M&A-Markt: Flaute hält an: Schwierige Finanzierung belastet Geschäft mit Fusionen und Übernahmen
Die traditionell stark mit Fremdkapital arbeitenden Private-Equity-Investoren haben derzeit kaum Geld für Unternehmenskäufe.
Foto: ReutersFrankfurt. Der Abschwung im Markt für Fusionen und Übernahmen (M&A) hat sich im dritten Quartal dieses Jahres fortgesetzt. Verwerfungen am Kapitalmarkt, Rezessionsängste und steigende Zinsen haben das Volumen und auch die Zahl der Deals im bisherigen Jahresverlauf deutlich verringert.
Nach Daten des Wirtschaftsdienstes Refinitiv wurden in Deutschland in den ersten neun Monaten nur noch Transaktionen mit einem Volumen von zusammen knapp 98 Milliarden Dollar angekündigt, das waren 44 Prozent weniger als in der Vergleichszeit des Vorjahres. Erstmals seit 2017 wurde damit in den ersten drei Quartalen die Marke von 100 Milliarden Dollar nicht überschritten. Die Zahl der Deals fiel von Januar bis September um 22 Prozent.
Ein wesentlicher Grund für die Flaute war das Fehlen von Bankkrediten zur Finanzierung der Deals. Die traditionell stark mit Fremdkapital arbeitenden Private-Equity-Investoren hatten somit schlicht kein Geld für Unternehmenskäufe.
Die Beteiligungsfonds sind wesentliche Spieler im M&A-Geschäft. Eine Finanzierung mit Eigenkapital oder Geld von teureren Kreditfonds hätte die Transaktionen oftmals unrentabel gemacht.
Auch Konzerne mit Investmentgrade-Rating – die weiterhin problemlos Kapital aufnehmen können – hielten sich angesichts von Ukrainekrieg, Energiekrise, Inflation und Lieferkettenthemen ebenfalls mit größeren Deals zurück.
Zu den in den vergangenen drei Monaten angekündigten größeren Transaktionen gehörten ausnahmslos von langer Hand geplante Vorhaben, wie etwa der 17,5 Milliarden Euro schwere Verkauf der Telekom-Tochter Deutsche Funkturm, die Komplettübernahme von Siemens Gamesa durch Siemens Energy oder der Kauf des Chemiegeschäfts von DSM durch Lanxess und den Finanzinvestor Advent.
Ausnahme ist die staatliche Rettungsaktion für den Gashändler Uniper, die allerdings kein klassischer M&A-Deal ist. Auch bei den Börsengängen hielt die Flaute an; die Ankündigung der Porsche-Transaktion ist in den Refinitiv-Zahlen nicht berücksichtigt, wird aber die Statistik nachträglich besser ausfallen lassen.
Wirtschaftlich besseres Umfeld in den USA
Eine Renaissance erwarten viele Investmentbanker in den kommenden Monaten bei den transatlantischen Deals, so auch Sven Baumann von Barclays. „China hat an Attraktivität verloren. Deutsche Unternehmen schauen derzeit bei Akquisitionen vor allem Richtung USA. Die US-Firmen sind zwar relativ teuer, aber auch attraktiv, nicht zuletzt da das wirtschaftliche Umfeld dort aktuell besser ist als das in Europa“, erläutert der Bankmanager.
Umgekehrt sondierten US-Firmen auch intensiv den deutschen Markt. Sie profitierten dabei vom Wechselkurs. Das Thema Energie und Erdgas wirke allerdings als Hemmschuh. Jan Kupfer, Firmenkundenvorstand der Hypo-Vereinsbank, sieht noch keine Welle von Rettungs-M&A-Deals für den Mittelstand. Das Wirtschaftsministerium habe Energiezuschüsse angekündigt, und die KfW stehe mit Sonderprogrammen bereit. Dennoch könne es vereinzelt zu Schieflagen kommen und damit zu entsprechenden Transaktionen.
Christian Zuleger, Partner bei der Kanzlei Sidley Austin, meint, dass die Finanzinvestoren trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sehr aktiv seien. Das gelte vor allem für Transaktionen zwischen 300 Millionen und einer Milliarde Euro. „Die Fonds der Private-Equity-Häuser werden größer, der Anlagedruck steigt. Vielleicht sehen wir schon im Herbst größere Deals mit Beteiligung der Finanzinvestoren“, sagt Zuleger. Auch Mittelständler strafften jetzt ihre Strukturen. Verkäufe von Geschäftsbereichen seien nicht mehr nur ein Thema für börsennotierte Konglomerate.
Hinzu komme, dass die Private-Equity-Fonds und andere Finanzinvestoren immer noch Rekordvolumina für M&A-Aktivitäten zur Verfügung hätten, die noch nicht investiert seien, erläutert Martin Ulbrich, Partner bei der Kanzlei Hengeler Mueller. Im Fokus der Investoren stünden traditionell krisenfeste Geschäftsmodelle mit vorhersehbaren Gewinnen, etwa aus dem Gesundheits-, Infrastruktur-, Bildungs-, Bau- und Lebensmittelsektor.