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Axel Weber (li.) im Interview mit Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe

Der UBS-Präsident sieht beim Thema Kontrollrechte für Aufsichtsräte die Schweiz als Vorbild.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Banken-Gipfel Axel Weber: „Eine schnelle Erholung wird es nicht geben – ein Wundermittel gegen das Virus auch nicht“

Der Ex-Bundesbank-Chef warnt vor den Langfristfolgen der Coronakrise und den Nebenwirkungen immer neuer Staatshilfen. Zudem fordert er stärkere Kontrollrechte für Aufsichtsräte.
03.09.2020 Update: 03.09.2020 - 17:34 Uhr Kommentieren

Frankfurt Axel Weber macht für den Wirecard-Skandal auch strukturelle Defizite bei der Corporate Governance und im Aktienrecht verantwortlich. Deshalb plädiert der ehemalige Bundesbank-Präsident für stärkere Kontrollrechte für die Aufsichtsräte in deutschen Unternehmen. Als Vorbild sieht der Verwaltungsratschef der Großbank UBS dabei die Schweiz.

Dort berichte die interne Revision – die Prüfabteilung einer Bank – nicht an den Vorstand, sondern den Verwaltungsrat. „Das kann man sicherlich im deutschen Aktienrecht ändern“, betonte Weber auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts in Frankfurt.

In der Schweiz hat der Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft ähnliche Kontrollaufgaben wie Aufsichtsräte in Deutschland. „Es ist wichtig, wenn man ein Unternehmen intern kontrollieren will, dass man sich ein unverzerrtes und eigenes Bild der Risiken machen kann“, meint Weber. Es nütze dem Aufsichtsratschef „gar nichts“, wenn er immer von den Berichten des Managements abhänge.

Der inzwischen aus dem Dax geflogene Münchener Zahlungsdienstleister Wirecard hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und in der Folge Insolvenz angemeldet. Die Münchener Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Unternehmen seit 2015 Scheingewinne auswies und ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. 

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    Die UBS ist bislang robust durch die Coronakrise gekommen. Im ersten Halbjahr verdiente die Schweizer Großbank 2,8 Milliarden Dollar, das entspricht einer Rendite auf das harte Eigenkapital von 15,4 Prozent. Einen weiteren Schub erwartet sich Weber vom neuen Vorstandschef Ralph Hamers, der von der niederländischen ING zur UBS wechselt und Anfang November sein neues Amt antritt.

    Hamers werde die Digitalisierung der Bank auf eine „neue Ebene heben“, sagte Weber. „Wir sind schon sehr erfolgreich in der Digitalisierung. Das heißt aber nicht, dass wir nicht noch viel erfolgreicher werden können.“

    Hamers solle die Digitalisierung des gesamten operativen Bankgeschäfts vorantreiben. Als Beispiel nannte Weber das Asset-Management, das Wealthmanagement und das Investmentbanking. Hamers hat die ING seit 2013 geführt und gilt als einer der Vordenker in Sachen Digitalisierung in der Bankenszene.

    Das vollständige Interview lesen Sie hier:

    Herr Weber, Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat auf unserem Banken-Gipfel gerade gesagt, dass die Politik beim Thema Corona alles richtig gemacht hat. Teilen Sie diesen Optimismus?
    An den Märkten und in der Wirtschaft haben wir den Tiefpunkt hinter uns. Etwa 60 Prozent des wirtschaftlichen Rückgangs rund um den Globus sind unmittelbar auf die Lockdown-Maßnahmen zurückzuführen. Staaten, die die strengsten Einschränkungen verhängt hatten, haben auch den größten Rückgang der Wirtschaftsleistung zu beklagen. Nun gibt es eine leichte Erholung. Ich bin verhalten optimistisch, dass es wieder etwas aufwärtsgeht. Es wird jedoch mindestens zwei bis drei Jahre dauern, bis wir wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben.

    Das ist ein langer Zeitraum. Was bedeutet das für Europa?
    Für viele Länder Europas wird die Situation schwierig werden. Deutschland wird vergleichsweise gut durch die Krise kommen, aber Italien beispielsweise hat bis zum Ausbruch der Pandemie nicht das wirtschaftliche Niveau von vor der Finanzkrise erreicht. Ich glaube, dass die Erholung insgesamt verhalten ausfallen wird. Die Covid-Pandemie wird uns noch lange begleiten.

    Was bedeutet das für die globale Wirtschaft?
    Weltweit wird es immer wieder neue Ausbrüche des Virus geben. So sind die Covid-Zahlen in Indien, Brasilien und anderen Schwellenländern sehr hoch, und es wird noch lange dauern, bis sich die Lage stabilisiert. Wenn mit den Schwellenländern ein wichtiger Teil der Weltwirtschaft ernste Probleme hat, dann wird es lange gehen, bis sich die globale Wirtschaft wieder erholt. Eine schnelle Erholung wird es nicht geben, ein Wundermittel gegen das Virus auch nicht.

    Viele Staaten haben schnell auf die Pandemie reagiert. Deutschland etwa hat Hilfsmaßnahmen in der Gesamtsumme von rund einer Billion Euro aufgelegt. Wie lange können wir uns die Rettungsprogramme leisten?
    Zunächst einmal war es richtig, auf die Krise mit staatlichen Hilfen zu reagieren. Allerdings müssen wir uns vor Augen führen, was gute finanzpolitische Interventionen auszeichnet: Sie sollen schnell, gezielt und temporär eingesetzt werden. Im Falle Deutschlands fürchte ich, dass die Politik das nicht beherzigt. Werden die Hilfsmaßnahmen – wie die Aufweichung der Insolvenzregeln oder das Kurzarbeitergeld – zu lange beibehalten, werden dringend notwendige Anpassungen in Unternehmen auf die lange Bank geschoben und Unternehmen künstlich am Leben erhalten.

    Herr Scholz sieht das nicht so.
    Nehmen Sie das Beispiel Kurzarbeit: In der letzten Krise war das ein sehr wichtiges Werkzeug, aber es war zeitlich begrenzt. In der Corona-Pandemie hat Deutschland die Maßnahmen nun verlängert. Anders Frankreich. Auch die Franzosen haben Kurzarbeitshilfen eingeführt, aber sie erhöhen die Beteiligung der Unternehmen an den Kosten nach und nach. Damit ist bereits eine Übergangsphase eingebaut.

    Welche Rolle spielt die Bundestagswahl 2021 bei der Verlängerung der Hilfen?
    Wir alle wissen, was ein Wahlkampf bedeutet. Es wird zahlreiche politische Versprechungen geben, und diese müssen nach der Wahl finanziert werden. Außerdem werden wir Diskussionen über die Erhöhung der Spitzensteuersätze sehen. In den USA lässt sich das bereits beobachten: Trump und Biden gehen mit völlig unterschiedlichen politischen Rezepten in die Wahl, die Fronten sind verhärtet. Ich glaube, dass sich auch die Politik in Deutschland im kommenden Jahr vor allem mit sich selbst beschäftigen wird.

    Lassen Sie uns auf die EU schauen. Europa plant einen gigantischen Wiederaufbaufonds. Wie sehen Sie die Krisenmaßnahmen?
    Es ist so gekommen, wie ich immer befürchtet habe. Die Mitgliedsländer haben es nie geschafft, die Union mit ausreichend finanziellen Mitteln auszustatten, sodass die EU im Krisenfall koordiniert handeln kann. Wenn eine neue Aufgabe auf die EU zukommt, versuchen die Politiker, diese Projekte erst einmal mit Schulden zu finanzieren. Die Mitgliedstaaten sollten endlich beginnen, für Brüssel ein Konzept zu erarbeiten, um Ausgaben mit entsprechenden Einnahmen ohne zusätzliche Schulden zu finanzieren – sei es über Steuern, Abgaben oder über den Transfer von nationalen Mitteln nach Brüssel.

    „Ganz offensichtlich gab es im Wirecard-Skandal ein Aufsichtsversagen.“ Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
    Axel Weber

    „Ganz offensichtlich gab es im Wirecard-Skandal ein Aufsichtsversagen.“

    (Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

    Und wie bewerten Sie die immer expansivere Politik der Notenbanken?
    Was mir Sorgen macht, ist, dass die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank die Nullzinsen auf unabsehbare Zeit festgeschrieben haben. Das macht die staatliche Schuldenfinanzierung einfach. Die Notenbanken und Staaten haben jede Angst vor einer exzessiven Verschuldung verloren und nehmen an, dass sie immer weitere Gläubiger finden, die bereit sind, ihre Schulden zu kaufen. Irgendwann werden die Märkte aber Staatsanleihen kritisch einstufen, wie sich jetzt schon im Fall von Argentinien zeigt. Das Risiko besteht, dass künftige Schuldenschnitte nicht nur Schwellenländer betreffen, sondern auch entwickelte Staaten. Staatsanleihen böten dann statt risikolosen Erträgen ertragslose Risiken.

    Die UBS bekommt im November einen neuen Chef. Ralph Hamers kommt von der niederländischen ING. Was soll er bei der UBS ändern?
    Ralph Hamers muss die Rolle des Vorstandschefs nicht erst lernen, sondern kann sie vom ersten Tag an ausfüllen. Er wird bei seinem Start auf einem anderen Fundament aufsetzen können als unser scheidender Vorstandschef Sergio Ermotti und ich. Unsere Bank ist bereits eine der profitabelsten in Europa. Ralph Hamers hat sich vor allem als Digitalisierer profiliert und wird die UBS in dieser Disziplin weiter voranbringen. Neben der Digitalisierung der Zahlungssysteme wollen wir auch bei der Digitalisierung der Vermögensverwaltung, des Asset-Managements und des Investmentbankings weiter Akzente setzen.

    Wie denkt man in der Schweiz eigentlich über den Wirecard-Skandal?
    Ich habe den Fall nur von außen verfolgt. Aber ganz offensichtlich gab es hier ein Aufsichtsversagen, und hiermit meine ich erst einmal die internen Kontrollinstanzen im Unternehmen und im Aufsichtsrat. In der Schweiz hat der Verwaltungsrat die letzte Verantwortung für die gesamte Geschäftspolitik. Anders als in Deutschland berichtet die interne Revision, also die Prüfungsabteilung des Konzerns, bei Banken nicht an den Vorstandschef, sondern an den Chairman und den Verwaltungsrat.

    Sollte man das deutsche Aktienrecht entsprechend ändern?
    Das könnte helfen. Als Verwaltungsratschef müssen sie Informationen aus dem Unternehmen über eigene Kanäle bekommen, die unabhängig vom operativen Management sind. Bei UBS werden die internen Prüfer als dritte Verteidigungslinie geschätzt und berichten direkt an den Verwaltungsrat. Genau das ist wichtig, wenn man ein Unternehmen effektiv kontrollieren will. Man muss sich jederzeit eigenständig ein umfassendes und unverzerrtes Bild der Risiken machen können.

    Herr Weber, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing warnt, Staatshilfen dürften nicht zur Gewohnheit werden

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