Finanzberatung: Warum Geldanlage für Frauen eigene Wege verlangt
Köln. Als Sandra S. mit Ende vierzig beschloss, sich von ihrem Mann zu trennen, stand für sie eine entscheidende Frage im Raum: Kann ich mir das überhaupt leisten? Jahrelang hatte sie in Teilzeit gearbeitet, Kinder großgezogen und die Finanzen ihrem Mann überlassen. Erst im Gespräch mit einer Finanzberaterin stellte sich heraus: Ja, sie kann – wenn sie Rentenansprüche prüft, Vermögen neu strukturiert und vorsorgt. Heute lebt sie unabhängig und finanziell abgesichert.
Frauen haben andere finanzielle Ausgangsbedingungen als Männer – und brauchen Beratung, die mehr ist als Produktverkauf. Sie verdienen weniger: Der Gender Pay Gap lag laut Statistischem Bundesamt 2024 bei 16 Prozent. Mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen arbeitet in Teilzeit, oft wegen Kinderbetreuung oder Pflege. Sie erhalten rund ein Viertel weniger Rente, leben aber im Schnitt fünf Jahre länger.
„Nur Frauen wissen, wie es ist, aus dem Beruf auszusteigen, weil die Kita fehlt, und später mit weniger Rente dazustehen“, sagt die erfahrene Finanzberaterin Helma Sick. Jede fünfte Frau über 65 gilt in Deutschland als armutsgefährdet. Hinzu kommt ein kulturelles Erbe: Mit Söhnen wird häufiger über Geld gesprochen als mit Töchtern, betont Christine Laudenbach, Verhaltensökonomin an der Goethe-Universität Frankfurt.