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Fintech Mega-Finanzierung: Schwedischer Zahlungsdienstleister Klarna sammelt eine Milliarde Dollar ein

Nach einer neuen Finanzierungsrunde verdreifacht sich die Bewertung des Fintechs. Es ist nun das wertvollste nicht börsennotierte Start-up-Unternehmen Europas.
01.03.2021 Update: 01.03.2021 - 13:56 Uhr Kommentieren
Der Zahlungsdienstleister sammelt weiter Kapital ein und verweist auf rund 90 Millionen aktive private Nutzer und mehr als 250.000 Handelspartner. Quelle: Reuters
Schriftzug des schwedischen Fintechs Klarna

Der Zahlungsdienstleister sammelt weiter Kapital ein und verweist auf rund 90 Millionen aktive private Nutzer und mehr als 250.000 Handelspartner.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna steigt mit einer Mega-Finanzierungsrunde zum wertvollsten nicht börsennotierten Start-up Europas auf. Klarna sammelt eine Milliarde Dollar von bestehenden und neuen Investoren ein, wie die Firma am Montag bekanntgab. Damit verdreifacht sich die Bewertung Klarna zufolge auf nun 31 Milliarden Dollar.

Zum Vergleich: Das amerikanisch-rumänische Start-up Uipath kommt zwar auf eine Bewertung von 35 Milliarden Dollar. Die Firma, die mit Künstlicher Intelligenz Geschäftsprozesse automatisiert, ist aber längst von Bukarest nach New York gezogen.

Mit den frischen Mitteln will Klarna die internationale Expansion beschleunigen. Das Finanz-Start-up (kurz Fintech) ist in insgesamt 17 Ländern aktiv – in Europa und Nordamerika sowie in Australien und Neuseeland. Deutschland ist der wichtigste Markt.

Bis zum Sommer will Klarna in fünf weiteren Ländern starten und generell verstärkt Bankdienstleistungen anbieten. Co-Gründer und Firmenchef Sebastian Siemiatkowski sagte dem Handelsblatt: „Die Finanzbranche ist nicht gerade verbraucherfreundlich. Wir glauben, dass es eine gute Chance gibt, diese Branche zu verändern – und dass Klarna das erreichen kann.“

In Deutschland als erstem Markt ist Klarna im Februar mit einem kostenlosen Girokonto gestartet. Vorläufig richtet es sich an ausgewählte Nutzer der Klarna-App. „Wir wollen mit einem Girokonto – wie seit kurzem in Deutschland – in allen Ländern, in denen wir aktiv sind, starten“, so Siemiatkowski. Er vergleicht seine Firma mit dem US-Elektroautohersteller Tesla - und dessen enormen Aufstieg: „Beim Start von Tesla waren auch viele skeptisch. Wir haben die Ambition, eine ähnliche Rolle in der Finanzbranche zu spielen wie Tesla in der Autoindustrie.“

Klarna, gegründet im Jahr 2005, wächst seit Längerem in hohem Tempo. Die Coronakrise treibt das Geschäft zusätzlich an. Da der Onlinehandel im Corona-Lockdown boomt, gehört Klarna – wie andere Payment-Firmen – zu den großen Profiteuren der Coronakrise.

Wie beispielsweise Adyen agiert Klarna als Zahlungsdienstleister für Händler und wickelt Zahlungen online und an der Ladenkasse ab. In erster Linie bekannt ist die Firma aber durch ihre Bezahlmethoden – ihre eigene Shopping-App, über die Nutzer etwa beim Onlineeinkauf bezahlen können. In Deutschland gehört das Bezahlen per „Sofortüberweisung“ zu Klarnas Angeboten. Zudem gibt Klarna eine eigene Kreditkarte aus.

Mittlerweile zählt Klarna rund 90 Millionen aktive private Nutzer und mehr als 250.000 Handelspartner. Im vergangenen Jahr stieg das Transaktionsvolumen nahezu um die Hälfte auf 56 Milliarden Dollar, wie das Fintech vergangene Woche mitteilte. Auch der Umsatz zog deutlich an.

Angesichts anhaltend hoher Kosten im Zuge der Expansion und steigender Kreditausfälle schrieb Klarna trotzdem rote Zahlen. Der Verlust betrug umgerechnet 168 Millionen Dollar, im Vorjahr hatte das Minus bei 110 Millionen Dollar gelegen.

Finanzierungsrunde vierfach überzeichnet

Die Mega-Finanzierung von Klarna verdeutlicht, wie viel Investoren Payment-Firmen zutrauen. Das gilt umso mehr, als die aktuelle Finanzierungsrunde vierfach überzeichnet war. Klarna hätte also theoretisch noch viel mehr Geld erhalten können.

Der Wettbewerber Checkout.com aus Großbritannien hatte erst Mitte Januar 450 Millionen Dollar eingesammelt, was die Bewertung Firmenangaben zufolge auf 15 Milliarden Dollar steigerte. Damit war Checkout zwischenzeitlich das wertvollste nicht börsennotierte Fintech Europas. Der niederländische Zahlungsdienstleister Adyen, der 2006 gegründet wurde, ist bereits an der Börse notiert und kommt auf eine Marktkapitalisierung von 58 Milliarden Euro (70 Milliarden Dollar). Der amerikanische Wettbewerber Stripe, der noch nicht börsennotiert ist, wird mit 36 Milliarden Dollar bewertet. Stripe wird ein baldiger Börsengang zugetraut.

Auch Klarna gilt als Kandidat für einen Börsengang. Siemiatkowski hatte der Nachrichtenagentur Reuters vor wenigen Tagen gesagt, er denke an ein Direktlisting an der Börse nach dem Vorbild des Musikstreamingdienstes Spotify. Bei einem Direktlisting bringt eine Firma Aktien an die Börse, ohne im Vorfeld öffentlich Papiere zu verkaufen. Damit wird der komplexe und teure sogenannte Bookbuilding-Prozess umgangen, Investoren können aber trotzdem Anteile verkaufen oder kaufen. Zu einem Zeitpunkt für einen Börsengang wollte sich der Klarna-Chef gegenüber dem Handelsblatt nicht äußern.

Einen kleinen Teil der frisch eingeworbenen Mittel will Klarna abgeben. Ein Prozent davon solle an eine neue Initiative gehen, die Klarna gründet und die sich auf Nachhaltigkeitsherausforderungen auf der ganzen Welt konzentriere. „Ich glaube, dass unsere Branche die Verantwortung hat, auch zur Lösung globaler Nachhaltigkeitsprobleme beizutragen, und ich hoffe, dass sich andere unseren Ambitionen anschließen werden“, sagte Siemiatkowski.

Mehr: Der rasante Aufstieg von Checkout.com.

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