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Dax-Umfrage Rasanter Stimmungswechsel unter den Anlegern: Die Angst ist zurück

Anleger haben überrascht auf die schwache Wochenperformance beim Dax reagiert. Das lässt die Sorge vor weiteren Kursverlusten wachsen, eröffnet aber auch Einstiegschancen.
01.02.2021 - 16:48 Uhr Kommentieren
Dax-Sentiment: Es gibt keine Corona-Gewinner- & Verliererbranchen mehr Quelle: Bloomberg
Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

Bislang stimmt die Dax-Entwicklung mit der Sentiment-Jahresprognose überein.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Die vergangene Handelswoche hat unter den Anlegern zu einem großen Stimmungswechsel geführt. Noch am 11. Januar herrschte Euphorie an den Märkten. Nun ist die Angst zurück. „Die Geschwindigkeit, mit der wir hier einen Stimmungswechsel erlebten, stimmt mich vorsichtig“, meint Stephan Heibel nach Auswertung der wöchentlichen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment. Seiner Meinung nach ist die laufende Korrektur noch nicht beendet.

Diese Ansicht begründet Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, vor allem mit der unterschiedlichen Vorgehensweise bei Profis und Privatanlegern. Während sich die institutionellen Investoren gegen Kursverluste absichern, spekulieren die Privaten bereits auf steigende Kurse. Eine Diskrepanz, die eine Wiederaufnahme der Rally verhindern dürfte.

Der Sentimentexperte zieht die Schlussfolgerung: „Die Impfstoffrally, die im November begann, ist mit der kurzen und seichten Korrektur der vergangenen zwei Wochen noch nicht verarbeitet.“ Bisher verlor der deutsche Leitindex seit dem Rekordhoch bei 14.132 Punkten in der Spitze nur 5,8 Prozent. Von einer größeren Korrektur kann also noch keine Rede sein.

Für ein Ende dieser Abwärtsbewegung muss eine Reihe von Anlegern erst aus dem Markt geschüttelt werden. Erst danach kann es wieder nach oben gehen. In vielen Fällen sorgt erst ein panischer Ausverkauf dafür, dass die „zittrigen Hände“, wie Börsenaltmeister André Kostolany diese Anleger nannte, den Markt verlassen. All das kann dauern.

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    Über die Gründe der aktuellen Korrektur kann man nur spekulieren. Möglicherweise haben Anleger ihre Aktienengagements angesichts der Marktturbulenzen um Gamestop in der vergangenen Woche bewusst zurückgefahren. Möglicherweise hatten auch die Aussicht auf einen verlängerten Lockdown und das Impfstoffchaos in Europa maßgeblichen Einfluss.

    Grafik

    Für Heibel war es eine Kombination aus diesen Ereignissen sowie einer Reihe von weiteren Entwicklungen, die einige Anleger dazu veranlasst hat, Gewinne zu realisieren. Immerhin sind die Aktienmärkte seit Anfang November nochmals kräftig in die Höhe gesprungen.

    Ganz nebenbei: Bislang stimmt die Dax-Entwicklung mit der Sentiment-Jahresprognose überein. Ein fulminanter Jahresauftakt, gefolgt von einer Verschnaufpause bis in den Februar, lautete Anfang Januar die Prognose. Bleibt nur zu hoffen, dass der nächste Teil der Vorhersage eintritt: eine anschließende Rally bis zum Sommer.

    Aktuelle Umfragedaten

    Anleger haben überrascht auf die schwache Wochenperformance beim Dax – der Leitindex verlor 3,2 Prozent – reagiert. Das Sentiment, die kurzfristige Stimmung, ist von plus 1,7 auf minus 2,8 eingebrochen. Noch zum Jahreswechsel ließen die Anleger sinnbildlich die Champagnerkorken knallen. Der Indikator lag am 11. Januar bei 6,1, signalisierte also große Euphorie.

    Nun macht sich die Angst vor weiteren Kursverlusten breit. Von einer Panik ist das Sentiment zwar noch weit entfernt. Die würde bei einem Wert von minus vier erreicht werden. Aber der heftige Stimmungseinbruch ist schon ein Zeichen dafür, dass Anleger mit dem Kurseinbruch der Vorwoche nicht gerechnet haben.


    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
    Angaben in Prozent


    Denn auch die Selbstgefälligkeit, die zum Jahreswechsel auf dem höchsten Niveau seit vier Jahren notierte, brach ein: von zuvor plus 1,9 auf nunmehr minus 3,8. Zur Angst vor weiteren Kursverlusten gesellt sich unter den Anlegern noch tiefe Verunsicherung.

    Die Reaktion macht aber gleichzeitig Mut. Das mag auf den ersten Blick paradox sein. Es herrscht zwar miese Stimmung am Markt. Doch den jüngsten Rückschlag sehen viele Anleger eher als Kaufgelegenheit. Ein ähnliches Verhaltensmuster war bereits in den vergangenen zehn Monaten zu beobachten.

    So ist die Zukunftserwartung bei der Handelsblattumfrage von 3,0 auf 4,1 gesprungen. Sie hat ein Niveau erreicht, das schon als Zukunftseuphorie bezeichnet werden kann. Fazit: Bullen dominieren das Parkett, der große Teil der Umfrageteilnehmer erwartet in drei Monaten steigende Kurse.


    Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
    Angaben in Prozent


    Und so ist auch die Investitionsbereitschaft angesprungen, wenngleich nur zaghaft von 1,2 auf 1,4. Womöglich ist heute noch nicht der rechte Zeitpunkt zum Kaufen, sondern erst in zwei Wochen, denken sich offenbar viele Anleger.

    Parallel ist das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, in die Höhe geschossen. Erstmals seit September kaufen Privatanleger mehr gehebelte Finanzprodukte, die von steigenden Kursen profitieren, als Absicherungsprodukte gegen fallende Kurse.

    Im vergangenen Jahr war das zwei Mal der Fall: Einmal im Februar – also zu früh, denn der folgende Crash wurde voll mitgenommen. Und einmal im September – abermals zu früh, denn im Oktober folgte nochmals eine Korrektur. „Vielleicht sind die Privatanleger diesmal erneut zu früh“, meint Heibel.


    Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten?
    Angaben in Prozent


    Die Profis, die Optionen über die Frankfurter Terminbörse Eurex handeln, zeigen die gegensätzliche Reaktion. Das Put/Call-Verhältnis ist auf 3,3 gestiegen. Heißt im Umkehrschluss: Es wurden deutlich mehr Put-Absicherungen gekauft.

    Auch hier zeigt die jüngste Vergangenheit ein ähnliches Bild: Ebenso wie bei den Privatanlegern erreichte dieser Indikator für institutionelle Investoren im vergangenen Jahr zwei Mal ein derart hohes Niveau. Doch in beiden Fällen lagen die Profis mit den vielen Put-Optionen richtig.

    Im Februar, also mitten im Crash, der im März noch an Dynamik gewann, und im Oktober, direkt vor der damaligen Korrektur, die den Dax auf 11.245 Punkten abrutschen ließ. Der Blick in die Historie zeigt: Profis sind derzeit erfolgreich mit ihren Spekulationen und Absicherungen.


    Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
    Angaben in Prozent


    Das Put/Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse (CBOE) liegt schon seit Wochen unverändert auf einem sehr niedrigen Niveau. Jenseits des Atlantiks wird offensichtlich auf eine Fortsetzung der Rally gewettet. Dazu muss man wissen, dass diese Statistik nicht zwischen Privatanlegern und Profis unterscheidet. Man könnte daraus schlussfolgern, dass die Privaten dominieren.

    Fondsanleger hingegen haben ihre Investitionsquote in den vergangenen Tagen von 113 Prozent auf 84 Prozent reduziert, ein drastischer Schritt. Dieses Verhalten ähnelt der Vorgehensweise der institutionellen Investoren hierzulande.

    Bei den US-Privatanlegern halten sich Pessimisten und Optimisten die Waage: Das AAII-Anlegersentiment (American Association of Individual Investors) zeigt die gleiche Zahl von Bullen und Bären. Das Bulle/Bär-Verhältnis steht bei minus 0,6 Prozent, ist also ebenfalls neutral. Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte ist mittlerweile auf 41 Prozent gefallen und zeigt leichte Angst an.

    Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 4000 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

    Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren, und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

    Mehr: Serie Börsengurus: Wie Peter Lynch mithilfe von Unterwäsche zum Erfolg fand.

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