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NachhaltigkeitViele jüngere Anleger stehen eher hinter nachhaltigen Investments als ältere

Nur ein Drittel der Deutschen findet wirkungsorientierte Geldanlage ansprechend, wie eine Studie zeigt. Doch jüngere Anleger sind interessiert.Mareike Müller 02.11.2020 - 18:20 Uhr Artikel anhören

Jüngere Anleger interessieren sich in Deutschland besonders für Impact Investment. Darunter fällt beispielsweise die gezielte Geldanlage in ökologische Landwirtschaft.

Foto: Handelsblatt

Frankfurt. Vielen Anlegern genügt es nicht mehr, bei der Geldanlage Kohle, Rüstung und Kinderarbeit auszuschließen: Die nächste Stufe der verantwortungsvollen Geldanlage nennt sich „Impact Investing“. Wer diese Strategie verfolgt, legt sein Geld ausdrücklich mit dem Ziel an, eine nachweislich positive Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft zu erzielen. Dabei agieren Anleger in Deutschland allerdings noch skeptischer als in den USA oder Großbritannien, wie eine neue Studie zeigt.

Hierzulande findet nur ein Drittel der Befragten das Konzept von Impact Investing „sehr ansprechend“ oder „relativ ansprechend“. In den USA und in Großbritannien hingegen sind es rund die Hälfte der Bürger. Das ergab eine repräsentative Studie, die Marktforscher im Auftrag des US-Vermögensverwalters American Century Investments (ACI) in Deutschland, den USA und Großbritannien im September durchführten und die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Die Idee hinter der Anlagestrategie, die sich im Deutschen am besten mit „wirkungsorientiertem Investieren“ übersetzen lässt: Impact-Investoren versuchen aktiv, ihr Geld dort anzulegen, wo sie neben der Rendite eine messbare positive Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft erwarten – zum Beispiel in Unternehmen, gemeinnützige Institutionen oder Fonds, die Branchen wie erneuerbare Energien, Gesundheit oder Bildung, Mikrofinanz-Institutionen oder nachhaltige Landwirtschaft fördern.

In Deutschland schätzt die Bundesinitiative Impact Investing, zu deren Trägerorganisationen unter anderem die Bertelsmann Stiftung und die BMW Stiftung zählen, das Marktvolumen im Bereich Impact Investing auf zwischen 6,5 und 17,3 Milliarden Euro. Die Daten gehen aus einer Studie der Universität Heidelberg von Juni 2020 hervor.

Das Konzept existiert in allen Anlageklassen: Imstitutionelle Investoren wie Entwicklungshilfeorganisationen, Pensionsfonds oder kirchliche Träger trugen stark zur Entwicklung der Idee bei. Diese gewinnt bei Privatanlagern immer mehr an Bedeutung.

Dabei sind besonders jüngere Menschen dem Konzept gegenüber aufgeschlossen: Die größten Anhänger sind der ACI-Studie zufolge Millennials in Großbritannien, also jene Generation, die zwischen 1981 und 1996 geboren ist und damit die erste Generation, die im neuen Jahrtausend erwachsen wurde. Von ihnen finden beinahe zwei Drittel die Idee „sehr ansprechend“ oder „ansprechend“. Bei deutschen Millennials sind es immerhin 45 Prozent.

Deutsche Babyboomer sind am skeptischsten

Am wenigsten aufgeschlossen sind deutsche Babyboomer, also jene, die in den geburtenstarken Jahrgängen der Nachkriegsgeneration bis Anfang der 60er-Jahre zur Welt gekommen sind. Von ihnen fühlt sich nur ein Viertel vom Impact Investing angesprochen.

Ein weiterer Unterschied zum angelsächsischen Raum liegt in den Zielen, die mit Impact Investment erreicht werden sollen: Deutsche Anleger räumen ökologischer Nachhaltigkeit und Umweltfragen die höchste Bedeutung ein – für mehr als ein Drittel eine Top-Priorität, gefolgt von der Bekämpfung von Armut mit 18 Prozent und Gesundheit mit 16 Prozent. Im Gegensatz zu Deutschland liegt dieser Bereich bei den Prioritäten der US-Anleger mit 27 Prozent auf Platz eins.

Guillaume Mascotto deutet die Ergebnisse keinesfalls so, dass deutsche Anleger sich nicht für die Auswirkung ihrer Geldanlage interessieren. Mascotto leitet bei ACI den Bereichs ESG und Investitionsverantwortung, die englische Abkürzung steht dabei für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Tatsächlich geht aus der Befragung hervor, dass die gesellschaftlichen Auswirkungen als Entscheidungskriterium bei der Geldanlage für die Hälfte der Deutschen „sehr wichtig“ oder „relativ wichtig“ sind.

Damit ist den Deutschen die Wirkung weniger wichtig als Rendite, Risiken oder Gebühren, die für je über 70 Prozent bedeutsam sind. Mascotto glaubt: „Das kann daran liegen, dass Impact Investing ein englischer Begriff ist, unter dem sich Anleger in Deutschland noch nicht viel vorstellen können.“

Er gehe davon aus, dass die Skepsis „mehr mit erweiterbarem Wissen zu tun hat als mit einer Abneigung“. Volker Buschmann, der das Frankfurter Büro von ACI leitet, schätzt, dass auch das Angebot auf dem deutschen Markt eine Rolle spielt. „Gerade in Deutschland kennen viele Anleger die entsprechenden Möglichkeiten noch gar nicht“, beobachtet er. ACI-Mann Mascotto sieht daher seine eigene Branche in der Pflicht, „noch besser zu erklären, was genau Impact Investing ist und was wir damit erreichen können“.

Steigendes Interesse

Doch die Zurückhaltung könnte bald aufgegeben werden: Zumindest in den USA nimmt das Interesse an Impact Investing zu. ACI erhebt dort bereits seit 2016 Daten. Demnach bezeichnen heute bereits 57 Prozent der Befragten die gesellschaftlichen Auswirkungen als „sehr wichtig“ oder „relativ wichtig“. Im ersten Jahr der Befragung waren es nur 42 Prozent.

ACI agiert hauptsächlich in den USA, eröffnete vergangenes Jahr mit einem Standort in Frankfurt sein erstes Büro in Deutschland. „Deutschland ist ein wichtiger Wachstumsmarkt für uns“, sagt Mascotto. Auch deshalb habe man in der Studie die USA, Großbritannien und Deutschland verglichen. Über 40 Prozent der Dividenden schüttet ACI an das Stowers Institute for Medical Research aus, ein gemeinnütziges biomedizinisches Grundlagenforschungsinstitut.

Gerade von institutionellen Anlegern verspricht sich ACI in Deutschland viel, denn diese seien besonders an Impact Investment interessiert – „in erster Linie Kirchenbanken, Stiftungen und Pensionsfonds, die Nachhaltigkeit zu einem integralen Bestandteil ihrer Anlagerichtlinien gemacht haben“, so Mascotto.

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