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Banken-GipfelBanken wollen privates Geld für den Klimaschutz mobilisieren: „Da ist Geld zu verdienen“

Topbanker sehen einen Schub für das Thema Nachhaltigkeit in der Coronakrise. Staaten und Firmen begeben vermehrt grüne Anleihen. Kritiker fürchten „Greenwashing“.Elisabeth Atzler, Katharina Schneider 03.09.2020 - 18:17 Uhr Artikel anhören

Der Deutschlandchef von Goldman Sachs sieht gute Renditechancen bei grünen Investments.

Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Frankfurt. Das Bestreben, die Wirtschaft nachhaltiger zu gestalten, bleibt für die Banken trotz der Corona-Pandemie ein Topthema. Wolfgang Fink, Deutschlandchef der Investmentbank Goldman Sachs, rechnet sogar damit, dass die Coronakrise die Entwicklung eher beschleunigt. „Wir stehen vor einer der größten Investitionsgelegenheiten der nächsten 20 bis 30 Jahre“, sagte er auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts.

Entscheidend ist laut Fink, dass nicht nur der Staat mehr in den Klimaschutz investiert, wodurch die Verschuldung weiter nach oben getrieben werde. Vielmehr müssten auch private Mittel mobilisiert werden – zum Beispiel von Pensionsfonds. Der Umbau funktioniert aus seiner Sicht nur mit den „klassischen Rentabilitätskriterien“. Und Fink zeigte sich zuversichtlich: „Da ist Geld zu verdienen.“

Auch Susan Barron, zuständig für Nachhaltigkeit bei der britischen Bank Barclays, sieht im Zuge der Corona-Pandemie einen „erhöhten Fokus“ auf ESG-Kriterien und rechnet verstärkt mit entsprechenden Investitionen: „Als Reaktion auf Covid-19 hat das Interesse der Investoren an dem Thema nochmals zugenommen.“ Unter ESG werden Themen wie Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und gute Unternehmensführung verstanden.

Michael Schweikart, Co-Gründer von Tomorrow, einer auf Nachhaltigkeit spezialisierten Smartphonebank, setzt ebenfalls auf einen Schub infolge der Pandemie. „Während der Coronakrise haben wir unsere Marketingausgaben stark reduziert, um vorsichtig zu wirtschaften. Trotzdem sind unsere Neukundenzahlen recht stabil geblieben“, sagte er. „Nach unserer Erfahrung hat die Krise also sowohl der Digitalisierung als auch dem Trend zu Nachhaltigkeit einen Schub verliehen.“

Nachhaltigkeitsbanken agieren bisher in einer Nische, sie wachsen zwar, konnten aber bislang nur einen kleinen Teil der Verbraucher für sich gewinnen.

Banken als Kreditgeber und Investoren wie Vermögensverwalter reklamieren für sich, das Thema Nachhaltigkeit verstärkt zu verfolgen, wobei zurzeit das Thema Klimaschutz im Vordergrund steht. So hat beispielsweise die Deutsche Bank kürzlich erklärt, sie wolle Finanzierungen im Bereich fossile Energie künftig stärker meiden.

Die Aufsichtsbehörden der Finanzbranche machen ebenfalls Druck. Sie treibt die Sorge wegen Klimarisiken um, die in den Bilanzen der Geldhäuser liegen. Diese Risiken sind schwer zu messen. Aber sie sind so gefährlich, dass die Ratingagentur Standard & Poor’s im vergangenen Jahr sogar vor einer „Herausforderung für die Stabilität des Finanzsystems“ warnte.

Deshalb haben die europäischen Aufseher die großen Geldhäuser in der Euro-Zone verpflichtet, ab dem Jahr 2022 ihre Umwelt- und Nachhaltigkeitsrisiken offenzulegen. Kohle und andere fossile Energieträger gelten als wichtiger Emittent von Treibhausgasen und damit Treiber des Klimawandels. Die Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau ist der Kern des Pariser Klimaabkommens von 2015.

Auch die Staaten sind aktiv. Die EU-Kommission will mit dem sogenannten Green Deal erreichen, dass die Europäische Union bis zum Jahr 2050 klimaneutral wird. Deutschland hat am Mittwoch die erste grüne Staatsanleihe platziert und folgt damit Ländern wie Frankreich, Belgien, Irland, den Niederlanden und Polen.

Dahinter steht das Versprechen, mit den Mitteln grüne Staatsausgaben zu finanzieren, um zum Beispiel den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern. Auch die deutsche Staatsbank KfW ist hier seit Langem aktiv. Die Bundesregierung hofft, dass sie dem Thema Nachhaltigkeit damit mehr Schwung geben kann.

Barron rechnet damit, dass sich dieser Trend weltweit fortsetzt – und nicht nur Staaten, sondern auch Unternehmen entsprechende Bonds auflegen. Auch in Großbritannien sehe man deutliches Wachstum bei Emissionen von ESG-Papieren.

Markus Beumer, Vorstand der Hypo-Vereinsbank, verwies darauf, dass mehrere Firmen bereits grüne Anleihen avisiert hätten. „In den vergangenen Monaten haben schon einige Unternehmen ESG-Kredite oder ESG-Bonds angekündigt, zum Beispiel Schaeffler. Und ich erwarte, dass eine große Anzahl von Firmen folgen wird.“

Je nach Unternehmensgröße gebe es beim Thema Nachhaltigkeit aber große Unterschiede: „Bei den großen börsennotierten Unternehmen sehen wir schon größere Fortschritte, während mittelständische Firmen oft noch mehr Hilfe und Beratung brauchen.“

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Derweil monieren Umweltschutzorganisationen, dass Banken und Investoren nicht weit genug gehen. Kritikern zufolge ist die Grenze zwischen nachhaltigem Management und „Greenwashing“ nur unzureichend markiert. „Greenwashing“ wird der Versuch genannt, sich mit möglichst wenig Aufwand ein ökologisch unbedenkliches Image zu verpassen und dabei an den Geschäftsprozessen möglichst wenig zu verändern. Auch die Vielfalt der nachhaltigen Anlagekonzepte, die unterschiedlich streng sind, gilt als verwirrend.

Der Wildwuchs bei den Nachhaltigkeitsdefinitionen ruft jetzt auch die Regulierer auf den Plan. Die EU erarbeitet derzeit ein umfangreiches Klassifizierungssystem, die sogenannte Taxonomie. Sie soll strenge Maßstäbe setzen, was unter nachhaltiger Finanzierung zu verstehen ist.

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