Jörg Frischholz: Der neue NordLB-Chef muss beweisen, dass die Bank nachhaltig Geld verdient
Der neue NordLB-Chef will verstärkt erneuerbare Energien finanzieren.
Foto: Ostdeutscher BankenvereinFrankfurt. Einen besseren Einstand hätte Jörg Frischholz sich nicht wünschen können. Nach drei Verlustjahren und einer Milliardenrettung schreibt die NordLB wieder schwarze Zahlen – die Frischholz als neuer NordLB-Chef am Donnerstag präsentierte. 16 Millionen Euro betrug das Vorsteuerergebnis 2021.
Der 45-Jährige, der zuvor 26 Jahre lang für private Geldhäuser gearbeitet hat, steht seit Jahresbeginn an der Spitze der Norddeutschen Landesbank. Die positive Entwicklung sei kein „Window-Dressing“, also keine Bilanzkosmetik, für den neuen Chef, betonte Frischholz.
Den Start einfacher machen positive Nachrichten aber schon. Schließlich ist die NordLB nicht irgendeine Bank. Vor drei Jahren war die Hannoveraner Landesbank wegen problematischer Schiffskredite 2019 in die Schieflage geraten. Anteilseigner wie die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie die Sparkassen-Finanzgruppe schnürten ein 3,6 Milliarden Euro schweres Rettungspaket, das Ende 2019 von der EU-Kommission abgesegnet wurde.
Die Bank steckt noch immer im Umbau. Denn parallel wurde ein Verschlankungsprogramm verabschiedet. Die Bilanzsumme ist inzwischen auf rund 115 Milliarden Euro geschrumpft. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter soll von einst 6000 auf 2800 bis 3000 in zwei Jahren sinken. Derzeit sind es knapp 4400 Beschäftigte.
2022 soll der Gewinn höher ausfallen
Mit den früheren Problemportfolio aus Schiffskrediten muss Frischholz sich nun nicht mehr herumschlagen. Das Volumen ist von einst 20 Milliarden Euro auf 700 Millionen Euro gesunken, die verbleibenden Kredite abgesichert. „Wir haben de facto kein Schiffsexposure mehr“, sagte Frischholz.
Das heißt aber noch nicht, dass die Landesbank nun automatisch Geld verdient. Für den NordLB-Chef geht es nun vor allem darum, dass die NordLB tatsächlich nachhaltig profitabel wird. Man wolle mit hoher Disziplin weiter an Transformationsprogramm arbeiten, sagte Frischholz.
Frischholz sei Teamspieler, der aber fordere, sagt einer, der ihn gut kennt. Auch angesichts seines Alters könne Frischholz bei der NordLB „Aufbruchsstimmung“ verbreiten. Bei einem erfolgreichen Umbau könnte er sich auch für andere Aufgaben in der deutschen Bankenbranche empfehlen.
Für dieses Jahr rechnet Frischholz ebenfalls mit einem Gewinn, der sogar deutlich über dem Ergebnis 2021 liegen soll - auch wenn die Folgen von Russlands Krieg gegen die Ukraine die konkrete Prognose erschwere. Das Ziel sei es, die NordLB zu einer „sehr profitablen Landesbank“ zu machen.
Unter anderem will die NordLB verstärkt erneuerbare Energien finanzieren. Bank sieht sich selbst als einen der führenden Geldgeber in diesem Bereich. Dabei ist der deutsche Bankenmarkt nach wie vor schwer umkämpft – sowohl mit Blick auf Projektfinanzierung als auch im klassischen Firmenkundengeschäft.
Frischholz‘ Wechsel hat viele überrascht
Dass Frischholz überhaupt in das NordLB-Führungsgremium gewechselt ist, galt als Überraschung. Im Juni vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die NordLB-Eigentümer – der Großteil gehört dem Land Niedersachsen und seit der Stützungsaktion den bundesweiten Sparkassen – Frischholz als neuen Bankchef holen. Frischholz war erst 2020 in den Vorstand der Hypo-Vereinsbank aufgestiegen und dort für das Geschäft mit Privatkunden zuständig.
Er sei eine „starke Führungspersönlichkeit mit einer klaren Erfolgsgeschichte innerhalb der Hypo-Vereinsbank“, lobte HVB-Vorstandssprecher Michael Diederich Frischholz im April 2020, als dieser in den Vorstand aufrückte.
Insgesamt arbeitete Frischholz, der Betriebswirtschaftslehre in Essen und im niederländischen Vlissingen studiert hat, 26 Jahre für private Banken – erst für die Dresdner Bank und die Commerzbank. 2015 wechselte er zur HVB, die zur italienischen Großbank Unicredit gehört.
Für die NordLB markiert der Gewinn 2021 zwar eine Wende. Doch die drei anderen großen Landesbanken, die enorm viel mehr verdienten, hinkt sie noch weit hinterher. Die größte Landesbank, die Stuttgarter LBBW, fuhr ein Vorsteuerergebnis von 817 Millionen Euro ein. Mehr hatte sie zuletzt vor Ausbruch der Finanzkrise verdient.
Die BayernLB verdiente 816 Millionen Euro vor Steuern. 45 Prozent des Gewinns stammten von ihrer Onlinetochter DKB. Der Vorsteuergewinn der Frankfurter Helaba betrug 569 Millionen Euro.