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Wirtschaftsbuchpreis 2022Einladung zur aktiven Mitgestaltung der Wirtschaft

Der Journalist Alexander Hagelüken hat eine etwas andere Einführung in die Ökonomie geschrieben – eine für Jugendliche. Darin schlägt er den Bogen von der Steinzeit bis zur digitalen Welt.Claudia Panster 24.09.2022 - 09:32 Uhr Artikel anhören

Gerade Kinder und Jugendliche setzen sich für den Klimaschutz ein. Deshalb greift auch Hagelüken in seinem Buch auf das Klima zurück und widmet ihm ein ganzes Kapitel.

Foto: imago images/penofoto

Düsseldorf. Es gibt heute wohl keinen Jugendlichen, der sich nicht für den Klimaschutz interessiert. Er ist das bestimmende Thema unserer Zeit. Wer Jugendliche also für Wirtschaft begeistern will, greife möglichst auf das Klima zurück.

Und so hat der Wirtschaftsjournalist Alexander Hagelüken in seinem Buch „Wirtschaft für Kids“ dem Klimawandel ein eigenes Kapitel gewidmet. „Wenn ein Autohersteller Bleche für Motorhauben ordert, zahlt er. Wenn dieselbe Firma bei der Produktion CO2 in die Luft bläst, zahlte sie bisher nichts.“ Mit anschaulichen Sätzen wie diesen erklärt der Autor die Grundlagen unseres Wirtschaftssystems.

Hagelüken, leitender Redakteur für Wirtschaftspolitik bei der „Süddeutschen Zeitung“, hat eine Einführung in die Ökonomie geschrieben – aber, wie der Untertitel schon verheißt, eine der etwas anderen Art. Es ist eine Einführung für Kinder, genauer gesagt für Kinder ab 13 Jahren. Damit ist die Zielgruppe von vornherein klar definiert. Entsprechend duzt Hagelüken die Leser: „Hast du schon mal mit deinen Eltern ums Taschengeld verhandelt? Fragst du dich, wie sich eine Klimakatastrophe verhindern lässt? Überlegst du, was du später mal werden willst? Das hat alles mit Wirtschaft zu tun.“

Hagelüken fängt da an, wo seine Leser vermutlich zum ersten Mal selbst mit Wirtschaft in Verbindung kommen – beim Taschengeld. Lebensnah ist das Kapitel zu Beruf und Arbeit, in dem er den Kids erklärt, wie wichtig Bildung ist: „Jeder Fünfte ohne Berufsausbildung landet in der Arbeitslosigkeit. 20 Prozent, das ist ein sehr hohes Risiko.“ Bei Menschen mit abgeschlossener Ausbildung liege die Arbeitslosenquote nur bei etwa drei Prozent, bei Akademikern sogar bei zwei.

Der Anteil der unqualifizierten Arbeitnehmer nimmt stetig ab. Der Grund ist klar: Die fortschreitende Technologisierung macht viele ihrer früheren Tätigkeiten überflüssig. „Einfache Handlanger in der Fabrik gibt es kaum mehr“, schreibt Hagelüken. Und in der Regel gelte: Je höher der Ausbildungsgrad, desto höher das Gehalt. Ein kleiner Motivationsschub für die Leser.

Alexander Hagelüken: Wirtschaft für Kids Verlag C. H. Beck München 2022 191 Seiten 12,95 Euro Foto: Handelsblatt

Der Autor lädt zur aktiven Mitgestaltung der Wirtschaft ein. „Wirtschaft sind wir alle. Wir profitieren von ihr oder leiden unter ihr. Aber wir können sie verändern – als Konsumenten, Berufstätige und politische Aktivisten. Dabei hilft es zu verstehen, wie die Wirtschaft funktioniert.“
Ein Kapitel widmet er dem Gründertum, berichtet von Kai Lanz, der eine Firma gegründet hat, die mittels einer App Schülern hilft, die gemobbt werden.

Oder von Jenny, die in ihrem Foodtruck vegane Pizza verkaufen will. In einem anderen erklärt er, wie auch schon junge Menschen ihr Geld möglichst sinnvoll anlegen können. Diese praxisorientierten Kapitel wechseln sich ab mit Abschnitten über das beste Wirtschaftssystem oder Globalisierung.
Hagelükens Ziel ist genau das, was sich der Wirtschaftsbuchpreis auf die Fahne geschrieben hat – „Wirtschaft verstehen“. Er selbst hat vier Söhne im Alter zwischen sechs und 23 Jahren, erfährt der Leser im Buch. Er weiß also, wovon er spricht und was Kinder in den verschiedenen Altersstufen interessiert – was sie schon verstehen und was nicht.

Sein Vorhaben ist der Autor sehr nutzwertig angegangen. Wirtschaftliche Begriffe wie Kaufvertrag, Bilanz oder Tariflöhne sind im Text gefettet und in einem Verzeichnis am Ende versammelt, über das man sie im ganzen Buch suchen kann. Andere Begriffe, deren Erklärung mehr Raum einnimmt, wie Bruttoinlandsprodukt oder die verschiedenen Unternehmensformen, sind in Kästen ausgegliedert, die man nur bei Bedarf lesen muss.

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Bei dem, was erklärungsbedürftig ist, die richtige Balance zu finden, war dabei wohl nicht immer leicht. Personen etwa führt der Autor nicht stringent ein. So erhält Steve Jobs den Zusatz „Gründer der iPhone-Firma Apple“, Karl Marx aber steht mit seinem Namen für sich.

Auf nicht mal 200 Seiten schlägt Hagelüken den Bogen von den Steinzeitmenschen über die Entstehung der Landwirtschaft, die Anfänge des Handels und die Soziale Marktwirtschaft bis hin zu Kryptowährungen. Dass die Ausführungen nicht allzu tiefgründig sein können, versteht sich da fast von selbst. Das Buch ist stattdessen eine locker geschriebene Sammlung von Wirtschaftsthemen, die Heranwachsende interessieren könnten oder sollten. Quasi ein kompakter verschriftlichter Wirtschafts- und Sozialkundekurs.

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