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Serie: Investieren in der Nullzinswelt (2)Wo es die besten Anlagen für Vermögensreserven gibt

Wenn es kaum noch Zinsen gibt, gilt es, das Kapital klug aufzuteilen: in eine Reserve für kurzfristigen Bedarf und einen Teil für Vermögensaufbau.Anke Rezmer 23.07.2020 - 04:07 Uhr

Eine Daumenregel der Finanzberatung besagt, dass jeder mindestens drei Nettogehälter stets abrufbar verfügbar haben sollte.

Foto: Ikon Images/Getty Images

Frankfurt. So, wie es aussieht, bleiben die Aussichten für Sparer trübe. Die Geldpolitik der Notenbanken sorgt dafür, dass die Sparzinsen auf Jahre hinaus nicht steigen. Viele Banken – der Finanzdienst FMH-Finanzberatung zählt 106 Institute in Deutschland – verlangen bereits Strafzinsen für Einlagen, die ersten Häuser sogar ab dem ersten Euro. Wer bereit ist, beim Einlagenschutz Abstriche zu machen und sein Geld für ein oder zwei Jahre festzulegen, kann wenigstens noch einen Ausgleich der zurzeit niedrigen Inflationsrate bekommen.

Das Geld, das als Reserve für unvorhersehbare Ausgaben bereitliegt oder für absehbaren Bedarf schnell abrufbar sein soll, hat für die Deutschen einen besonderen Wert, wie Umfragen immer wieder ergeben. Gleichwohl ist es gerade in einer Welt, in der der Zins weitgehend abhandengekommen ist, wichtig zu überlegen, wie viel des eigenen Kapitals ohne Rendite herumliegen soll, damit es genau diesem Sicherheitsbedürfnis entspricht.

Für diesen Betrag gibt es einige Parkmöglichkeiten, die unterschiedlich attraktiv sind. Der Rest ist über eine vernünftige Mischung verschiedener Anlagen für den Aufbau eines Vermögens einzusetzen.

„Der Zweck bestimmt das Sparen“, bringt es Niels Nauhauser, Abteilungsleiter für Altersvorsorge, Banken und Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, auf den Punkt. Zunächst geht es bei dem Thema darum, Rücklagen aufzubauen – für Unvorhergesehenes wie eine kaputte Waschmaschine, das Auto, den Verlust des Arbeitsplatzes oder das neue Dach des Eigenheims.

„Dabei spielt der Zins zunächst einmal keine so große Rolle“, meint der Verbraucherschützer. Vielmehr geht es um die Sicherheit und die Verfügbarkeit solcher Rücklagen, um liquide zu bleiben und teure Kontoüberziehungen zu vermeiden. Das Kapital soll innerhalb kurzer Zeit abrufbar und dann auch in der benötigten Höhe vorhanden sein – also nicht im Wert schwanken.

Die Größe eines solchen Reservetopfs sollte die persönliche Lage widerspiegeln. Ist eine Familie oder ein Einzelner zu versorgen? Hat der Hauptverdiener einen unkündbaren Job als Beamter, oder schwanken seine Einnahmen als Selbstständiger? Steht ein recht neues Auto vor der Tür oder eines, das noch aus dem alten Jahrtausend stammt? Gibt es Eigentum, sodass für eine neue Heizung oder größere Reparaturen Geld da sein sollte?

Eine Daumenregel der Finanzberatung besagt, dass jeder mindestens drei Nettogehälter stets abrufbar verfügbar haben sollte – das mag für den einen üppig wirken, für den anderen wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Am Ende sollte eine Summe in den Reservetopf fließen, mit der sich ein Sparer wohlfühlt, resümiert Nauhauser.

Viele Deutsche scheinen das Thema Rücklagen sehr ernst zu nehmen. Gerade erst hat die Deutsche Bundesbank wieder das Geldvermögen der privaten Haushalte veröffentlicht: Von 6,3 Billionen Euro Vermögen liegen gut 40 Prozent in bar vor oder auf Konten und Sparbüchern – insgesamt 2,6 Billionen Euro. Dabei ist das Vermögen bekanntlich ungleich verteilt: Während die ärmste Hälfte der Bevölkerung etwa 1,4 Prozent des Vermögens besitzt, gehören dem oberen Zehntel 56 Prozent.

„Etappen definieren“

Bei der Geldanlage dominieren sogenannte sichere Sparformen wie das Sparbuch, Tages- und Festgeld oder das Girokonto, bei denen der Wert des Ersparten nicht schwankt. Einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Vermögensverwalters Flossbach von Storch zufolge sind diese Anlagen für ein gutes Drittel der Deutschen die wichtigste Sparform.

Im Kern zeigen die Zahlen, dass viele Sparer eher darauf achten müssen, nicht zu viel Geld auf Konten herumliegen zu lassen. Das ist die Erfahrung von Max Herbst, Chef des Finanzdienstes FMH-Finanzberatung in Frankfurt. Verbraucherschützer Nauhauser rät, „Etappen zu definieren“: Geld, das sofort oder in den nächsten Jahren gebraucht wird, sollte auf Konten geparkt werden – als Tagesgeld oder kurzfristiges Festgeld. Ein weiterer Anteil könnte etwas länger festgelegt werden, um vielleicht noch ein wenig Zinsen einzustreichen.

In der Artikelreihe betrachtet das Handelsblatt jede Woche ein Thema zu Anlageformen und -möglichkeiten, Renditechancen und Risiken in einer Welt, in der Kapitalmarktzinsen nahezu abhandengekommen sind.

Foto: Handelsblatt

Ab einem Zeithorizont von fünf Jahren rückt aber ein anderes Thema in den Vordergrund: die Angst vor einem möglichen Kapitalverlust. „Welche Wertschwankung kann ich ertragen?“, ist für Nauhauser dann die Kernfrage.

Längerfristig besteht in einem Depot das Risiko, dass ein internationales Aktienportfolio etwa aus dem breiten Index MSCI World zeitweise etwa die Hälfte an Wert verliert. Nach rund 13 Jahren geht die Wahrscheinlichkeit für Verluste unterm Strich aber gegen null, zeigen Erfahrungswerte. Wen also solche zwischenzeitlichen Schwankungen nicht stören, der kann einen Teil seines längerfristiges Reservegelds dort anlegen und die Chance auf Jahresrenditen von fünf bis sechs Prozent wahrnehmen.

Nauhauser rechnet vor: Wer etwa eine Verlusttoleranz von zehn Prozent akzeptiert, kann einen Betrag von 10.000 Euro für eine mittelfristige Reserve aufteilen. Etwa so: 8000 Euro auf ein Konto legen, 2000 Euro in preiswerte, breit anlegende Aktien-ETFs investieren. Bei einer Wertschwankung von bis zu 50 Prozent sähe der Anleger stets 9000 Euro von seinem Geld.

Eine solche Strategie eignet sich aber nicht für jeden: „Wer täglich hektisch ins Depot schaut, ob sein Geld noch da ist, sollte das nicht machen“, meint Nauhauser. Für Ängstliche sind ein kleiner Zinsertrag und ruhiger Schlaf die beste Kombination, glaubt auch Herbst von FMH. Aber dann dürften Sparer eben auch keine hohen Erwartungen an die Rendite haben.

Beim täglich verfügbaren Tagesgeld gibt es noch gewisse Unterschiede zwischen den Angeboten, wie Herbst feststellt. Im Durchschnitt der von FMH beobachteten Banken werden zwar verschwindend geringe 0,07 Prozent Zinsen im Jahr gezahlt. Der laut FMH beste Anbieter von Tagesgeld, die französische Renault Bank direkt, zahlt etwas mehr mit 0,55 Prozent Zinsen pro Jahr für drei Monate, dies aber nur neuen Kunden. Danach gibt es 0,25 Prozent.

Die luxemburgische Direktbank Advanzia Bank und die estnische Bigbank geben aktuell 0,5 Prozent im Jahr für Tagesgeldzinsen aus. Advanzia bietet dies allerdings nur neuen Kunden ab einer Anlagesumme von 5000 Euro für sechs Monate. Danach gilt der Zins für Bestandskunden von 0,25 Prozent.

Vorsicht ab 100.000 Euro

Bei diesen Anbietern müssen Sparer mit einem reduzierten Einlagenschutz von 100.000 Euro pro Person leben. Mehr als diese abgesicherte Summe sollte also niemand bei einer Bank anlegen, mahnt Herbst. Den höchsten Satz ohne Beschränkung beim Einlagenschutz zahlt die zur Neusser Werhahn-Gruppe gehörende Bank11 mit 0,2 Prozent Zinsen pro Jahr.

Bei Onlinevermittlern, die das Spargeld vor allem an ausländische Institute vermitteln, gibt es kaum mehr. Über den Vermittler Zinspilot erhalten Sparer bei der FIM Bank aus Malta 0,4 Prozent Zinsen im Jahr für Tagesgeld. Zinspilot vermittelt das Geld auf ein Treuhandkonto bei der Hamburger Sutorbank. Angelegt wird es dann aber bei der FIM Bank.

Wer sein Geld zu einem planbaren Zins für eine Weile parken möchte, bekommt für Festgeld über zwölf Monate bei der estnischen Bigbank 0,9 Prozent, über zwei Jahre ein Prozent im Jahr. Hier gilt ebenfalls der begrenzte Einlagenschutz.

Einen Hauch mehr erhalten Sparer über den Onlinevermittler Weltsparen: Bei den italienischen Häusern Illimity Bank und Banca Progetto gibt es über zwei Jahre 1,25 Prozent und 1,2 Prozent Zinsen im Jahr, bei der tschechischen J&T Banka ebenfalls 1,2 Prozent über diesen Zeitraum. Damit könne ein Sparer aktuell wenigstens sein Vermögen real erhalten, resümiert Herbst mit Blick auf die derzeitige Inflationsrate von 0,9 Prozent.

Die Einlagensicherung ist bei den Banken ebenfalls reduziert auf 100.00 Euro. Verbraucherschützer Nauhauser rät Sparern davon ab, nach solchen ohnehin geringen Zinsaufschlägen im Ausland zu jagen. Denn es gebe bisher noch keine einheitliche oder gar gemeinsame Einlagensicherung in der EU.

Gleichwohl ist der Einlagenschutz klar geregelt: Nach einer neueren EU-Richtlinie müssen die EU-Staaten Sparer spätestens ab 2024 innerhalb von sieben Tagen entschädigen. In Deutschland führt die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) Sparern eine Rückzahlung binnen sieben Tagen durch. Auch einige andere EU-Länder handeln schon nach der neuen Richtlinie.

Grundsätzlich sieht Nauhauser den Nutzen nationaler Schutzsysteme kritisch, wenn es etwa nach einer Pleite einer mittelgroßen Bank einem Land an finanziellen Mitteln oder politischem Willen fehlen sollte, alle Sparer zu entschädigen. Und Sparer müssten sich nach einer Bankpleite an die Einlagensicherung des jeweiligen Landes wenden, sofern das Institut keine Filiale in Deutschland betreibt. Vermittler wie Weltsparen wären ihren Kunden nach eigener Aussage dabei behilflich. Das Kapital erhalten Sparer dann in Landeswährung zurück.

Sparbücher und Konten sind nach Ansicht von Herbst von FMH „völlig out“, weil es dort nur noch sehr geringe Zinsen gibt. Der sogenannte Spareckzins für frei verfügbares Sparkapital bis zu 2000 Euro im Monat liegt bei 0,01 Prozent. Auch länger laufende Sparverträge gebe es kaum noch, sagt Herbst. Und die wenigen Angebote überzeugen nicht: So zahlt etwa die VW Bank für einen monatlichen Sparplan von 100 Euro über sieben Jahre 0,62 Prozent Zinsen im Jahr.

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Ob es sich in der Nullzinswelt nun lohnt, magere Zinssätze zu vergleichen, hängt vom Interesse eines Sparers und von der Anlagesumme ab. Eines sollten Sparer aber nach Ansicht von Herbst möglichst vermeiden: Negativzinsen für kleine Sparsummen auf Konten, die bereits einige (Volks-)Banken verlangen.

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