1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Anlagestrategie
  4. Trends
  5. Börsenguru Marc Faber: „Wir sind auf der Titanic“

Börsenguru Marc Faber„Wir sind auf der Titanic“

Der bekannte Querdenker erwartet einen bösen Ausgang der Geldexperimente der Notenbanken. Im Interview spricht er über die Finanzwelt am Abgrund, seinen Glauben ans Gold – und sagt, wie er sein eigenes Geld angelegt hat.Ingo Narat 05.09.2016 - 12:41 Uhr Quelle: Handelsblatt ePaperArtikel anhören

Der Wahl-Asiate geht gerne unkonventionelle Wege.

Foto: dpa

Marc Faber hat meist nicht viel Zeit, der unorthodoxe Ökonom ist dauernd auf Reisen. Veranstalter von Konferenzen und Fernsehsender reißen sich um ihn. Der Schweizer und Wahl-Asiate versteht nicht nur viel von Finanzen. Er redet auch Klartext, hat immer starke Thesen und glänzt als Entertainer. In einem halbstündigen Gespräch wird Faber seinem Ruf als Untergangsprophet gerecht: Er erwartet einen bösen Ausgang der Geldexperimente der Notenbanken. Sein Rat: Anleger sollten sich auf Schadensbegrenzung konzentrieren.

Herr Faber, die Finanzmärkte sind momentan ruhig. Ist das ein gutes Zeichen oder die Ruhe vor dem Sturm?
Eher die Ruhe vor einem Sturm. Die Aktienkurse schwanken nur moderat, aber das kann sich schnell ändern. Die großen Notenbanken kaufen Anleihen, Währungen, auch Aktien. Möglich, das wir noch einen Monat Hausse vor uns haben.

Wie beurteilen Sie die Aktionen der Notenbanker?
Manche nennen es Interventionen. Ich nenne es Manipulation. Privatleute würden mit solchen Aktionen im Gefängnis landen. Aber die Notenbanker erlauben sich das. Und die Finanzbranche kritisiert es kaum. Klar, das Gelddrucken der Notenbanken treibt die Wertpapierkurse. So werden die Depots aufgeblasen. Damit steigen die Einnahmen der Vermögensverwalter.

Also alles gut für den Anleger?
Nein, der hat es schwer, sich eine Meinung zu bilden in der Welt der Geldfluten.

Werden wir davon mehr sehen?
Das glaube ich schon. Die Notenbanker dürften noch expansiver werden. Ich halte es für wahrscheinlich, dass sie ihre monatlichen Wertpapierkäufe von jetzt rund 180 auf etwa 300 Milliarden Dollar aufstocken. Wir steuern zwar seit sieben Jahren Expansionskurs, aber die Konjunktur in den Industrieländern ist recht schwach.

Ihr Blick auf die Märkte nach vielen Jahren Aufschwung bei Aktien, Anleihen und Immobilien?
Otto Normalverbraucher bringt das nichts, der hat kaum Aktien. In den USA ist der Lebensstandard gesunken. Nur die Reichen profitierten von der Aktienhausse. Das haben die Notenbanker zu verantworten. Das ist eine Folge ihrer Geldflut und Tiefzinsen.

Sie haben also eine noch schlechtere Meinung von den Notenbankern, als Sie eben sagten?
Ich frage mich, wie die in einer Demokratie so viel Macht anhäufen konnten. Ich würde keinem Akademiker, der noch nie in der Privatwirtschaft gearbeitet hat, einen Job geben. Schon 1998 kritisierte ich den damaligen US-Notenbankchef Alan Greenspan, weil er den Hedgefonds LTCM rettete. Den Fonds hätte man Pleite gehen lassen müssen. Aber stattdessen bekamen wir auch noch die Aktienblase zur Jahrtausendwende und anschließend die Immobilienblase mit der Finanzkrise.

Marc Faber – zur Person
Der gebürtige Schweizer genießt als "Börsenkassandra" international Kultstatus. Er wurde berühmt, als er 1987 eine Woche vor dem "Black Monday" den Crash ankündigte. Der Querdenker lag oft richtig: 1990 etwa warnte er vor dem Platzen der Japan-Blase, Anfang 2000 vor zu teuren Internetaktien und kündigte im März 2009 die Hausse an der Wall Street an. Allerdings war der bekennende Zopfträger mit seinen Hiobsbotschaften manchmal auch zu früh dran.
Er startete sein Berufsleben bei einer Investmentbank in New York. Anfang der 70er-Jahre ging er nach Hongkong. Zu Beginn der 90er-Jahre gründete er dort seine eigene Firma Marc Faber Limited. Er betreut heute 300 Millionen Dollar an Vermögen für Privatleute, vor allem Asiaten, berät außerdem Institutionen. Faber ist gefragter Redner und gibt einen monatlichen Börsenbrief mit dem Titel "The Gloom, Boom & Doom Report" heraus.
Er brachte es als Jugendlicher zum Schweizer Hochschulmeister im Skilauf. Mit 24 Jahren trug der Wirtschaftswissenschaftler den Doktortitel. Der 70-Jährige lebt heute mit seiner Frau im thailändischen Chiang Mai. Dort pflegt er die weltgrößte Sammlung an Mao-Zedong-Büsten. Der bodenständige Mann wundert sich manchmal selber über seine Popularität, etwa beim Besuch einer Bar, als ihn eine Tänzerin erkannte ("You must be the famous Marc Faber").

Was erwarten Sie vom nächsten großen Thema in den USA, den anstehenden Wahlen?
Ob Hillary Clinton oder Donald Trump gewinnt, so groß werden die Unterschiede am Ende kaum sein, rein politisch. Auch der Republikaner kann nur gewinnen, wenn er Kompromisse macht. Schafft es Trump, dann würden sicher russische Aktien und Anleihen gut laufen.

Sind Aktien interessanter als Anleihen und Zinsanlagen?
Wahrscheinlich ja. Aber sicher ist das nicht. Als ich in den 70er-Jahren anfing an der Wall Street zu arbeiten, konnte ich meinen Lohn zu sechs Prozent anlegen. Später stiegen die Zinsen bis auf 15 Prozent. Fast drei Jahrzehnte lang warfen Anleihen jährlich durchschnittlich zehn bis 15 Prozent Ertrag ab. Das reichte völlig für einen Vermögensaufbau. Und heute? Man bekommt vielleicht fünf Prozent Zins, dann aber für eine Anleihe aus Kasachstan mit hohen Risiken.

Haben dann nicht tatsächlich Aktien die besseren Chancen?
An der Wall Street sind sie recht teuer. In Europa könnten sich die stark gefallenen Bankenwerte erholen. Die haben allerdings hohen Kapitalbedarf. Und wenn die Weltwirtschaft schwächelt, würde auch Unternehmen wie BMW oder Daimler das Geldverdienen schwerfallen. Aus regionaler Sicht ziehe ich die Schwellenmärkte vor. Da kann ich mit einem guten Aktienmix eine Dividendenrendite von fünf Prozent schaffen.

Also wäre das eine Lösung?
Wirklich Geld zu verdienen, auch mit größeren Anlagesummen, das ist viel schwerer geworden. In diesem Jahr haben brasilianische Aktien in Dollar zwei Drittel gewonnen. Aber dort würde kein Investor viel Geld anlegen. Oder nehmen wir den kleinen Markt der Goldminenwerte. Da haben sich in diesem Jahr viele Aktien verdreifacht – in den Jahren davor auch vier Fünftel verloren. Es gibt schon Gelegenheiten. Da sind Privatleute immerhin im Vorteil gegenüber Großinvestoren wie Pensionskassen. Sie können da besser zugreifen, aber sie brauchen gute Berater.

Verwandte Themen
USA

Was empfehlen Sie dem Privatanleger?
Er muss sich klar sein, dass das monetäre Experiment desolat ausgehen wird. Die wahnsinnigen Notenbanker tragen die Verantwortung. Sie sind die Schuldigen. Wir steuern auf einen Eisberg zu. Wir sind auf der Titanic. Und was tun wir? Wir streiten über die besten Stühle auf dem Deck. Ich glaube: Im Ernstfall werden Aktien weniger leiden als Anleihen, Edelmetalle können sich gut entwickeln.

Wie gehen Sie privat mit den Problemen um? Wie haben Sie Ihr Geld angelegt?
Das steckt zu je einem Viertel in Aktien, Cash und Anleihen, Immobilien, Edelmetallen. Bei den Aktien konzentriere ich mich vor allem auf Singapur, Hongkong, Vietnam und Thailand. Bei den Immobilien sind es Thailand und Vietnam. Die Anleihen sind meist Firmentitel aus den Schwellenländern. Das ist vielleicht nichts zum reich werden. Aber ich kann damit ruhig schlafen.

Herr Faber, vielen Dank für das Interview.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt