Ukraine-Krieg: Norwegens Staatsfonds zieht sich aus Russland zurück
Der norwegische Staatsfonds ist in den 90er-Jahren gegründet worden, um die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft anzulegen und für die Zeit nach der Erschöpfung der Rohstoffvorräte vorzusorgen.
Foto: dpaFrankfurt. Norwegens staatlicher Pensionsfonds will seine Investments in Russland verkaufen. Das teilte die Regierung am Sonntag in Oslo mit. Der Finanzminister des Landes sagte, ein Rückzug sei angesichts der politischen Entwicklung notwendig.
Der Pensionsfonds ist mit umgerechnet rund 1,2 Billionen Euro der größte Staatsfonds der Welt. Die Russlandinvestments belaufen sich auf 2,5 Milliarden Euro und damit 0,2 Prozent des Gesamtkapitals. Der Staatsfonds ist erfolgreich mit seinen Anlagen: Noch Ende Januar hatte er einen Ertrag von 14,5 Prozent für das vergangene Jahr gemeldet.
Der russische Anlagebestand ist nach einer Fondssprecherin zunächst eingefroren, ein Plan für den Verkauf soll entwickelt werden. Bei einer ähnlichen Aktion vor sieben Jahren war die Entscheidung für einen Ausstieg aus Kohleproduzenten getroffen worden. Die Umsetzung des Plans benötigte mehrere Monate.
Momentan sind die größten russischen Aktienbestände laut den verfügbaren Daten für Ende 2020 Sberbank, Gazprom und Lukoil. Die aktuelleren Bestände werden am Donnerstag veröffentlicht.
Bis zu dieser Entscheidung hatte Norwegen immer vermieden, den Eindruck zu erwecken, den Fonds als politisches Mittel einzusetzen. Der Fonds hatte vor acht Jahren ethische Richtlinien für seine Anlagen eingeführt. Er war in den 90er-Jahren gegründet worden, um die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft des Landes anzulegen und für die Zeit nach der Erschöpfung der Rohstoffvorräte vorzusorgen.
Geringes Engagement der Fonds in Russland
Das eher geringe Engagement in Russland dürfte auch unter anderen Fonds keine Ausnahme sein. „Der Anteil in deutschen institutionellen Depots ist im Schnitt ähnlich, also gering“, schätzt Uwe Rieken. Der Leiter von Faros berät institutionelle Anleger bei der Auswahl ihrer Vermögenverwalter.
„Viele haben sich aus Nachhaltigkeitsgründen schon früher aus Russland zurückgezogen, andere noch in der letzten Woche“, ergänzt der Experte und verweist dabei auf die starke Rohstofflastigkeit der Börse. Momentan könnten Investments jedoch gar nicht mehr verkauft werden, was spätestens nach dem Rubel-Crash rein wirtschaftlich auch keinen Sinn mehr mache.
Russland spielt auch für Privatanleger eine untergeordnete Rolle. Das signalisieren jedenfalls Daten von Scope Analysis. Danach verwalten beispielsweise allein die in Deutschland kaufbaren internationalen Aktienfonds etwa 700 Milliarden Euro. Die nur auf Russland bezogenen Produkte erreichen lediglich rund drei Milliarden Euro.