Deutscher Wirtschaftsbuchpreis 2025: Das ist das beste Wirtschaftsbuch des Jahres
Frankfurt. Jeannette zu Fürstenberg und Inge Kloepfer gewinnen den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2025. Mit knappem Vorsprung hat die Jury ihr Buch „Wie gut wir sind, zeigt sich in Krisenzeiten. Ein Weckruf“ zum Preisträger gekürt.
Darin beleuchten die Risikokapitalgeberin zu Fürstenberg und die Wirtschaftsjournalistin Kloepfer die deutsche Wirtschaft und den Umgang deutscher Firmen, Institutionen und Individuen mit Stresssituationen. Gerade dort offenbarten sich große Schwächen, weil ein Mangel an Risikokultur und digitaler Kompetenz sowie eine überbordende Bürokratie die notwendigen schnellen Reaktionen verhindern würden.
Für die beiden Autorinnen kein Grund zu verzagen. Ihre These: Deutschland kann technologisch aufholen und wirtschaftlich wieder vorne mitspielen, wenn es sich auf seine historische Innovationsstärke zurückbesinnt, drastisch Bürokratie abbaut und Synergien zwischen traditionellen Unternehmen und KI-getriebenen Start-ups nutzt.
Bereits zum 19. Mal verlieh das Handelsblatt mit Unterstützung der Frankfurter Buchmesse, der Investmentbank Goldman Sachs und des Onlinebrokers Robomarkets den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis. Bei einer feierlichen Gala im Rahmen der Buchmesse feierten etwa 160 Gäste den mit 10.000 Euro dotierten wichtigsten deutschen Preis für Wirtschaftsliteratur.
„Wir leben in einer Zeit, in der wir hart um die richtigen Worte ringen“, sagte der Juryvorsitzende Hans-Jürgen Jakobs, ehemaliger Chefredakteur des Handelsblatts. Geopolitische Spannungen, Handelskrieg, Kulturkampf: Die Macht der Worte gewinnt in der Ära der Polykrisen an Sprengkraft. „Bücher können Entscheidungen beeinflussen und das Meinungsbild prägen“, sagte Jens Hofmann, Co-Investmentbanking-Chef von Goldman Sachs Deutschland.
Seit 2007 prämiert der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis unter dem Motto „Wirtschaft verstehen“ Novitäten, die ökonomische Zusammenhänge möglichst klar und deutlich erklären und so das Verständnis von Wirtschaft in der breiten Öffentlichkeit fördern. Dabei sind Lesbarkeit, Verständlichkeit und Aktualität ebenso Auswahlkriterien wie eine innovative Themensetzung, die neue Blickwinkel eröffnet.
Dieses Jahr musste die Jury, die aus hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft besteht, aus knapp 90 Einsendungen von nahezu allen namhaften deutschsprachigen Verlagen wählen. Zehn Titel schafften es dann auf die Shortlist des Wirtschaftsbuchpreises.
„Der wichtige Aufbruchsmoment ist jetzt“
Schließlich entschied man sich für „Wie gut wir sind, zeigt sich in Krisenzeiten“, weil es „ein extrem wichtiges Buch ist, das Chancen für uns als Kontinent aufzeigt“, erklärte Juryvorsitzender Jakobs. „Ein Plädoyer gegen Pessimismus, das aufzeigt, wo unsere Potenziale liegen.“
Ein augenöffnender Blick in die verschwiegene Welt des Venture Capital, in der Jeannette zu Fürstenberg als Start-up-Investorin und Europa-Chefin des globalen Risikokapitalgebers General Catalyst beheimatet ist.
Anhand vieler Beispiele von Start-ups, Mittelständlern und Bürgern, die in der Pandemie, in Energie- und Klimakrisen sowie in Fragen der Künstlichen Intelligenz und der Verteidigungsfähigkeit kreative Lösungen fanden, zeigen zu Fürstenberg und Co-Autorin Inge Kloepfer, mit welchen Ideen und Technologien Deutschland mutiger, resilienter und innovativer werden könnte.
„Es geht um Resilienz und Problemlösungskompetenz“, sagte zu Fürstenberg bei der Preisverleihung. „Der wichtige Aufbruchsmoment ist jetzt“. Industrie, Politik, Technologie und Kapital müssten zusammenarbeiten, um Deutschland zukunftsfest zu machen.
„Wahrhaftigkeit, Weitsicht, Großmut“
Zum vierten Mal konnten auch die Leserinnen und Leser des Handelsblatts online ihren Favoriten wählen. Den undotierten Leserpreis gewann mit großem Vorsprung „Werte. Ein Kompass für die Zukunft“ von Maja Göpel.
In ihrem Buch fragt sich die Politökonomin, welche Werte uns in einer Welt voller Krisen leiten. Sie fordert ein wirtschaftliches und politisches Handeln, das Gemeinwohl, ökologische Verantwortung und soziale Gerechtigkeit ins Zentrum stellt – und sich nicht kurzfristiger Gewinnmaximierung, blindem Fortschrittsglauben und stetigem Wachstumszwang unterwirft. Göpel sagte: „Wahrhaftigkeit, Weitsicht, Großmut sind die drei Werte, die ich mir bei Führungspersönlichkeiten am meisten wünsche.“
Sie argumentiert, dass Märkte ohne klare normative Grundlagen zu zerstörerischen Kräften werden. Mit ihrem Wertekompass will sie Unternehmen und Individuen mithilfe neuer Maßstäbe und Messgrößen Orientierung in unsicheren Zeiten bieten. Göpels Anspruch: Werte sind keine weichgespülte Rhetorik, sondern harte Standortfaktoren für die Zukunftsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft.
„So lange wird Putin nicht warten“
Um diese gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit ging es auch im Panel des Abends „Sicherheit denken – Frieden gestalten“ mit Susanne Wiegand, Multi-Aufsichtsrätin und Ex-Chefin beim Rüstungszulieferer Renk, und Nico Lange, Senior Fellow bei der Münchner Sicherheitskonferenz.
Wir sind schon seit Jahren im hybriden Krieg mit Russland, mahnte Wiegand gleich zu Beginn. Mit bewussten Grenzverletzungen wie Cyberangriffen, Drohnenvorstößen und Militärmanövern wolle Russland die EU testen. Doch den politischen Termin von Verteidigungsminister Boris Pistorius, Deutschland bis 2029 kriegstüchtig zu machen, teile sie nicht. „So lange wird Putin nicht warten.“
Um ihn zu bremsen, brauche es schneller eine glaubwürdige und wirksame Abschreckungsfähigkeit. „Nur das sichert langfristig Frieden und Demokratie“, sagt Wiegand. Großen Nachholbedarf sieht Wiegand vor allem bei der Drohnenabwehr und der Luftverteidigung an der Ostflanke.
In Deutschland fehle es oft an Geschwindigkeit, sagte Lange. Zwar hätten wir die nötigen technologischen Voraussetzungen und Fähigkeiten, dafür sei unsere politische Entscheidungskultur viel zu träge. Damit die „Zeitenwende“ gelingt, brauche es mehr Tempo, mehr Entschlossenheit sowie einen tiefgreifenden Mentalitätswandel. Nichtstun werde sonst rabiat bestraft.
„Es wäre unverantwortlich gewesen, das Buch nicht zu schreiben“
Darin werfen die beiden Handelsblatt-Autoren einen schonungslosen Blick hinter die Kulissen des umstrittenen Elektroautoherstellers: Basierend auf internen Dokumenten, Gerichtsakten, Insidergesprächen und monatelangen Recherchen zeichnen sie das Bild eines Konzerns außer Kontrolle mit einem Chef ohne Skrupel an der Spitze. „Elon Musk will mit Tesla die Welt verändern“, sagte Verfürden. „Es wäre unverantwortlich gewesen, das Buch nicht zu schreiben.“
Denn während sich Elon Musk als Retter der Zivilisation inszeniert, werfen ungewöhnlich viele Arbeitsunfälle in den Tesla-Fabriken, gefährliche Fehler des Autopiloten, zahllose gebrochene Versprechen und ein erratischer Führungsstil einen dunklen Schatten auf seinen Erfolg. Das Buch zeigt, wie Machtkonzentration, technologischer Hype und unzureichende Regulierung ein globales Unternehmen prägen, dessen Produkte unsere Mobilität und Energieversorgung verändern.