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Banken „Sparkasse reloaded“: Finanzgruppe will schlanker und schneller werden

Der öffentlich-rechtliche Bankensektor diskutiert über einen grundlegenden Umbau. Intern sorgt das Projekt für viel Unruhe.
02.03.2020 - 18:06 Uhr Kommentieren
Kleine und große Sparkassen sind sich nicht einig. Quelle: Raphael Knipping/dpa
Sparkasse in Hannover

Kleine und große Sparkassen sind sich nicht einig.

(Foto: Raphael Knipping/dpa)

Frankfurt Die Sparkassen-Finanzgruppe ist in Aufruhr. Eine mögliche Fusion der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) mit dem Sparkassen-Fondsanbieter Deka sorgt intern für heftige Diskussionen. Zudem müssen die Institute auf Druck der Finanzaufsicht ihr Sicherungssystem umbauen.

Darüber hinaus sorgt ein drittes Thema für erhebliche Unruhe. Im öffentlich-rechtlichen Sektor läuft nach Handelsblatt-Informationen seit Monaten eine grundsätzliche Diskussion über das Zusammenspiel der 378 Sparkassen, der Verbände sowie der übrigen Unternehmen der Finanzgruppe. Im Rahmen des Projekts „Sparkasse reloaded“ wird die komplizierte Struktur der Organisation auf den Prüfstand gestellt. „Es ist aktuell das Gesprächsthema Nummer Eins in der Sparkassen-Welt“, sagt ein Beteiligter.

Zwei wichtige Gremien – die Verbandsvorsteherkonferenz und der Landesobleuteausschuss – haben über das Projekt bereits im Oktober 2019 in einer gemeinsamen Sitzung diskutiert. Die internen Unterlagen mit den Eckpunkten von „Sparkasse reloaded“ liegen dem Handelsblatt vor.

Vorgeschlagen wird unter anderem, dass Sparkassen künftig bestimmte „Standardprodukte“ anbieten, die „in festgelegter Ausstattung“ bundesweit verfügbar sind. Zudem wird angeregt, die dezentrale Sparkassenorganisation, in der es zwölf regionale Verbände gibt, stärker zu zentralisieren. Eine Option wäre eine „gemeinsame Verbändestruktur“ aus den Regionalverbänden und dem Dachverband, dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV).

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    Welche Ideen am Ende umgesetzt werden, ist jedoch offen. Denn bei einer stärkeren Zentralisierung müssten die mächtigen Regionalverbände Kompetenzen abgeben – und dazu sind wenig überraschend nicht alle bereit.

    Die Initiative zu „Sparkasse reloaded“ sei von einer Tagung der Sparkassenvorstände ausgegangen, erklärte der DSGV. „Es geht darum, gemeinsam zu überlegen, wie wir unseren Kunden noch bessere Leistungen bereitstellen können, die Produktentwicklung verschlanken und beschleunigen können und gemeinsam schneller entscheiden können.“ Strukturelle Änderungen der Gruppe würden nicht angestrebt.

    Nicht schnell genug

    Den internen Unterlagen zufolge wollen die Sparkassen mithilfe des Projekts ihre Marktführerschaft am deutschen Bankenmarkt verteidigen. Zudem will sich die Finanzgruppe für die Herausforderungen wappnen, mit denen Sparkassen, öffentlich-rechtliche Versicherer, Landesbausparkassen und Landesbanken aktuell kämpfen: mit der lange anhaltenden Niedrigzinsphase, mit steigenden Anforderungen der Aufsichtsbehörden sowie mit dem zunehmenden Wettbewerb durch Fintechs und Tech-Konzerne.

    DSGV-Präsident Helmut Schleweis hat bereits Anfang Januar bei einer Tagung mit Sparkassenvorständen in Berlin klargemacht, dass er großen Veränderungsbedarf sieht. „Wir brauchen eine deutlich bessere gemeinsame Arbeit der Verbände und der zentralen Verbunddienstleister“, sagte er laut dem Redemanuskript, das dem Handelsblatt vorliegt. Dazu müsse sich jeder auf seine Rolle konzentrieren. „Dezentrale Sparkassen wird es in Zukunft nur geben, wenn wir zu einer solchen Arbeitsteilung bereit sind.“

    Kritisch sieht Schleweis beispielsweise, dass der DSGV einzelne Sparkassen bei vielen Themen nicht direkt ansprechen kann – in der Kommunikation sind in der Regel die Regionalverbände zwischengeschaltet. „Wenn wir dabei bleiben, dass unsere Erkenntnisse gleichsam mit reitenden Boten vom DSGV zu Regionalverbänden und von dort zu den Sparkassen verbreitet werden, dann werden wir verlieren“, warnte Schleweis. „Wir werden dann einfach nicht schnell genug sein.“

    Viele Sparkassen sehen das ähnlich. Sie klagen, dass sie Informationen vom DSGV zum Teil mit Zeitverzug von befreundeten Sparkassen aus anderen Verbandsgebieten bekommen, weil ihr eigener Verband diese nicht weitergegeben hat. Grundsätzlich wäre es sinnvoll, die Regionalverbände schlanker aufzustellen und dafür mehr Kompetenzen beim DSGV zu bündeln, sagt ein Sparkassenchef. „Das würde uns allen mehr nutzen.“

    Bisher handele es sich bei „Sparkasse reloaded“ um ein großes Sammelsurium an Ideen, sagt ein Sparkassenfunktionär. Von Beschlüssen sei man noch weit entfernt. Ein anderer Insider betont, es gehe darum, die Organisation aufzurütteln.

    Das Projekt ist in drei „Arbeitsphasen“ gegliedert. Erstens geht darum, dass die Sparkassen die Schnittstelle zu ihren Kunden auch künftig besetzen. Zweitens sollen die Leistungen der Verbundunternehmen mehr an den Bedürfnissen der Sparkassen ausgerichtet werden. Und drittens wird über die „Governance der Gruppe“ und eine Neuaufstellung der Verbände diskutiert.

    Für besonders viel Aufregung sorgt die „Governance“-Diskussion. Im Rahmen von „Sparkasse reloaded“ wird vorgeschlagen, den DSGV und die Regionalverbände mit einer „einheitlichen Steuerung“ zu versehen und eine „gemeinsame Verbändestruktur“ zu entwickeln. Dies würde aus Sicht vieler Beteiligter auf eine Teilentmachtung der Regionalverbände hinauslaufen. Diese sind derzeit das Machzentrum der Sparkassen-Organisation – als Wirtschaftsprüfer der Mitgliedssparkassen und als Eigentümer der regionalen Verbundunternehmen.

    Hinzu kommt, dass die Regionalverbände nicht nur die Sparkassen vertreten, sondern auch deren Träger, die jeweiligen Kommunen. Die Vertreter von Städten und Gemeinden nehmen ebenso wie die Sparkassen an den Verbandsversammlungen teil.

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