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Interview mit Ingo Speich Deka-Manager: „Wachstumsfirmen, die von einer Vision leben, haben im Dax nichts verloren“

Der Manager von Deka Investment fordert nach dem Wirecard-Skandal eine Reform des Leitindexes. Die Deutsche Bank würde nach seinen Kriterien rausfliegen.
16.09.2020 - 16:31 Uhr 1 Kommentar
Aus Sicht des Deka-Managers Aktuell repräsentiert der Dax sehr stark die alte Deutschland AG. „Zudem gibt es Klumpenrisiken, weil beispielsweise viele Unternehmen aus dem Automobilsektor vertreten sind.“ Quelle: Deka Investments
Ingo Speich

Aus Sicht des Deka-Managers Aktuell repräsentiert der Dax sehr stark die alte Deutschland AG. „Zudem gibt es Klumpenrisiken, weil beispielsweise viele Unternehmen aus dem Automobilsektor vertreten sind.“

(Foto: Deka Investments)

Frankfurt Ingo Speich ist ein Freund klarer Worte. Wenn es bei Unternehmen Fehlentwicklungen gibt, benennt der Deka-Manager diese schonungslos und pointiert. Auch beim deutschen Leitindex Dax sieht Speich, der beim Sparkassen-Fondsanbieter den Bereich Nachhaltigkeit und gute Unternehmensführung (Corporate Governance) leitet, großen Reformbedarf.

„Ein Skandal wie bei Wirecard konnte nur passieren, weil die Kontrollsysteme innerhalb des Unternehmens mangelhaft waren“, sagt Speich im Handelsblatt-Interview. „Die Deutsche Börse sollte bei der Aufnahme in den Dax deshalb künftig Governance-Themen berücksichtigen.“

Wirecard war fast zwei Jahre lang Mitglied in der ersten deutschen Börsenliga. Und als der Zahlungsdienstleister zwei Monate nach seinem Insolvenzantrag Ende August aus dem Dax flog, folgte auf ihn mit dem Lieferdienst Delivery Hero ausgerechnet eine Firma, die seit ihrer Gründung noch nie schwarze Zahlen geschrieben hat.

Aus Sicht von Speich ist das ein Unding. Er fordert die Deutsche Börse auf, bei der Aufnahme in den Dax künftig auch die Profitabilität von Firmen zu berücksichtigen. „Wachstumsunternehmen, die von einer Vision leben, die bisweilen vage ist, haben dort nichts verloren“, sagte Speich. „Ein Unternehmen sollte über einen Zeitraum – beispielsweise von drei Jahren – zumindest einmal einen Gewinn erzielt haben.“

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    Legt man diese Kriterien an, müsste die Börse die Deutsche Bank nach fünf Verlustjahren in Folge aus dem deutschen Leitindex werfen. Speich hätte damit kein Problem. „Schwarze Zahlen sind letztlich ein Ausdruck für die Qualität eines Geschäftsmodells“, findet Speich. „In den Dax sollten nur starke Unternehmen aufgenommen werden – auch, um die Marke im internationalen Kontext zu schützen.“

    Ob Speich mit seinen Forderungen durchdringt, wird sich schon in den nächsten Wochen zeigen. Ende September kommt der Arbeitskreis Aktienindizes zusammen, um über eine Reform des Dax sowie der Nebenwerteindizes MDax, TecDax und SDax zu beraten. Ab Anfang Oktober sollen Marktteilnehmer dann zu den Vorschlägen Stellung nehmen.

    Lesen Sie hier das ganze Interview:

    Herr Speich, die Deutsche Börse überarbeitet ihre Regeln für den Dax – und will dabei auch die Konsequenzen aus dem Wirecard-Skandal ziehen. Was ist aus Ihrer Sicht zu tun?
    Ein Skandal wie bei Wirecard konnte nur passieren, weil die Kontrollsysteme innerhalb des Unternehmens mangelhaft waren. Die Deutsche Börse sollte bei der Aufnahme in den Dax deshalb künftig Governance-Themen, also die Prinzipien guter Unternehmensführung, berücksichtigen. Es ist nicht mehr zeitgemäß, wie bisher nur zwei Kennzahlen zu betrachten – die Marktkapitalisierung und den Börsenumsatz.

    Welche Governance-Kriterien sollte ein Dax-Konzern erfüllen müssen?
    Es muss ein Prüfungsausschuss vorhanden sein sowie ein Compliance-Management-System, das von einem Wirtschaftsprüfer abgenommen wurde. Darüber hinaus sollten geprüfte Zwischenberichte sowie ein uneingeschränktes Testat des Jahresabschlusses fristgerecht vorliegen. Dabei handelt es sich um objektiv messbare Kriterien, die von außen nachvollziehbar sind und keiner Bewertung durch die Deutsche Börse bedürfen.

    Was soll passieren, wenn ein Dax-Konzern eines der Kriterien nicht mehr erfüllt?
    Dann sollte das Unternehmen schnellstmöglich aus dem Leitindex ausscheiden. Es ist besser, wenn man früh reagiert und einen Konzern bei Verstößen direkt aus dem Dax ausschließt. Bei Wirecard wurde erst reagiert, als das Kind schon in den Brunnen gefallen und ein Schaden für die Aktionäre entstanden war.

    Sollte die Einhaltung des Deutschen Corporate Governance Kodex eine Voraussetzung für eine Dax-Mitgliedschaft sein?
    Man sollte den Kodex stärker berücksichtigen und Dax-Konzernen vorschreiben, dass sie zentrale Vorgaben erfüllen müssen. Wenn es kleinere Abweichungen gibt, die beispielsweise auf Besonderheiten einer Branche zurückzuführen sind, wäre das aber akzeptabel.

    Müssen Dax-Unternehmen schwarze Zahlen schreiben?
    Ein Unternehmen sollte über einen Zeitraum – beispielsweise von drei Jahren – zumindest einmal einen Gewinn erzielt haben. Denn schwarze Zahlen sind letztlich ein Ausdruck für die Qualität eines Geschäftsmodells. Und in den Dax sollten nur starke Unternehmen aufgenommen werden – auch um die Marke im internationalen Kontext zu schützen.

    Wenn man diese Kriterien anlegt, wäre die Deutsche Bank nach mehreren Verlustjahren aus dem Dax geflogen und der Lieferdienst Delivery Hero gar nicht erst in den Leitindex eingezogen.
    Das ist korrekt. Es ist schwierig, eine Firma in den Dax aufzunehmen, die mehrere Jahre lang keinen Gewinn erwirtschaftet hat. Wachstumsunternehmen, die von einer Vision leben, die bisweilen vage ist, haben dort nichts verloren. Der Dax ist ein Leitindex für reife Unternehmen. Solche Wachstumsunternehmen sollen sich gerne über die Börse finanzieren, aber bitte in anderen Segmenten.

    Sollten Umwelt- und Sozialstandards bei der Dax-Mitgliedschaft eine Rolle spielen?
    Das ist überlegenswert, denn sie spielen in der Praxis eine Rolle. Aber es wird nicht einfach, weil diese Punkte schwieriger zu messen und zu bewerten sind als die Einhaltung von Governance-Standards. Bei einem Unternehmen wie RWE liegt unser Fokus beispielsweise auf dem Thema CO2-Ausstoß, bei SAP eher auf dem Umgang mit den Mitarbeitern. Grundsätzlich sollte es aber möglich sein, Klimakennzahlen abhängig vom Geschäftsmodell zu entwickeln, die Unternehmen einhalten sollen.

    Im Rahmen der Dax-Reform wird auch über Transparenzvorschriften diskutiert. Die Allianz hat im Februar angeregt, künftig im ersten und dritten Quartal auf Quartalsabschlüsse zu verzichten. Was halten Sie davon?
    Das wäre ein falsches Signal. Gerade in Zeiten von Corona würde ohne Quartalszahlen noch mehr Unsicherheit darüber herrschen, wie sich Unternehmen entwickeln. Bei der letzten Reform gab es bereits deutliche Erleichterungen für die Unternehmen. Wenn es noch weniger Informationen gäbe, dann würden die Ausschläge an den Märkten größer – das kann niemand wollen.

    Was halten Sie von der Anregung von Börsen-Chef Theodor Weimer, den Dax zu erweitern? Manche haben die Hoffnung, dass jüngere Unternehmen dem Dinosaurier-Index dann etwas mehr Leben einhauchen.
    Es ist zweitrangig, ob im Dax 30, 40 oder 50 Unternehmen vertreten sind. Aber es wäre sicherlich sinnvoll, über die Zusammensetzung nachzudenken. Aktuell repräsentiert der Index sehr stark die alte Deutschland AG. Zudem gibt es Klumpenrisiken, weil beispielsweise viele Unternehmen aus dem Automobilsektor vertreten sind. Mit einer inhaltlich breiteren Aufstellung bestünde auch die Chance, den Index stabiler zu machen – seit der Gründung des Dax vor mehr als drei Jahrzehnten hat sich der Kapitalmarkt schließlich auch weiterentwickelt.

    Herr Speich, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Bankenpräsident Peters zum Wirecard-Skandal: „Die Hauptverantwortung tragen die Wirtschaftsprüfer“

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