US-Banken: Goldman Sachs verpasst den Anleiheboom und verdient weniger
Anders als viele Konkurrenten hat die US-Investmentbank im ersten Quartal weniger verdient.
Foto: dpaFrankfurt. Die Interpretation der Quartalsergebnisse von Goldman Sachs und der Bank of America ließen sich am Dienstag klar am Börsenkurs ablesen. Weil Goldman vom Boom an den Anleihemärkten nicht profitieren konnte, und die Einnahmen in diesem wichtigen Geschäft in den ersten drei Monaten um 17 Prozent fielen, sackte der Aktienkurs zur Eröffnung an der Wall Street um knapp vier Prozent ab.
Bei der Bank of America dagegen sorgten die heftigen Kursschwankungen an den Bondmärkten wie bei den meisten anderen US-Banken für Hochbetrieb in den Handelssälen. Beim zweitgrößten US-Geldhaus stiegen die Einnahmen aus dem Anleihehandel im ersten Quartal um 30 Prozent. Die Folge: Im frühen US-Handel kletterte die Aktie um 0,7 Prozent.
Insgesamt ist der Gewinn von Goldman im Auftaktquartal auf 3,09 Milliarden Dollar zurückgegangen von 3,83 Milliarden Dollar vor Jahresfrist. Die konzernweiten Erträge fielen um fünf Prozent auf 12,2 Milliarden Dollar. Experten hatten mit höheren Einnahmen gerechnet.
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David Solomon, Chef von Amerikas führender Investmentbank, erklärte: „Die Ereignisse des ersten Quartals wirkten wie ein weiterer Stresstest aus dem realen Leben und zeigten die Resilienz von Goldman Sachs und der großen Finanzinstitute des Landes.“
Nicht nur im wichtigen Geschäft mit Anleihen, Devisen, Derivaten und Rohstoffen kämpfte Goldman mit Problemen. Auch in der Vermögensverwaltung und im klassischen Investmentbanking, zu dem die Betreuung von Firmen bei Börsengängen sowie Übernahmen und Fusionen zählen, herrschte wie im Vorquartal Flaute. Außerdem belastete ein 470 Millionen Dollar schwerer Verlust die Bilanz, der beim Verkauf eines Teils von Goldmans Portfolio an Verbraucherkrediten anfiel. Im Gegenzug löste die Bank Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle in fast gleicher Höhe auf.
Bei der Bank of America sah die Lage im ersten Quartal deutlich freundlicher aus. Das Geldhaus profitierte nicht nur vom Anleihehandel, sondern auch von den Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Der den Aktionären zurechenbare Gewinn stieg von Januar bis März im Vergleich zum Vorjahr um eine Milliarde auf 7,66 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Gewinn je Aktie von 94 Cent, während Analysten nur mit 82 Cent gerechnet hatten.
Auch die Gesamterträge von 26,3 Milliarden Dollar übertrafen die Erwartungen der Analysten, die mit 25,1 Milliarden Dollar gerechnet hatten. „Die steigenden Erträge spiegeln eine starke Verbesserung der Nettozinserträge gepaart mit einem unserer besten Quartale im Handelsgeschäft wider“, sagte Finanzvorstand Alastair Borthwick.
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Die Bank of America legte 931 Millionen Dollar für drohende Kreditausfälle beiseite. Auch andere großen US-Banken fürchten eine Eintrübung der Wirtschaft, weil die Fed an ihrem Zinserhöhungskurs noch länger festhalten will. Die US-Notenbank hat die Zinsen mittlerweile von nahe null auf eine Spanne zwischen 4,75 bis 5,00 Prozent erhöht, um die Inflation zu bekämpfen und den heiß gelaufenen Arbeitsmarkt abzukühlen.
Insgesamt haben die US-Banken die Turbulenzen am US-Bankenmarkt bislang gut überstanden und die Investoren mit einem kräftigen Gewinnplus überrascht. JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo, die ihre Quartalszahlen am vergangenen Freitag vorgelegt hatten, profitierten vor allem von dem robusten Geschäft mit Privatkunden und einem steigenden Zinsüberschuss. Im März hatte der Kollaps von drei US-Regionalbanken den gesamten US-Finanzmarkt erschüttert und rund um den Globus die Angst vor einer neuen Bankenkrise geschürt.