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Buchrezension Kann ausgerechnet der Kapitalismus das Klima retten?

Andrew McAfee stellt sich gegen Pessimismus in der Klimadebatte. Seine These: Mehr Produktion führe nicht zu mehr Ressourcenverbrauch – eher im Gegenteil.
05.09.2020 - 10:03 Uhr Kommentieren
Großer Funktionsumfang bei nur knapp 200 Gramm Materialeinsatz. Quelle: Ravi Kumar / Unsplash
Smartphone im Grünen

Großer Funktionsumfang bei nur knapp 200 Gramm Materialeinsatz.

(Foto: Ravi Kumar / Unsplash)

Hamburg Man muss Andrew McAfees Buch unweigerlich als eine Antwort auf die „Fridays for Future“-Bewegung lesen: Der Amerikaner nimmt eine optimistische Gegenposition zur Weltuntergangsstimmung der jungen europäischen Klimaschützer ein. Der in dieser Woche in deutscher Übersetzung erschienene Band verteidigt den Kapitalismus als Triebfeder von Fortschritt und Effizienz, der lediglich etwas Einhegung brauche.

Der für den deutschen Markt etwas ungelenk als „Mehr aus weniger“ übersetzte Buchtitel „More from Less“ ist dabei wörtlich zu nehmen: McAfees Kernthese ist, dass die Marktkräfte in Kombination mit dem technischen Fortschritt mehr Wohlstand bei weniger Ressourceneinsatz ermöglichen.

Sein prägnantestes Beispiel ist das Smartphone: Bei knapp 200 Gramm Materialeinsatz kombiniert es Tonbandgerät, Kamera, Videorekorder, Fernseher, Radio, CD-Spieler und etliche andere Geräte. McAfee nimmt dabei die Klassiker der Ökonomie als Kronzeugen: Adam Smith, Alexis de Tocqueville, an einer Stelle sogar Otto von Bismarck.

In typisch amerikanischer Sachbuch-Manier nimmt er die Leser mit auf eine kleine persönliche Entdeckungsreise durch die Ideen der klassischen Volkswirtschaftslehre – verständlich gerade auch für Nicht-Ökonomen. Er zeigt anhand von Statistiken, dass die US-Industrie mehr produziert, dabei aber weniger Metalle, Kohle und andere Rohstoffe verbraucht – etwa weil Getränkedosen dünner werden, schlicht um Kosten für Aluminium zu sparen. Anekdotenreich führt er die Grenzen der freien Märkte vor, die er etwa für die Beinahe-Ausrottung der Bisons im Wilden Westen verantwortlich macht.

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    Seine These: Der Kapitalismus ist fortschrittsfreudiger und effizienter als alle anderen Wirtschaftsformen, braucht aber Einhegung – nicht im Sinne von Selbstbescheidung wie bei „Fridays for Future“, sondern durch bürgerschaftliches Engagement. Er nennt die Faktoren die „vier Reiter des Optimisten“: technologischer Fortschritt, Kapitalismus, öffentliches Bewusstsein und bürgernahes Regieren. Die Bürger müssten dabei ihre Differenzen überwinden, um die Politik zu passenden Maßnahmen gegen den Klimawandel zu bewegen.

    Andrew McAfee: Mehr aus weniger.
    DVA
    384 Seiten
    26 Euro

    McAfee kommt dabei auf konkrete Vorschläge, die nicht jedem deutschen Leser behagen dürften. So tritt er vehement für Atomkraft und Gentechnik ein, die geringen Ressourcenverbrauch sichern sollen. Hauptmechanismus ist für ihn aber ein Marktpreis für Verschmutzungsrechte, der etwa die CO2-Emissionen so verteuern könnte, dass die Industrie aus Eigeninteresse die Emissionen senkt. Das ist für ihn explizit ein Gegenentwurf zur deutschen Energiewende, die er für zu bürokratisch und wegen der Abschaltung der Atomkraftwerke für zu ideologisch geprägt hält.

    Ein blinder Fleck des Buchs ist die politische Ökonomie, die zu solchen Entscheidungen führt – auch weil McAfee jüngere Publikationen der Ökonomie abseits der Klassiker nur sehr ausgewählt zitiert. Dennoch ist sein Buch ein wertvoller Beitrag, der eine neue Farbe zur aktuellen Diskussion hinzugibt.

    Sein eigentümlich amerikanischer Beitrag zur Debatte setzt einen Kontrapunkt zu wiederauferstandenen staatlichen Regulierungsideen, die durch die harten Eingriffe während der Coronakrise noch an Schwung gewinnen dürften. Da das Original bereits 2019 erschienen ist, geht das Buch allerdings auf die Pandemie explizit noch nicht ein.

    Trotzdem bleiben McAfees Vorschläge aktuell – auch zur anstehenden US-Wahl. Seinen Landsleuten rät der 1967 geborene Autor, gemeinsame Werte wiederzuentdecken, statt sich spalten zu lassen. Dieser Rat gewinnt gegenwärtig auch in Europa an Relevanz.

    Welches ist das beste Wirtschaftsbuch des Jahres? Zehn Finalisten gehen ins Rennen um den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis, der im Rahmen der Frankfurter Buchmesse im Oktober verliehen wird. Bis dahin werden die zehn Finalisten der Shortlist vorgestellt.

    Mehr: An wen geht der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis 2020? Lesen Sie hier, welche Werke in diesem Jahr noch auf der Shortlist stehen.

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