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Kreditwürdigkeit Ratingagentur S&P stuft Sparkassensektor und Genossenschaftsbanken herab

Zahlreiche deutsche Geldhäuser haben aus Sicht von S&P an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Ein Grund dafür ist die schleppende Digitalisierung.
25.06.2021 Update: 25.06.2021 - 15:57 Uhr Kommentieren
Die Geldhäuser haben im europaweiten Stresstest aus Sicht der Finanzaufsicht im Großen und Ganzen gut abgeschnitten. Quelle: dpa
Banken in Frankfurt

Die Geldhäuser haben im europaweiten Stresstest aus Sicht der Finanzaufsicht im Großen und Ganzen gut abgeschnitten.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Ratingagentur S&P geht mit den deutschen Banken hart ins Gericht. Sie hat die Bonitätsnoten zahlreicher Institute heruntergestuft – und dies mit einer anhaltend schwachen Profitabilität, dem umkämpften deutschen Markt und langsamen Fortschritten bei der Digitalisierung begründet.

„Die Corona-Pandemie hat die Herausforderungen für den deutschen Bankensektor verschärft und die Institute im Vergleich zu globalen Wettbewerbern weniger wettbewerbsfähig gemacht“, erklärte S&P. Ein schwächeres Rating bedeutet in der Regel, dass die Kreditaufnahme für die Institute teurer wird.

Von der Herabstufung betroffen sind vor allem der genossenschaftliche und der öffentlich-rechtliche Bankensektor, zu dem unter anderem die Dekabank und die Helaba zählen. Auch bei der Deutschen Pfandbriefbank und der Volkswagen Bank stufte S&P das langfristige Rating jeweils um eine Note zurück.

Gleichzeitig bestätigten die Experten die Noten von Commerzbank und Hypo-Vereinsbank. Beide haben aber weiter einen negativen Ausblick – ihnen droht somit eine Herabstufung. Den Ausblick für die Hamburg Commercial Bank, die ehemalige HSH Nordbank und die Santander Consumer Bank hob S&P dagegen an. Die Deutsche Bank war von der Aktion nicht betroffen.

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    Angesichts der stabilen deutschen Wirtschaft werde die Kapitalausstattung der Banken robust und die Zahl der Kreditausfälle verkraftbar bleiben, erklärte S&P. Da die Zinsen infolge der Pandemie noch länger niedrig bleiben, steige der Druck auf die Institute aber weiter.

    Im vergangenen Jahr lag die durchschnittliche Eigenkapitalrendite des deutschen Bankensektors laut S&P bei zwei Prozent. Für dieses Jahr sowie 2022 und 2023 rechnet die Ratingagentur lediglich mit einem Anstieg auf drei bis vier Prozent. Die Mehrheit der deutschen Banken würde damit weiterhin ihre Kapitalkosten nicht verdienen.

    S&P sieht dezentrale Struktur als Nachteil

    „Deutsche Banken agieren in einem sehr wettbewerbsintensiven Markt, in dem es strukturell zu viele Banken gibt und in dem die Gewinnmargen gering sind“, schrieb S&P. Die Bemühungen der Geldhäuser, ihre Einnahmen zu diversifizieren und die Kosten zu senken, seien nicht ausreichend, um mit Instituten aus anderen Ländern mitzuhalten.

    „Hinzu kommt, dass die Pandemie den Trend zu digitalen Bankangeboten verstärkt hat – ein Bereich, in dem die deutschen Banken aus unserer Sicht der Konkurrenz hinterherhinken“, erklärte S&P.

    Das treffe auch auf Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken zu, die gemessen an den Einlagen einen Marktanteil von über 50 Prozent haben. „Bei großen Filialnetzen und einer dezentralen Struktur dauert es länger, neue Technologien auszurollen, und es ist schwieriger, tief greifende Kostensenkungen durchzuziehen.“

    Aus Sicht mancher Experten ist die Herabstufung des öffentlich-rechtlichen und des genossenschaftlichen Finanzsektors angesichts der schwierigen Rahmenbedingen überfällig. Die betroffenen Institute äußerten sich dagegen am Freitag gelassen.

    „Die genossenschaftliche Finanzgruppe ist mit einem S&P-Rating von 'A+' bei stabilem Ausblick unverändert die bestgeratete private Bankengruppe in Deutschland“, erklärte der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). Die von S&P angesprochene Herausforderung des digitalen Wandels sei ein Thema, dem sich die Finanzgruppe bereits in mehreren Strategieprojekten stelle.

    Banken sehen Herabstufung gelassen

    Die Helaba erklärte, ihre neue Bonitätsnote von „A-“ sei im deutschen Bankenmarkt ein unverändert gutes Rating. S&P habe seine grundsätzliche Einschätzung für den deutschen Bankenmarkt nach unten korrigiert, was sich automatisch auf die Ratings der Sparkassenfinanzgruppe Hessen-Thüringen und der Helaba auswirke. „Die Helaba sieht sich davon unabhängig mit ihrer strategischen Agenda und dem damit verbundenen laufenden Transformationsprozess zukunftssicher aufgestellt.“

    Auch die Deka könne sich dieser Gesamt-Herabstufung des Sektors nicht entziehen, erklärte der Sparkassen-Fondsanbieter. Als positiv wertete sie, dass S&P die Einschätzung der eigenen Finanzkraft des Fondshauses unverändert gelassen habe. „Das tragfähige Geschäftsmodell und die starken Kapitalquoten der Dekabank können strukturelle Schwächen des Bankenmarkts ausgleichen.“

    Ein Sprecher der Pfandbriefbank erklärte, die Herabstufung sei mehr eine technische Veränderung, da S&P das Branchenrisiko höher bewerte. „Die Kritikpunkte von S&P am deutschen Bankensektor treffen auf die pbb mit ihrem Geschäftsmodell nur sehr bedingt zu.“

    Mit Material von Reuters

    Mehr: US-Banken-Stresstests: Die Fed macht den Weg für höhere Dividenden frei

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