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Interview mit Oliver Behrens Europachef von Morgan Stanley: „Wir erwarten mehr grenzüberschreitende Deals“

Das Geschäft mit Aktien, Anleihen und Firmenübernahmen boomt. Oliver Behrens, der Europachef von Morgan Stanley, glaubt, dass es noch besser wird.
28.05.2021 - 16:00 Uhr Kommentieren
In dem Gebäude befindet sich der Sitz von Morgan Stanley in Deutschland. Quelle: © metropol IMAGES / Alexander Eilender
Omniturm in Frankfurt

In dem Gebäude befindet sich der Sitz von Morgan Stanley in Deutschland.

(Foto: © metropol IMAGES / Alexander Eilender)

Frankfurt Oliver Behrens bringt mittlerweile 35 Jahre Bankerfahrung mit, er hat den Aktienboom am Neuen Markt um die Jahrtausendwende ebenso hautnah miterlebt wie die Finanzkrise 2008 nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers.

Die Funktion des CEO der Morgan Stanley Europe SE ist der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere, hier läuft das Geschäft der EU27-Länder zusammen. Nach seiner Banklehre und ersten Führungsaufgaben bei der Deutschen Bank war der 57-jährige Manager im Vorstand des öffentlich-rechtlichen Vermögensverwalters Dekabank tätig.

Behrens führt das Gespräch mit dem Handelsblatt aus dem Frankfurter Omniturm, wo die Bank mehrere Etagen angemietet hat. Der Wolkenkratzer gehört zu den neueren Hochhäusern und bietet Platz für demnächst fast 400 Mitarbeiter der US-Großbank in der Mainmetropole.

Er zeichnet ein rosiges Bild vom Investmentbanking. Tatsächlich boomt der Markt für Fusionen und Übernahmen (M&A), in dem Morgan Stanley eine führende Rolle in der Beratung spielt, wie zuletzt auch beim milliardenschweren Zusammenschluss der Immobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen.

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    Auch im Aktiengeschäft und bei den Anleiheemissionen verdienen die Investmentbanken gutes Geld, beim Hype um die Börsenmäntel (Spacs) mahnt Behrens zur Vorsicht, hier trenne sich die Spreu vom Weizen.

    Lesen Sie hier das komplette Interview:

    Herr Behrens, die Kursschwankungen an den Märkten werden heftiger. Das mag gut für den Handel sein, aber die ersten Börsenkandidaten mussten ihre Platzierungen absagen. Andere hatten Probleme, ihre Aktien zu einem attraktiven Preis an die Börse zu bringen. Stark schwankende Bewertungen würden auch den M&A-Markt bremsen, oder?
    In der Tat erschwert eine hohe Volatilität den Gang aufs Börsenparkett, daher achten Investoren jetzt umso mehr auf sinnvolle Bewertungen und nachhaltige Geschäftsmodelle bei den Börsenaspiranten. Auf dem M&A-Markt ergeben sich im aktuellen Marktumfeld aber durchaus auch interessante Optionen.

    Aber macht nicht die Unsicherheit der Investoren die Hoffnung der Investmentbanker auf das „Jahr der Megadeals“ zunichte? So viele Transaktionen im zweistelligen Milliardenbereich haben wir jetzt nicht gesehen.
    In diesem Jahr waren tatsächlich nur wenige große M&A-Deals dabei, aber wie Sie jetzt mit Vonovia und Deutsche Wohnen bereits gesehen haben, sind große Deals auch im derzeitigen Umfeld durchaus möglich.

    Der Europa-Chef von Morgan Stanley sieht eine massive Ausweitung des Anleihemarkts in Europa.
    Oliver Behrens

    Der Europa-Chef von Morgan Stanley sieht eine massive Ausweitung des Anleihemarkts in Europa.

    Sind Sie bei den mittelgroßen Deals zuversichtlicher?
    Hier gilt, dass wir einen stetigen Strom an Transaktionen sehen werden. Wir erwarten mehr grenzüberschreitende Deals, dazu eine Art „Gartenpflege“, bei der Konzerne hier und da von ihrem Portfolio etwas zurückschneiden und hinzufügen. Bei Morgan Stanley gehen wir insgesamt von einer deutlichen Ausweitung des Geschäfts aus. Die Schlagzahl ist hoch. Wir haben die Mitarbeiterzahl in Frankfurt verdoppelt und sind jetzt knapp 400 Beschäftigte hier.

    Insgesamt gesehen boomt das Geschäft der Investmentbanken seit Ausbruch der Coronakrise. Kann das noch lange so weitergehen?
    Ich denke, dass sich die positive Dynamik sogar noch verstärken wird. Im Aktienhandel sehen wir gerade eine Sektor-Rotation von Technologieaktien in Substanzwerte aus der Industrie, das generiert hohe Handelsumsätze. Die Frage war zuletzt, hält die Infrastruktur diese hohen Umsätze aus? Und zum Glück können wir sagen, dass das der Fall war.

    Wird denn die Sektor-Rotation weg von Technologie- hin zu Substanzwerten geordnet ablaufen, oder sind die jüngsten Kursschwankungen der Vorbote von heftigeren Turbulenzen?
    Wie bei den Übertreibungen am Neuen Markt um die Jahrhundertwende kann man auch jetzt nicht ausschließen, dass die Investoren die Situation plötzlich völlig neu bewerten und es zu einem abrupten Stimmungsumschwung kommt. Ich erwarte keinen Crash, aber die Neuorientierung an den Märkten kann durchaus deutlich ausfallen, besonders dann, wenn sie überraschend kommt.

    Wir müssen uns also auf unruhigere Zeiten einstellen?
    Ja, es kann immer wieder zu Korrekturen kommen. Wir hatten ja bereits scharfe Einbrüche im vergangenen Herbst und in diesem Frühjahr. Das waren zuletzt 15 bis 20 Prozent. Solche Schwächephasen wurden aber immer wieder ausgebügelt.

    Kühlen sich andere Bereiche des Kapitalmarktgeschäfts ab, Anleihen zum Beispiel?
    Nein, das glaube ich nicht. Im Fixed-Income-Bereich – also dem Handel und der Ausgabe von Zinspapieren – stehen wir vor einer Emissionswelle. Auf europäischer Ebene wird es nach der Pandemie Emissionen von geschätzt 1000 Milliarden Euro geben, um die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen, das ist beispiellos. Der Finanzmarkt in Europa wird auf der Anleiheseite massiv ausgeweitet werden.

    Werden denn die Bewertungen durch die Liquiditätsschwemme der Notenbanken nicht systematisch verzerrt?
    Durch die lockere Geldpolitik erleben wir natürlich eine klare Asset-Inflation, das stimmt. Diese Bewegung hat quasi alle Märkte erreicht, in die man investieren kann, von Immobilien bis hin zu Oldtimern und Rotwein.

    Zusätzlich kompliziert wird die Lage durch die wachsende Angst vor steigenden Teuerungsraten. Für wie real halten Sie die Inflationsgefahr?
    Ich sehe nicht das Risiko einer nachhaltigen, deutlichen Inflationswelle. Im Moment sehen wir Preisschübe aufgrund von Verknappungen durch die Einschränkungen während der Pandemie. Aber langfristig kann sich die Welt gar keine hohen Zinsen leisten wegen der Verschuldung auf Rekordhöhe. Bei einigen europäischen Ländern ist die Verschuldung inzwischen bei 150 bis 200 Prozent des Bruttosozialprodukts angekommen.

    Wenn jetzt die Öffnungen nach dem Corona-Lockdown kommen, besteht dann nicht die Gefahr, dass die Übertreibungen noch zunehmen? Wir sehen das ja schon beim Hype um das Geschäft mit Börsenmänteln, den sogenannten Spacs. Bei denen die Investoren nach einem Börsengang erst einmal eine leere Hülle kaufen, die erst später durch die Fusion mit einem anderen Unternehmen gefüllt wird.
    Man sollte Spacs nicht verteufeln. Die Börsenmäntel können durchaus ein sinnvolles Instrument sein, um jungen Technologieunternehmen schneller an die Börse zu helfen. Aber es stimmt, man muss genau hinschauen, welche Sponsoren hinter einem Spac stehen, ob das Geschäftsmodell nachhaltig ist, oder ob jemand versucht, das schnelle Geld zu machen.

    Die Börsenmäntel erlebten vor etwa zehn Jahren bereits einmal einen allerdings sehr kurzlebigen Boom. Damals reichten einige wenige schlechte Deals, um das gesamte Instrument in Misskredit zu bringen. Könnte sich diese Geschichte jetzt wiederholen?
    Das kann ich nicht vorhersagen. Es wird sich aber sicher die Spreu vom Weizen trennen. Wir bei Morgan Stanley nehmen jedenfalls nicht jedes Mandat an, denn wir wollen von einer Transaktion selbst überzeugt sein.

    Haben Sie schon Mandate abgelehnt?
    Ja. Wir schulden dem Kunden immer eine ehrliche Antwort.

    Herr Behrens, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: „Eklatantes Missverhältnis zwischen Boni und Dividende“: Investoren kritisieren Vergütung bei Deutscher Bank

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