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Hauptversammlung Stimmrechtsberater kritisieren Vergütungssystem der Deutschen Börse

Die einflussreichen Berater Glass Lewis und Ivox empfehlen den Aktionären, die neuen Vergütungsregeln abzulehnen. Die Ziele für den Vorstand seien nicht ambitioniert genug.
04.05.2020 - 15:57 Uhr Kommentieren
Streit um die Vorstandsvergütung. Quelle: dpa
Deutsche Börse

Streit um die Vorstandsvergütung.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Deutsche Börse muss sich bei ihrer virtuellen Hauptversammlung am 19. Mai auf Widerstand einstellen. Der einflussreiche Stimmrechtsberater Glass Lewis und dessen deutsche Tochter Ivox raten den Aktionären, das angepasste System zur Vergütung von Vorstandsmitgliedern abzulehnen. Das geht aus den Empfehlungen beider Firmen für die Hauptversammlung hervor, die dem Handelsblatt vorliegen.

Die Deutsche Börse habe zwar mehrere positive Änderungen an ihrem Vergütungssystem vorgenommen, erklärten die Stimmrechtsberater. Insgesamt seien die Ziele, von denen die Bonuszahlungen für den Vorstand abhängen, aber nach wie vor nicht ambitioniert genug.

„Wir haben weiterhin Probleme mit dem nicht herausfordernden Charakter des jährlichen Bonussystems“, kritisiert Glass Lewis. „Wir glauben, Aktionäre sollten diesbezüglich von einem Unternehmen dieser Größenordnung Verbesserungen erwarten.“ Die Deutsche Börse hält die Kritik für ungerechtfertigt.

Gerade angelsächsische Investoren folgen bei Hauptversammlungen häufig dem Rat von Stimmrechtsberatern wie Glass Lewis und ISS. Sollten die Aktionäre von Deutschlands größtem Börsenbetreiber das Vergütungssystem am Ende nicht billigen, müsste sich der Aufsichtsrat erneut damit befassen.

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    Glass Lewis und Ivox hatten sich kürzlich bereits bei der Commerzbank für eine Ablehnung des Vergütungssystems ausgesprochen. Der einflussreichere Kokonkurrent ISS plädierte wenig später trotz kritischer Anmerkung für eine Billigung des Systems.

    Bonus auch bei leichtem Gewinnrückgang

    Bei der Bezahlung von Vorständen der Deutschen Börse macht die variable Vergütung rund 70 Prozent aus. Sie ist größtenteils aktienbasiert und hängt in einem hohen Maße von der Entwicklung des bereinigten Konzerngewinns ab. In dieser Kategorie kann die Zielerreichung des Vorstands zwischen null und 250 Prozent betragen. Warum die Höchstgrenze von 200 auf 250 Prozent angehoben wurde, habe das Unternehmen jedoch nicht ausreichend begründet, moniert Glass Lewis.

    Der Hauptkritikpunkt von Glass Lewis und Ivox ist jedoch, dass ein konstanter Gewinn der Börse laut dem Vergütungssystem einer Zielerreichung von 57,14 Prozent entspricht. Sogar bei einem Minus von weniger als zehn Prozent fließen Bonuszahlungen an den Vorstand.

    Die Reglung führe dazu, dass Teile der variablen Vergütung auch bei einem leichten Gewinnrückgang oder einer Stagnation des Ergebnisses ausgeschüttet werden, heißt es in der Glass-Lewis-Studie. „Dieser Vergütungsplan birgt das Risiko, dass es zu einer Entkopplung von Bezahlung und Leistung kommt.“

    Die Deutsche Börse weist die Kritik in Stellungnahmen zu den Studien von Ivox und Glass Lewis zurück. „Der Aufsichtsrat erachtet die Eintrittsschwelle der Zielerreichungskurve im Bereich eines leicht rückläufigen Konzernjahresüberschusses für die einjährige Leistungsperiode als sachgerecht“, erklärte das Unternehmen. „Derartige Schwankungen im Konzernjahresüberschuss basieren häufig auch auf externen Faktoren und sollen nicht zu einem vollständigen Wegfall des Performance-Bonus führen.“

    Die Regelung trage auch der Tatsache Rechnung, dass einige Geschäftsaktivitäten der Deutschen Börse „in einem besonderen Maße von zyklischen Effekten abhängen“, argumentiert der Konzern. Wenn die Ausschläge an den Märkten groß sind, wird in der Regel mehr gehandelt und die Deutsche Börse verdient mehr. Dies ist aktuell in der Coronakrise der Fall. In ruhigen Zeiten ist es für den Konzern aus Eschborn bei Frankfurt dagegen schwerer, seinen Gewinn auszubauen.

    Aufsichtsratschef Joachim Faber weist in seiner Stellungnahme gegenüber Glass Lewis zudem darauf hin, dass die Deutsche Börse einen Bonus für die Entwicklung des Nettoergebnisses nun erst ab einem Gewinnrückgang von weniger als zehn Prozent bezahlt - zuvor lag diese Grenze bei minus 20 Prozent.

    Auch die Erhöhung der Obergrenze für die Zielerreichung auf 250 Prozent, verteidigt Faber. Das Unternehmen erhöhe so den Anreiz, zweistellige Wachstumsraten zu erzielen, erklärte der Aufsichtsratschef. Ein Plus von 18,75 Prozent, das für eine Zielerreichung von 250 Prozent mindestens nötig ist, habe die Börse in den vergangenen Jahren nie erzielt. Aber: „Falls der Vorstand ein solches substanzielles Wachstum erreicht, würden die Aktionäre signifikant profitieren.“

    Coronakrise beeinflusst Bonuszahlungen

    Grundsätzlich hält Faber die starke Ausrichtung der Bonuszahlungen an der Entwicklung des bereinigten Konzerngewinns für richtig - und verweist dabei auf die starke Ergebnisentwicklung in den vergangenen Jahren. Von 2014 bis 2019 habe das durchschnittliche jährliche Gewinnwachstum elf Prozent betragen, der Aktienkurs habe pro Jahr im Schnitt um 19 Prozent zugelegt. „Die von Glass Lewis geäußerte Sorge, die Leistungsziele seien zu eng gefasst, ist unbegründet.“

    Glass Lewis rät in seiner Studie auch, dass Unternehmen angesichts der Coronakrise grundsätzlich auf einen möglichen Anstieg der Vorstandsvergütung im Jahr 2020 verzichten sollten.

    Faber erklärte hierzu, die Börse habe innerhalb des Regelwerks „genug Flexibilität, um Anpassungen vorzunehmen, falls das im Zuge von Covid-19 erforderlich ist“. Der Aufsichtsrat sei sich bewusst, welch großen Einfluss die Pandemie auf die Wirtschaft, den Sektor und alle Aktionäre haben könne. „All diese Faktoren werden wir bei künftigen Entscheidungen über die Vergütung natürlich beachten.“

    Faber tritt nach der Hauptversammlung im Mai vorzeitig als Chefkontrolleur ab. Seine Nachfolge soll der langjährige IBM-Manager Martin Jetter antreten.

    Faber war 2017 wegen der geplatzten Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) und eines Ermittlungsverfahrens gegen Ex-Konzernchef Carsten Kengeter unter Druck geraten. Kengeter hatte ein spezielles Vergütungsprogramm des Aufsichtsrats angenommen und in dessen Rahmen im Dezember 2015 Aktien der Deutschen Börse gekauft. Zwei Monate später wurde bekannt, dass das Unternehmen über einen Zusammenschluss mit der LSE verhandelt. Die Aktien beider Börsenbetreiber zogen daraufhin kräftig an.

    Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Kengeter schon 2015 über den LSE-Deal verhandelte, und warf ihm deshalb Insiderhandel vor. Das Unternehmen und Kengeter wiesen die Vorwürfe zurück. Dennoch stimmten beide Ende 2018 zu, die Verfahren gegen die Zahlung einer Geldbuße beizulegen.

    Mehr: Die Deutsche Börse profitiert von der Coronakrise – vorerst.

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