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Neobroker Trade-Republic-Mitgründer Christian Hecker: „Der einzig wahre Konkurrent ist das Sparschwein“

Der Trade-Republic-Konkurrent Scalable Capital ist zum Einhorn aufgestiegen. Trade-Republic-Mitgründer Christian Hecker erklärt, warum er gelassen auf den Wettbewerber blickt.
10.06.2021 - 08:20 Uhr Kommentieren
Trade Republic will europaweit expandieren. Quelle: Trade-Republic
Christian Hecker

Trade Republic will europaweit expandieren.

(Foto: Trade-Republic)

Düsseldorf Hierzulande jagt eine große Finanzierungsrunde die nächste. Häufig sind es junge Finanztechnologiefirmen, die hohe Summen von Investoren erhalten: Ende Mai sammelte der Berliner Neobroker Trade Republic 900 Millionen Dollar (740 Millionen Euro) ein und ist mit einer Bewertung von fünf Milliarden Dollar Deutschlands wertvollstes Fintech.

Diese Woche hat nun der Konkurrent Scalable Capital 180 Millionen Dollar bekommen und ist damit zum Einhorn aufgestiegen. So werden Start-ups mit einer Bewertung über einer Milliarde Dollar genannt. Der Münchener Neobroker und digitale Vermögensverwalter wird nach der jüngsten Finanzierungsrunde mit 1,4 Milliarden Dollar bewertet.

Auf den Wettbewerber blickt Trade-Republic-Mitgründer Christian Hecker allerdings gelassen: „Der einzig wahre Konkurrent ist das Sparschwein“, sagte er am Mittwoch im Podcast Handelsblatt Today.

Zwar haben viele Menschen im Jahr der Corona-Pandemie ihr Interesse für die Börse entdeckt. Etwa die Hälfte der über eine Million Trade-Republic-Kunden hat davor noch nie am Kapitalmarkt investiert. Doch ein Großteil der Bundesbürger macht das auch weiterhin nicht: Dem Deutschen Aktieninstitut zufolge ist die Zahl der Menschen, die in Aktien oder Aktienfonds investieren, 2020 auf 12,4 Millionen gestiegen.

Das sind weiterhin nur 17,5 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahren. „Wenn sich das ändert, ist Platz für fünf bis acht große Spieler im Brokerage-Markt in Europa“, ist Hecker überzeugt.

Einfachheit ist klarer Fokus

Neobroker wie Trade Republic haben eine Umwälzung im Wertpapiergeschäft mit Privatkunden eingeleitet. Mit seiner intuitiven Smartphone-App erleichtert Trade Republic vielen Menschen den Zugang zur Börse. „Die Leute schätzen die Einfachheit. Da haben wir einen ganz klaren Fokus vor Augen“, sagt Hecker auch in Abgrenzung zu etablierten Online-Brokern wie Flatex, die mittlerweile auch mit einer einfach gehaltenen App um neue Kunden buhlen.

Auch im Vergleich zu anderen Neobrokern sieht Hecker bei dem 2015 gestarteten Unternehmen klare Vorteile: „Wir haben in einem Berliner Hinterhof die gesamte IT-Infrastruktur selbst aufgebaut und uns um eine Banklizenz beworben. Anders als eigentlich jeder unserer Konkurrenten im Start-up-Bereich sind wir nicht abhängig von einer Drittbank.“ Bei Trade Republic bekomme man wahre Innovation und nicht einen frischen Anstrich für ein etabliertes Angebot.

Expansion nach Spanien und Italien steht auf der Agenda

Das Geld aus der Finanzierungsrunde will Trade Republic sowohl in den Ausbau der Produktpalette als auch in die Auslandsexpansion stecken. Hecker hat dabei zunächst Märkte wie Spanien und Italien im Blick, will aber auch in anderen Ländern der Euro-Zone nach und nach starten. „In fünf Jahren soll Trade Republic in ganz Europa vertreten sein und die erste Anlaufstelle sein, wenn es darum geht, einen Teil des Gehalts jeden Monat zu sparen und am Kapitalmarkt zu investieren“, sagt Hecker.

Dem Trade-Republic-Mitgründer geht es vor allem darum, eine „echte Alternative für die Altersvorsorge aufzubauen“. Etwa 80 Prozent der Kunden haben einen regelmäßigen Sparplan angelegt. Weniger als fünf Prozent der Kunden handeln mit Derivaten.

Hier sieht Hecker auch einen Unterschied zur US-Trading-App Robinhood, die Vorbild auch für die Neobroker hierzulande ist und derzeit ihren Börsengang vorbereitet. Viele Amerikaner investieren schon über ihren Arbeitgeber langfristig am Kapitalmarkt. Smartphone-Apps wie Robinhood werden daher von manchen Anlegern Hecker zufolge zum Zocken genutzt. Sie seien als eine Art Hobby anzusehen.

Mit Trade Republic handeln Nutzer ausschließlich über ihr Smartphone. Quelle: dpa
App von Trade Republic

Mit Trade Republic handeln Nutzer ausschließlich über ihr Smartphone.

(Foto: dpa)

Aktienanleger in Europa hätten andere Sorgen. Hier gehe es vor allem um einen Vermögensaufbau. In diesem Markt wolle sich Trade Republic positionieren. Das drückt sich beispielsweise auch darin aus, dass Anleger für jede Transaktion eine Fremdkostenpauschale von einem Euro bezahlen. Bei Sparplänen fallen jedoch gar keine Gebühren an.

Kryptowährungen etablieren sich als Anlageklasse

Langfristig denkt Hecker auch beim Thema Kryptowährungen. Diese können seit Kurzem über Trade Republic gehandelt werden: „Nach den ersten Wochen zeigt sich auch hier, dass die Anleger nicht blind zocken, sondern wissen, wie sie ihr Geld anlegen.“

Kurzfristige starke Kursschwankungen wie etwa zuletzt beim Bitcoin hat Hecker nicht im Blick. Stattdessen ist er überzeugt, dass sich Kryptowährungen langfristig als Anlageklasse etablieren, auch weil immer mehr institutionelle Investoren in den Markt gehen. Die Regulierungsbestrebungen auf allen Kontinenten zeigen Heckers Ansicht nach ebenfalls, dass Kryptowährungen zunehmend an Ansehen gewinnen.

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Die Neobroker selbst müssen dagegen hin und wieder noch um ihr Ansehen kämpfen. So will die EU-Kommission das Geschäftsmodell genauer unter die Lupe nehmen und prüfen, ob es einen möglichen Interessenkonflikt beim sogenannten Payment-for-Orderflow gibt. Denn viele Neobroker können den günstigen Aktienhandel auch deshalb anbieten, weil sie für die Weiterleitung der Kundenaufträge an bestimmte Handelspartner Rückvergütungen erhalten. Immer wieder wird in dem Zusammenhang angezweifelt, ob Kunden dadurch überhaupt den bestmöglichen Preis bekommen.

Hecker beobachtet diese Diskussion jedoch entspannt: „Wenn man die Rückvergütungen abschafft, wird es für den Endkunden bei vielen Brokern teurer werden.“ Trade Republic könne den günstigen Wertpapierhandel aber nicht nur wegen der Rückvergütungen anbieten, sondern vor allem weil die Infrastruktur so innovativ und effizient sei. Deshalb könnte man auch weiterhin das günstigste Angebot am Markt machen. Insgesamt müsse die Debatte aber mit weniger Emotionen geführt werden.

Mehr: Hören Sie hier Christian Hecker im Podcast Handelsblatt Today

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