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Geldanlage Wie Billiganbieter die Branche der Onlinebroker verändern

In der Coronakrise haben viele Privatanleger erstmals ein Wertpapierdepot eröffnet. Direktbanken und Onlinebroker sind die Profiteure. Doch der Druck durch neue Wettbewerber steigt.
26.08.2020 - 09:53 Uhr Kommentieren
Onlinebroker: Wie die Billig-Broker die Branche verändern Quelle: dpa
Frankfurter Börse

Die etablierten Onlinebroker benötigen eine neue Strategie.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Kursturbulenzen während der Coronakrise haben zu neuen Rekorden bei Transaktionen und Umsätzen am deutschen Wertpapiermarkt geführt. Profitiert haben davon insbesondere Onlinebroker. „Covid-19 hat den Brokern in Deutschland einen kräftigen Schub gegeben. Der Wertpapiermarkt ist eines der wenigen Segmente im Privatkundengeschäft, das in den kommenden Jahren noch wachsen wird“, sagt René Fischer, Partner der Strategieberatung Oliver Wyman, der gemeinsam mit Kollegen eine Studie zum Online-Brokerage-Markt erstellt hat.

Die Berater gehen davon aus, dass die Zahl der Online-Wertpapiertransaktionen in Deutschland künftig um fünf bis sieben Prozent pro Jahr steigen wird. Gab es im Jahr 2019 etwa 80 bis 90 Millionen Transaktionen, sollen es 2024 schon 105 bis 115 Millionen sein.

Mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr nehmen die Broker derzeit an Ordergebühren und sonstigen Provisionen ein. Vor allem indirekte Ertragsquellen wie Kommissionen von Produktanbietern und Rückvergütungen von Börsen dürften deutlich an Bedeutung gewinnen. „Bis in fünf Jahren dürfte sich der Wert auf zwei Milliarden Euro verdoppeln“, erwartet Fischer.

Die Berater schätzen, dass das Ertragspotenzial für Broker im gesamten deutschen Wertpapiermarkt, der neben dem Brokerage die Anlageberatung, das Fondsgeschäft und die Finanzportfolioverwaltung umfasst, bei rund zehn Milliarden Euro jährlich liegt.

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Standort erkennen

    Trotz der Wachstumschancen kann sich kein Anbieter zurücklehnen: Seit einiger Zeit drängen Billigbroker wie Trade Republic, Justtrade, Gratisbroker oder Scalable Capital in den Markt, die nach US-Vorbild mit kostengünstigem oder sogar kostenlosem Wertpapierhandel werben. Auch wenn die neuen Firmen nur eine eingeschränkte Produktpalette und wenige Handelsplätze bieten, geraten die etablierten Onlinebroker dadurch unter Beschuss.

    Dabei galten diese noch vor wenigen Jahren selbst als die Angreifer der Filialbanken: „Viele bestehende Geschäftsmodelle werden durch einen anhaltenden Preis- und Kostendruck auf Dauer nicht fortführbar sein“, sagt Philipp Bulis, Brokerage-Experte bei Oliver Wyman. „Einige der etablierten Broker werden ihre Strategie überdenken müssen.“

    Zu den derzeitigen Marktführern zählen die Onlinebank Comdirect inklusive ihrer Marke Onvista, die zur BNP Paribas gehörende Consorsbank, die Direktbank ING sowie der Onlinebroker Flatex, der mit der Übernahme des niederländischen Konkurrenten Degiro ein paneuropäisches Geschäftsmodell aufbaut.
    Auf die vier Anbieter entfallen fast drei Viertel der sogenannten „Execution Only“-Transaktionen, bei denen die Broker die Kundenaufträge ohne Beratung ausführen. Daneben gibt es Anbieter wie DKB, Maxblue, Postbank, Targobank sowie S-Broker und Genobroker.

    Gebührensenkungen werden notwendig

    „Wer bisher Ordergebühren von acht Euro oder sogar mehr verlangt hat, wird sich umschauen müssen, wo langfristig die Erträge herkommen sollen“, sagt Bulis. „Der Druck auf die etablierten Anbieter, die Gebühren zu senken, wird spätestens dann kommen, wenn die Billigbroker aus ihrem Nischendasein heraustreten“, ergänzt Fischer.

    Künftig könne in dem Markt nur bestehen, wer aufgrund einer großen Zahl an Transaktionen kosteneffizient arbeitet und seine Kontakte zum Kunden besser nutzt – also stark auf Erträge aus Partnerschaften mit Produktanbietern und Börsen setzt. Wachstum könnte dann unter anderem aus Rabatten für Vieltrader und VIP-Klubs entstehen.

    Zugleich müssten sich die Broker als breiter digitaler Anbieter rund um Vermögensfragen positionieren. „Der Markt für reines Online-Brokerage wird in Deutschland langfristig zu schmal bleiben“, ist Bulis überzeugt. Viele Kunden haben zwar ein Kapitalmarktinteresse, wollen aber nicht eigenständig investieren. Hier könnten die Broker mit Anlageberatung oder Robo-Advisory-Angeboten punkten. Als Beispiel nennt die Studie die ING, die eine Wertpapierberatung einführen will.

    Grafik

    Consors will sich dennoch aus der Beratung zurückziehen, bestätigt ein Firmensprecher einen Bericht von „Finanz-Szene.de“: „Die Consorsbank wendet sich künftig nur noch an selbstbestimmte Anleger.“ Bislang habe nur rund ein Prozent der Kunden die Beratung in Anspruch genommen.

    Auch gelte es, so Oliver Wyman, bestehende Angebote besser zu verzahnen. Vorbild könnte Amazon sein: Prime-Mitglieder erhalten bei dem Onlinehändler Vorteile wie etwa kostenlosen Versand. Ähnlich könnten Broker ein Premium-Girokonto mit einer gewissen Anzahl an kostenlosen Wertpapiertransaktionen bieten. Ein eigenes Null-Euro-Angebot im Wertpapierhandel dürfte für die meisten Broker aber noch Zukunftsmusik sein.

    Wer keine Mittel für eine strategische Neuausrichtung hat, dürfte es den Beratern zufolge schwer haben: „Wer nicht investieren kann, um eine kritische Masse bei den Transaktionszahlen zu erreichen, muss strikt auf die Kosten schauen, um den Kundenbestand halten zu können“, sagt Fischer. „Bei manchen Organisationen ist der Brokerage-Arm aber nur das fünfte Rad am Wagen. Für sie wäre es möglicherweise besser, das Geschäft aufzugeben und mit einem erfolgreichen Broker zu kooperieren.“

    Klassische Broker sind optimistischer

    Ganz so schwarz-weiß sähen die Broker ihre Zukunft nicht, sagt Lars Brennholt, Leiter Brokerage & Finanzplanung bei der Targobank: „Wir beobachten, dass neue Anbieter bewusst mit einem eingeschränkten Angebot an den Markt treten. So spielen die klassischen Präsenzbörsen oft gar keine Rolle mehr.” Kunden der Targobank könnten indes an allen deutschen Börsen und über mehr als 20 Handelspartner handeln.

    Die DKB sieht ihr Brokerangebot als eine Möglichkeit, ihren Girokontokunden weitere Finanzprodukte anbieten zu können, wie ein Sprecher erklärt. Die Bank fokussiere sich in den kommenden Jahren auf den profitablen, schrittweisen Ausbau des Wertpapiergeschäfts.

    Maxblue, so ein Sprecher der Deutschen Bank, richte sich an Kunden, die ein breites Service- und Produktangebot bevorzugen. Im Mittelpunkt stünden nicht die klassischen Kunden eines Zero-Cost-Brokers, die ein eingeschränktes Leistungsangebot zugunsten der Ordergebühren akzeptieren.

    Mehr: Privatanleger wollen ihre Anlagestrategie zunehmend auf nachhaltige Unternehmen ausrichten.

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