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Dax-Sentiment Bei Rücksetzern kaufen, bei Rekorden verkaufen: Anleger sollten opportunistisch handeln

Der deutsche Leitindex ist seit Mai in einer Seitwärtsphase. Laut Sentimentanalyse dürfte in den kommenden Wochen vieles vom Zufall bestimmt sein. Wie Anleger damit umgehen sollten.
12.07.2021 - 15:35 Uhr Kommentieren
Am deutschen Aktienmarkt gibt es zunehmende Spannungen. Quelle: imago images/Jan Huebner
Statue von Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

Am deutschen Aktienmarkt gibt es zunehmende Spannungen.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Düsseldorf Anleger sollten in den kommenden Wochen dem ersten Impuls am Aktienmarkt misstrauen. Das lässt sich aus der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment und dem jüngsten Kursverlauf des deutschen Leitindexes Dax ableiten. Stephan Heibel, der die wöchentliche Umfrage auswertet, rät den Anlegern, „opportunistisch zu handeln“ und eher auf eine anschließende Gegenbewegung zu setzen.

Hintergrund dieser Empfehlung ist das niedrige Handelsvolumen in den Sommermonaten. So kann die Entscheidung, ob der Dax abrutscht oder ein neues Rekordhoch erreicht, „vom Zufall bestimmt sein“. Und das wiederum spricht für eine anschließende Gegenbewegung.

Bereits seit sieben Wochen bewegt sich die Frankfurter Benchmark in der Spanne zwischen 15.800 Zählern auf der Ober- und 15.300 Punkten auf der Unterseite, was eine stabile Seitwärtsphase signalisiert. Dafür spricht auch die Anlegerstimmung, die in diesem Zeitraum keine auffälligen Werte gezeigt hat.

Laut der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment gab es in diesem Zeitraum trotz des Rekordhochs keine euphorische Partystimmung unter den Investoren, was ein Ende der Rally signalisiert hätte. Aber auch die beiden dynamischen Handelstage in dieser Zeit, die den Index mit einem Ausverkauf Richtung 15.300 Zähler trieben, waren kein „reinigendes Gewitter“. Das hätte neue Rekordhochs nahegelegt, denn in solch einem Fall verkaufen viele Anleger plötzlich, anschließend sorgen wenige Käufer für steigende Kurse. Diejenigen, die verkauft haben, laufen anschließend der Rally hinterher und sorgen für neue Höchststände.

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Deshalb hält Sentiment-Experte Heibel im Anschluss an die aktuelle Seitwärtsbewegung zwei Verläufe für denkbar: Zum einen könnte der Dax in den kommenden Wochen einen Versuch starten, die Rally fortzusetzen. Doch ein neues Rekordhoch wäre nicht nachhaltig: Weil die Investitionsquote bei vielen Anlegern schon hoch ist, dürften zu wenig Anschlusskäufe folgen, erläutert Heibel. Das würde zu einem anschließenden Ausverkauf führen, der den Dax unterhalb der aktuellen Seitwärtsspanne abrutschen lassen dürfte.

Die zweite Möglichkeit: Zunächst könnte der Dax aufgrund einer aktuellen Entwicklung ausverkauft werden und unter 15.000 Punkte rutschen. Diese Panikverkäufe dürften jedoch schnell enden, der grundlegende Optimismus, den es laut der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment gibt, würde viele Anleger zum Aktienkauf veranlassen. Das würde den Dax schnell wieder nach oben treiben, vielleicht dann nachhaltig auf neue Rekordhochs.

Wenn sich diese Prognose bewahrheitet, sollten Anleger bei neuen Rekordhochs ihr Depot verkleinern oder auf fallende Kurse setzen. Im anderen Falle, wenn der Dax unter die Marke von 15.000 Punkten rutscht, wären Einstiegskurse in Sicht.

Die vergangene Handelswoche war interessant: Beim Dax gab es binnen fünf Handelstagen sowohl das größte Tagesplus als auch das größte Tagesminus seit sechs Wochen. Das deutete insgesamt auf zunehmende Spannungen hin. Auf Wochensicht schloss der Index nahezu unverändert.

Verluste gab es insbesondere in konjunktursensiblen Sektoren wie Marketing (minus 2,2 Prozent) und Autos (minus 1,9 Prozent). Auf der anderen Seite legten Logistikaktien (plus 0,7 Prozent) und Versorger mit einem Plus von durchschnittlich 0,4 Prozent zu.

Grund für die Dax-Turbulenzen war die Entwicklung am Anleihemarkt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe rutschte auf minus 0,41 Prozent ab. Die Erinnerung an steigende Zinsen, die noch vor zwei Monaten als Damoklesschwert über der Konjunkturerholung hing, ist inzwischen nicht mehr als ein schöner Traum aus einer längst vergessenen Zeit.

In den USA sah es zwischenzeitlich nicht viel anders aus: Die Rendite der zehn Jahre laufenden US-Bundesanleihe brach vergangene Woche auf nur noch 1,25 Prozent ein. Noch vor wenigen Woche gab es Prognosen für einen Wert von zwei Prozent mehr.

Entsprechend reagierte der Aktienmarkt. Am Mittwoch freuten sich Anleger noch über das rückläufige Zinsniveau und die daraus resultierenden positiven Konjunktureffekte. Der Dax verzeichnete das größte Tagesplus seit sechs Wochen. Doch der zweite Gedanke war: Das rückläufige Zinsniveau könnte die Folge einer schwachen Konjunktur sein, und es gab am Donnerstag den stärksten Ausverkauf seit sechs Wochen.

Anleger fragen sich nun, ob dem niedrigen Zinsniveau eine gute Konjunktur folgt oder einer schwachen Konjunktur das niedrige Zinsniveau. Heibels Antwort: „Das ist wie beim Henne-Ei-Problem, die Antwort kann sich jeder aussuchen.“

Anlegerstimmung ist eingebrochen

Aufgrund der hohen Schwankungen beim Dax ist es wenig überraschend, dass die Stimmung unter den Anlegern vor diesem Hintergrund eingebrochen ist: Das Anlegersentiment ist von plus 1,4 in der Vorwoche auf nunmehr minus 0,6 gerutscht. Auch die Selbstzufriedenheit schwindet, nach plus 1,7 in der Vorwoche zeigt ein Wert von minus 0,2 nunmehr eine leichte Verunsicherung unter den Anlegern an.

Wie zum Trotz steigt die Erwartungshaltung der Anleger an den Dax in drei Monaten von 2,0 auf 3,8. Sind die Kurse rückläufig, bedeutet das mehr Aufwärtspotenzial für die Zukunft, so der erste Reflex. Darüber, ob sich fundamental etwas geändert haben könnte, denken Anleger in den Sommermonaten ungern nach. Und so haben sich einige wieder vorgenommen, Aktien zuzukaufen. Die Investitionsbereitschaft ist von minus 0,2 auf plus 1,0 gestiegen.

Auch das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist mit einem Wert von sieben erstaunlich bullish, es werden vermehrt Long-Spekulationen eingegangen. Dieser Indikator wird von der Börse Stuttgart anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet. Ein positiver Wert zeigt an, dass in den Depots der Privatanleger mehr Call- als Put-Hebelprodukte liegen und umgekehrt. Werte über fünf hatten wir nur einmal vor zwei Monaten, davor jedoch lange Zeit nicht. Nur im März 2020, also mitten im Corona-Crash, hatten sich Privatanleger vergleichsweise optimistisch positioniert.

Das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE zeigt unverändert eine sehr bullishe Positionierung der US-Anleger an. US-Fondsanleger haben eine Investitionsquote von aktuell 83 Prozent. Gegenüber der Vorwoche zwar ein Minus von neun Prozentpunkten, der Wert ist aber insgesamt immer noch zu hoch.

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit einem Wert von 16 Prozent einen moderaten Bullenüberhang an. Im Vergleich zum bullishen Wert der Vorwoche haben viele Bullen das Lager in Richtung der Neutralen gewechselt.

Der anhand technischer Indikatoren berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte zeigt mit einem Wert von 32 Prozent leichte Angst an. Andere kurzfristige technische Indikatoren liegen im neutralen Bereich.

Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit knapp 6000 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren, und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

Mehr: Gewinn mit Aktien – Wann Anleger Steuern zahlen müssen

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