiesen, dass Narzissten leistungsfähigere Manager sind“, schreibt die Autorin und macht deutlich: „Es gibt keinen Grund, Narzissten an die Spitze von Unternehmen zu setzen.“ Und trotzdem sind sie gerade dort oft zu finden.

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    Hirigoyen unterschiedet dabei drei verschiedene Kategorien von Narzissten: die grandiosen und größenwahnsinnigen Narzissten, die sich für schöner, intelligenter und bedeutsamer als alle um sie herum halten. Prominentestes Beispiel: US-Präsident Donald Trump.

    Marie-France Hirigoyen: Die toxische Macht der Narzissten.
    C.H. Beck
    253 Seiten
    16,95 Euro

    Dann gibt es da noch die verletzlichen Narzissten, die ebenfalls Erfolgsfantasien haben, aber äußert abhängig davon sind, dass andere positiv über sie denken. Und die narzisstisch Perversen oder Psychopathen, die ihren Größenwahn hinter manipulativem Charme verbergen, während sie zugleich moralisch skrupellos sind. In diese Kategorie fällt der russische Präsident Wladimir Putin.

    Warum sind diese und andere Narzissten in den Machtzentren angekommen, und wie lässt sich ihr Einfluss stoppen?

    Die neue Arbeitswelt ist ein „fruchtbarer Nährboden für Narzissten“, schreibt die französische Psychoanalytikerin als Erklärung. Sie kennt Narzissten aus ihrer Arbeit ganz genau. Gerne werde sie von ihnen aufgesucht, erklärt sie, denn die Autorin ist in ihrem Heimatland keine Unbekannte. Ihr Buch „Die Masken der Niedertracht. Seelische Gewalt im Alltag und wie man sich dagegen wehren kann“ sorgte dafür, dass man sich in Frankreich erstmals Ende der Neunzigerjahre mit Mobbing in der Arbeitswelt auseinandersetzte.

    Die ständige Angst, nicht gut genug zu sein

    Nun vereint die Autorin die damaligen Erkenntnisse mit ihrem aktuellen Thema, der genauen Analyse der Narzissten. Dabei beschäftigt sie sich vor allem mit der neuen Arbeitswelt als Nährboden für eine gewisse Spezies Mensch. Der neue Managementwandel zerstöre die Funktion von Arbeit als Instrument der sozialen Teilhabe und kreativen Entfaltung.

    Denn wo Arbeit auf Zahlen, Ziele und Ergebnisse getrimmt wird, entwickelt sich die ständige Angst, nicht gut genug zu sein. Und dieses entstehende Konkurrenzverhalten führe dazu, dass man lieber den Kollegen aus dem Weg räume, anstatt ihn zu unterstützen. So gelangen automatisch die Narzissten an die Spitze.

    Trotzdem gibt es Hoffnung, diese Entwicklung zu stoppen: „Die Zivilgesellschaft hat begonnen, sich zu mobilisieren und eine Lebensweise infrage zu stellen, die unsere Gesundheit gefährdet und exzessive Ungleichheiten in den Lebens- und Arbeitsbedingungen hervorbringt“, so Hirigoyen.

    Wir können einfach nicht so weitermachen wie gehabt; es braucht einen Systemwandel – und die jüngere Generation will ihn auch. Das klingt so leicht, das liest sich so informativ und einleuchtend, das ist dennoch so schwer in die Realität umzusetzen.

    Mehr: Wir sollten der Wirtschaft dankbar dafür sein, dass sie anziehend für Fieslinge ist

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