Märkte Insight: Ein neuer Blick auf die Geldpolitik – mit Konsequenzen für Anleger
Auch diese Woche lässt keinen Zweifel: Nichts ist so entscheidend für die Kapitalmärkte und damit auch den Wohlstand von Millionen, weltweit sogar Milliarden Menschen, wie die Geldpolitik. Jede neue Inflationszahl löst, wie gerade jetzt wieder zu beobachten, deutliche Marktreaktionen aus, weil die Anleger bei einem enttäuschenden Ergebnis ein etwas höheres Zinsniveau einkalkulieren müssen, das umgekehrt die Kurse von Aktien und Anleihen unter Druck setzt.
Vor diesem Hintergrund ist aber auch interessant, welche langfristigen Folgen Geldpolitik hat. Isabel Schnabel, Direktorin der Europäischen Zentralbank (EZB), hat mit einer Rede in dieser Woche gerade wieder ihren Ruf als Vordenkerin der Zunft bestätigt. Dabei hat sie zunächst mehr zurück als nach vorn geschaut: Sie hat die in der Vergangenheit zeitweise umfangreichen Anleihekäufe der EZB untersucht.
Kritiker haben dem früheren EZB-Chef Mario Draghi immer schon vorgeworfen, mit dem Kauf von Staatsanleihen zu viel Geld ins Finanzsystem zu pumpen und damit die Inflationsgefahr zu erhöhen. Tatsächlich wollte Draghi ja auch die zu seiner Amtszeit bis 2019 eher zu niedrige Inflation mit den Anleihekäufen anheben. Eine populäre Vorstellung ist, dass die EZB mit ihren Anleihekäufen in der Vergangenheit eine riesige Geldmenge geschaffen hat, die eine Zeit lang nur wenig bewirkt hat, aber dann doch die nach der Covid-Pandemie anspringende Inflation zumindest unterstützt hat.