EBA-Bericht: Europas Banken schütten so viel Geld aus wie seit Jahren nicht mehr
Frankfurt. Europäische Banken schütten so viel Geld an ihre Aktionäre aus wie seit vielen Jahren nicht mehr. Die Dividenden und Aktienrückkäufe, die für dieses Jahr geplant sind, summieren sich auf 100 Milliarden Euro, schreibt die EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA in einem am Dienstag veröffentlichten Risikobericht. Sie hat dafür 129 Banken untersucht, die für 80 Prozent des europäischen Bankenmarkts stehen.
Die Summe der Ausschüttungen liegt etwa 30 Prozent über ihrem Vorjahreswert, schreibt die EBA. Allerdings hat die Branche im vergangenen Jahr auch deutlich mehr verdient: Die Nettogewinne der Institute ist laut EBA um rund 32 Prozent gestiegen.
Deshalb ist auch die Ausschüttungsquote unter dem Strich stabil geblieben: Im Durchschnitt schütten die Geldhäuser etwa 50 Prozent ihrer Gewinne an die Anteilseigner aus. Dennoch mahnen die Bankenaufseher zu Vorsicht. „Angesichts steigender Risiken hat eine weiterhin vorsichtige Haltung im Hinblick auf Ausschüttungen weiterhin Priorität“, schreibt die EBA.
Aus Sicht der Behörde gibt es eine ganze Reihe möglicher und teils schwer vorhersehbarer Risiken, für die die Banken gerüstet bleiben sollten. Dazu zählt die EBA unter anderem geopolitische Risiken, „die über viele unterschiedliche Kanäle auftauchen können bei Kredit-, Markt oder operationellen Risiken“.
Aber auch vor steigenden Kreditrisiken warnen sie, „zumindest in einigen Bereichen“. Damit dürfte die EBA vor allem auf gewerbliche Immobilienkredite anspielen. Europas Banken haben ihren Daten zufolge Gewerbeimmobilien mit insgesamt 1,4 Billionen Euro finanziert. Der Anteil der faulen Kredite 2023 um 12 Prozent gestiegen.
Bei den meisten Banken liegt die ausgereichte Kreditsumme unter der Summe des Eigenkapitals der Banken. Bei einigen Instituten, insbesondere spezialisierten Immobilienbanken, ist dies allerdings nicht der Fall. Das gilt laut EBA aber nur für mehrere, eher kleinere Institute.
Vor allem die Lage am amerikanischen Büroimmobilienmarkt gilt als schwierig. Institute wie die Aareal Bank oder die Deutsche Pfandbriefbank haben für ihr US-Geschäft in diesem Bereich hohe Rückstellungen bilden müssen.
Neben möglichen Kreditausfällen sind auch große Preisrückgänge für die finanzierenden Instituten ein Problem. Schließlich sind Immobiliendarlehen meistens mit den finanzierten Objekten besichert. Sinken die Preise, sinkt auch der Wert der Kreditsicherheiten. In den USA sind die Preise für Gewerbeimmobilien im vergangenen Jahr um 23 Prozent gesunken.
In Europa gab es eine Korrektur um 17 Prozent. „Dieser Rückgang scheint sich im ersten Quartal 2024 leicht verringert zu haben“, schreibt die EBA. Seit dem Höchststand im Mai 2022 hätten sich die Preise aber um rund 25 Prozent verringert. Das Ausmaß der Preiskorrekturen variiere von Land zu Land. In Deutschland und einigen anderen nordeuropäischen Ländern sei sie stärker ausgefallen, in Spanien eher gering.
Zugleich dürfte die Gewinndynamik nun nachlassen: Denn die höheren Gewinne des vergangenen Jahres verdankten die europäischen Institute vor allem den gestiegenen Erträgen aus dem Zinsgeschäft – und damit der Wende in der europäischen Geldpolitik.
Die EZB hatte ihren Leitzins 2023 in mehreren Schritten erhöht. Doch damit ist es mittlerweile vorbei: im Juni dieses Jahres senkte die EZB die Zinsen erstmals wieder. „Einige Profitabilitätsindikatoren zeigen erste Zeichen eines Rückgangs“, konstatiert die EBA. „Das deutet darauf hin, dass die Profitabilität der Banken ihren Höhepunkt gehabt haben könnte.“