Uber-Aktie: Die Macht der ETFs
Düsseldorf. Das Börsenjahr 2023 war voller Überraschungen. Das Comeback der Kryptowährung Bitcoin haben ebenso wenige Experten vorausgesehen wie die Rekordjagd des Dax. Der deutsche Leitindex zeigte sich am Montag zwar nicht besonders schwungvoll, erreichte mit einem Plus von 0,3 Prozent aber dennoch einen neuen Rekord bei 16.816 Punkten. Aus dem Handel ging der Dax 0,2 Prozent höher bei 16.794 Punkten. Der Anstieg seit Jahresbeginn summiert sich mittlerweile auf rund 20 Prozent.
Im Vergleich zur Kursentwicklung einiger Einzelwerte ist das aber noch moderat. Denn 2023 brachte auch das Comeback einiger nahezu totgesagter Tech-Aktien. Dazu gehört auch Uber. Die Titel des Fahrdienstvermittlers legten seit Jahresbeginn um knapp 150 Prozent zu. Das beschert Uber nun den Aufstieg in die erste Börsenliga.
Zum 18. Dezember wird die Aktie in den US-Leitindex S&P 500 aufgenommen. Um sich dafür zu qualifizieren, müssen Unternehmen mehrere Kriterien erfüllen: Ihre Marktkapitalisierung muss mindestens 14,5 Milliarden Dollar betragen. Die Summe aus Gewinnen und Verlusten der vergangenen vier Quartale muss positiv sein, wobei im letzten Quartal ein Gewinn notwendig ist.
Dazu muss mindestens die Hälfte der Aktien frei handelbar sein, und in den vergangenen sechs Monaten müssen mindestens 250.000 Stück gehandelt worden sein. Uber erfüllt diese Voraussetzungen, sodass ein Komitee am 1. Dezember nach Börsenschluss den Aufstieg in den S&P 500 bekannt gab.
ETFs sind ein weiterer Schub für die Uber-Aktie
Unabhängig von den weiteren geschäftlichen Aussichten von Uber hat das der Aktie noch mal einen weiteren Schub gegeben. Denn der S&P 500 ist nicht nur der wichtigste US-Index. Es gibt auch zahlreiche börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die dessen Wertentwicklung abbilden – mit entsprechend viel verwalteten Geldern.
Allein die fünf größten kommen laut der Analyseseite ETFdb auf über eine Billion Dollar. Diese ETFs müssen die Uber-Aktie zum 18. Dezember gekauft haben. Schließlich ist der Fahrdienstvermittler dann Bestandteil des Indexes.
Der US-Finanzdienstleister Bernstein Research schätzt, dass ETFs rund 200 Millionen Uber-Aktien erwerben müssen. Das sind laut dem Finanzdienst Refinitiv rund zehn Prozent aller Anteile des Unternehmens.
Das sorgt dafür, dass die Aktie weiter steigt, seit Ankündigung des Aufstiegs um bis zu 7,5 Prozent. Damit ist das Kurspotenzial aus dem Aufstieg aber noch nicht ausgereizt, wie Berechnungen des Analysten John Colantuoni von der US-Bank Jefferies zeigen.
Im Schnitt legen Aktien von der Ankündigung bis zur tatsächlichen Aufnahme in den S&P 500 rund elf Prozent zu – in Einzelfällen sogar deutlich mehr.
Wie passiv ist ein ETF wirklich? Das Beispiel Tesla
Ein besonders extremes Beispiel war der Aufstieg des E-Auto-Bauers Tesla in den US-Leitindex. Der Schritt wurde am 13. November 2020 angekündigt und am 21. Dezember desselben Jahres vollzogen. In der Zwischenzeit stieg die Aktie um 70 Prozent.
Das zeigt: Auch wenn es häufig heißt, dass Anleger mit ETFs „passiv“ investieren, weil sie nicht auf die Entwicklung einzelner Aktien spekulieren, sondern auf die Entwicklung des breiten Marktes setzen, sind ETFs nicht so passiv, wie es der Begriff suggeriert. Erstens bewegen sie indirekt die Märkte, und zweitens können Anleger selbst mit breit streuenden ETFs nicht verhindern, sich Hypes ins Depot zu holen.
Zum Nachteil der Anleger muss das trotzdem nicht sein: In den vergangenen 20 Jahren legte der S&P 500 um mehr als 300 Prozent zu. Nur vier Jahre in diesem Zeitraum schloss er mit einem Verlust ab.
Wer dagegen auf den Aufstiegseffekt bei Einzelaktien wetten will, sollte wissen: Dafür sind gutes Timing und starke Nerven nötig. Die Tesla-Aktie beispielsweise verlor an ihren ersten beiden Tagen im S&P 500 bis zu zwölf Prozent an Wert.
Erstpublikation: 12.12.2023, 00:04 Uhr.