Online-Zahlungsverkehr: Smart #1: Deutsche Bank wickelt Zahlungen für das neue Smartmodell ab
Wenn Kunden das Auto kaufen, wird dies technisch auch im stationären Handel über eine E-Commerce-Plattform abgewickelt – und damit über die Zahlungssysteme der Deutschen Bank.
Foto: BloombergFrankfurt. Für die Deutsche Bank ist es ein wichtiger Achtungserfolg in einem noch jungen Geschäftsfeld: Das Institut soll in Europa die Bezahlvorgänge für das neue Smartmodell „Smart #1“ abwickeln, dessen Vorbestellungsphase nun beginnt. Das teilte die Bank am Montag mit. Die Kooperation ist der erste sichtbare Erfolg der Deutschen Bank im hart umkämpften Markt für E-Commerce-Zahlungen.
Das Institut hat mit großer Verspätung das Geschäft mit Zahlungsabwicklungen im Onlinehandel entdeckt. Die meisten klassischen Onlinehändler arbeiten schon mit spezialisierten Zahlungsanbietern wie etwa Adyen zusammen. Die Bank hatte sich deshalb vor allem darum bemüht, große Unternehmen als Kunden zu gewinnen, die gerade erst in den Direktvertrieb ihrer Produkte einsteigen – und deshalb noch nicht mit einem der spezialisierten Zahlungsanbieter im Geschäft sind.
„Viele Unternehmen schaffen neue Vertriebswege“, sagte der Firmenkundenchef der Deutschen Bank, David Lynne, dem Handelsblatt. „Unternehmen werden zukünftig mehr direkt online verkaufen statt über den Großhandel. Und dafür braucht es gute Bezahllösungen.“
Smart ist dafür nun ein Beispiel: Die Automarke gehört seit Kurzem nicht mehr allein dem Automobilkonzern Daimler, sondern wurde in ein Gemeinschaftsunternehmen von Daimler und dem chinesischen Hersteller Geely eingebracht. Smart benötigte aus dem Grund ein neues Vertriebsmodell, da es nicht mehr auf die Vertriebsinfrastruktur des Daimler-Konzerns setzen will – und hat sich für den Direktvertrieb entschieden. Man wolle auf diese Art auch die eigenen Kunden direkt kennenlernen, sagte ein Sprecher von Smart Europe.
Den Smart #1 gibt es zwar auch bei Autohändlern. Aber technisch abgewickelt werden auch die Käufe im stationären Handel über die E-Commerce-Plattform, und damit über die Zahlungssysteme der Deutschen Bank. Das Institut stellt im Hintergrund sicher, dass das Geld richtig verteilt wird. Das Geldhaus wird für Smart die Zahlungen für den Verkauf in zehn europäischen Ländern und in den drei Währungen, Euro, Schweizer Franken und Pfund, übernehmen.
Wachsender Markt
Smart will auf seiner E-Commerce-Plattform neben dem neuen Smart, einem vollelektrischen SUV, auch Zubehör wie Wallbox-Heimladegeräte vertreiben. Auch die Zahlungen solcher Produkte von Drittanbietern auf der Plattform wird die Deutsche Bank abwickeln. Als Zahlungsarten sollen länderspezifisch Direktüberweisungen, manuelle Banküberweisungen und Kreditkarten möglich sein.
Die Deutsche Bank ist zuversichtlich, dass dieser Markt weiter wächst. „Der Direktvertrieb von Automobilherstellern wird in der Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen“, sagt Ole Matthiessen, Leiter Cash Management bei der Deutschen Bank. Gerade im Bereich Mobilität bestehe seitens der digitalen Marktplatzanbieter und Automobilhersteller ein enormer Bedarf an „innovativen“ Zahlungsverfahren. „Entsprechend groß ist das Potenzial für Banken“, so Matthiesen.