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BankenWachsen mit Fintechs: JP-Morgan-Präsident ist trotz Krisenstimmung „sehr bullish“

Daniel Pinto glaubt, dass die US-Notenbank die Zinsen noch stärker anheben muss. Das könnte für Amerikas größte Bank bei Zukäufen im Fintech-Sektor sogar von Vorteil sein.Astrid Dörner, Dennis Schwarz 21.06.2022 - 12:59 Uhr Artikel anhören

Der Spitzenmanager sieht in den USA eine Rezession heraufziehen.

Foto: Bernd Roselieb

Frankfurt. Nervöse Märkte, einbrechendes M&A-Geschäft: Die Stimmung an der Wall Street ist derzeit so schlecht wie lange nicht mehr. Und doch ist Daniel Pinto, Präsident von Amerikas größter Bank JP Morgan, in einem Bereich „sehr bullish“ – er will das Fintech-Segment der Bank weiter aufbauen.

JP Morgan solle zum führenden Spieler bei Payment-Lösungen und technologiebasierten Finanzdienstleistungen werden, sagte Pinto, der das operative Geschäft der Bank leitet, dem Handelsblatt.

Gerade im Bereich der Zahlungsdienstleistungen „sehen wir riesige Möglichkeiten und investieren dort stark“. Ziel sei es, den Marktanteil in diesem Bereich von sieben auf zehn Prozent auszubauen, kündigte der Manager an.

Die jüngsten Turbulenzen an den Märkten könnten für die Großbank dabei durchaus von Vorteil sein. Denn bei vielen jungen Firmen sind zuletzt die Bewertungen deutlich gesunken.

Schon seit Jahren investiert das New Yorker Geldhaus Milliarden Dollar, um seine Marktanteile auszubauen und Angreifern wie Paypal, Block und Adyen die Stirn zu bieten. Allein 2021 übernahm JP Morgan rund 30 Start-ups, darunter den digitalen Vermögensverwalter Openinvest, der sich auf nachhaltige Investments spezialisiert hat, den britischen Robo-Advisor Nutmeg und die Mehrheit an Volkswagen Payments, der Zahlungsdienstleistungstochter des Wolfsburger Autoherstellers.

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon bezeichnete im vergangenen Frühjahr in seinem jährlichen Aktionärsbrief Fintechs als eine der „enormen Wettbewerbsbedrohungen“ für Banken. Entsprechend intensiv agiert die Bank auf diesem Feld.

Zwar wolle die Bank primär organisch wachsen, betonte Pinto. Doch weitere Deals im Fintech-Sektor könnten folgen. Man beschäftige in fast allen Bereichen Mitarbeiter, die sich alles anschauten, „was unsere organische Strategie beschleunigen oder ergänzen könnte“, sagte Pinto, der auch die Unternehmens- und Investmentbank führt.

Lange hätten Banken nur zugeschaut, während sich Fintechs den Markt unter sich aufgeteilt hätten, räumte der Manager ein. Die Wall Street sei „am Steuer eingeschlafen“, gab er bereits letztes Jahr zu. Doch inzwischen ist JP Morgan aufgewacht.

Das Geld für Zukäufe ist grundsätzlich da. JP Morgan hat dank vieler hochprofitabler Jahre die finanziellen Mittel für hohe Investitionen und teure Akquisitionen. Das unterscheide das Geldhaus von anderen, weniger erfolgreichen Banken, in Deutschland genauso wie in den USA, so Analysten. Sie sehen JP Morgan in einer guten Position.

Die Zukäufe der Bank deckten das gesamte Spektrum vom Zahlungsverkehr bis hin zu Big Data ab, heißt es von Wells-Fargo-Analyst Mike Mayo. So würden bereits Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz die Erlebnisse für die Kunden verbessern, lobte er im vergangenen Jahr. Auch könnte die Bank die übernommenen Angebote schnell skalieren und ihren Kunden günstiger anbieten als viele Konkurrenten. „Das ist ein weiterer Grund, warum Goliath gewinnt“, stellte Mayo klar.

Rezession „wahrscheinlich“

Doch das Umfeld für die US-Banken wird rauer, das sieht auch Pinto so. Der Manager, der vergangene Woche zu Gesprächen mit Kunden und Regulierern in Frankfurt war, hält eine Rezession in den USA und in Europa für „wahrscheinlich“. Die Frage sei nur, „wie tief sie sein wird“, sagte Pinto.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hatte Mitte Juni den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte angehoben – der größte Zinsschritt seit 1994. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zugleich vor wenigen Tagen ein Notfalltreffen einberufen, um über Maßnahmen gegen eine neue Euro-Krise zu beraten. „Diese Phasen der Anpassung sind für alle schwierig. Aber wenn wir einmal den neuen Normalzustand erreicht haben, dann werden sich die Dinge beruhigen.“

Schon lange drückt die neue Zinspolitik, gepaart mit den Folgen des Ukrainekriegs, auf die Stimmung an den Märkten. Der breit gefasste Index S&P 500 hat seit Jahresbeginn rund 23 Prozent verloren, der technologielastige Nasdaq ist sogar über 30 Prozent im Minus, während der Kryptomarkt ebenfalls deutlich eingebrochen ist.

Das vermiest JP Morgan genauso wie anderen großen Investmentbanken das lukrative Geschäft mit Fusionen und Übernahmen. Auch Börsengänge finden derzeit praktisch kaum noch statt. Dabei waren es lange Zeit gerade die schnell wachsenden Tech-Firmen, die mit ihren Börsengängen den Investmentbankern Rekordeinnahmen bescherten.

Das schlägt sich auch in den Zahlen der New Yorker nieder. Auf dem Investorentag Ende Mai warnte die Bank, dass die Gebühren aus dem Investmentbanking in diesem Quartal um rund 45 Prozent geringer ausfallen könnten als vor einem Jahr, als JP Morgan ein Rekordquartal verbuchte. Die Umsätze aus dem Handelsgeschäft könnten aufgrund der nervösen Märkte dagegen um 15 Prozent steigen, auch die Prognose für das Nettozinseinkommen hob das Institut aufgrund der gestiegenen Leitzinsen an.

Die Investoren freut das nicht: Die Aktie der US-Bank steht seit Jahresbeginn stark unter Druck und verlor seitdem knapp 30 Prozent an Wert.

Mittelständische Unternehmen mit internationalem Geschäft im Fokus

Die Zinswende rüttelt die Banken durch. Pinto erwartet, dass sich die globale Wirtschaft langfristig auf höhere Zinsen einstellen muss. „Ich gehe davon aus, dass die Fed die Zinsen noch deutlich stärker anheben muss, als es die Märkte derzeit erwarten“, sagte er. Das liege auch daran, dass Regierungen im Zuge der Pandemie künftig eher darauf setzten, wichtige Güter im eigenen Land herzustellen, auch wenn das die Kosten in die Höhe treibe.

„Das wird auch dazu führen, dass die Bewertungen von Unternehmen und gerade Tech-Firmen nicht mehr so hoch sein werden, wie wir das in den vergangenen 25 Jahren gesehen haben“, gab er zu bedenken.

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An der Deutschlandstrategie von JP Morgan soll die Rezession indes nichts ändern. Unter dem neuen Namen JP Morgan SE hat die Bank Anfang des Jahres ihre drei rechtlichen Einheiten in der Europäischen Union – Deutschland, Irland und Luxemburg – in Frankfurt gebündelt und ist damit zu einer der größten Banken des Landes aufgestiegen.

Pinto hat es dabei unter anderem auf die mittelständischen Unternehmen mit internationalem Geschäft abgesehen, einen Bereich, in dem sich auch die Citigroup stärker engagieren will. Auch die Onlinebank von JP Morgan, die im vergangenen Jahr in Großbritannien gestartet ist, könnte eines Tages in andere europäische Länder expandieren.

Mehr zum Thema: JP Morgan bündelt drei Europa-Töchter in Frankfurt – und wird zu einer der größten Banken des Landes

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