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Schädliche Geldgeschäfte Umweltschützer werfen der Deutschen Bank Scheinheiligkeit vor

Mit großem Nachdruck hat das Geldhaus eine Nachhaltigkeitsinitiative gestartet. Die Naturschützer von Urgewald sehen in der Strategie allerdings jede Menge Schlupflöcher.
18.05.2020 - 23:50 Uhr Kommentieren
Von hier aus soll Kohle aus der umstrittenen Carmichael-Kohlemine des indischen Konzerns Adani verschifft werden. Die Deutsche Bank hat eine Anleihe für Adani platziert. Sie rechtfertigt sich damit, dass der Erlös daraus nicht für die Kohlemine in Australien verwendet werden darf. Quelle: DAVID MAURICE SMITH/The New York/Redux/laif
Das Kohleterminal Abbot Point

Von hier aus soll Kohle aus der umstrittenen Carmichael-Kohlemine des indischen Konzerns Adani verschifft werden. Die Deutsche Bank hat eine Anleihe für Adani platziert. Sie rechtfertigt sich damit, dass der Erlös daraus nicht für die Kohlemine in Australien verwendet werden darf.

(Foto: DAVID MAURICE SMITH/The New York/Redux/laif)

Frankfurt So viel Pathos gönnt sich Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sonst selten. Aber wenn es um die neue Nachhaltigkeitsinitiative von Deutschlands größtem Geldhaus geht, da verkündet der Manager: „Aus tiefster Überzeugung“ wolle die Bank den globalen Wandel zu einer nachhaltigen, klimaneutralen und sozialen Wirtschaft unterstützen, so steht es in Sewings Rede zur Hauptversammlung am kommenden Mittwoch, die die Bank bereits vorab veröffentlicht hat.

Die Frankfurter versprechen, dass sie bis Ende 2025 das Volumen an Finanzierungen und Anlagen, die ökologisch und sozial verträglich sind und guter Unternehmensführung genügen (ESG), auf mehr als 200 Milliarden Euro steigern. Damit gibt sich die Bank erstmals messbare Ziele in Sachen Nachhaltigkeit.

Die Umweltschutzorganisation Urgewald hört zwar die Botschaft, doch ihr fehlt der Glaube daran. Urgewald-Aktivistin Regine Richter spricht von „Grüner PR“ und warnt, dass selbst die indirekte Förderung fossiler Energien durch Finanzierungsgeschäfte die Glaubwürdigkeit der Deutschen Bank unterminiere.

Urgewald wirft dem Geldhaus unter anderem vor, dass es seit Jahren Geschäfte mit einem der klimaschädlichsten Unternehmen überhaupt mache. Erst im August 2019 habe sich das Frankfurter Institut mit 132 Millionen Dollar an einem Kredit für den US-Ölriesen Exxon Mobile beteiligt, der gerade ein umstrittenes Ölbohrprojekt vor der Küste Guyanas vorantreibt. Zudem sei die Bank mit 681 Millionen Dollar europaweit der fünftgrößte Investor in Exxon-Aktien und -Anleihen. Urgewald moniert außerdem, dass die Bank 14 japanische Unternehmen finanziert, die an der Entwicklung von Kohlekraftwerken beteiligt sind.

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    Zu einzelnen Kundenbeziehungen könne man sich nicht äußern, heißt es bei der Deutschen Bank. Das Geldhaus hat vor gut drei Jahren seine Richtlinie für die umstrittene Finanzierung von Kohleprojekten überarbeitet. Die Folge: Die Deutsche Bank und ihre Tochtergesellschaften dürfen keine direkten Finanzierungsverpflichtungen für neue Projekte zur Förderung von Kraftwerkskohle und den Neubau von Kohlekraftwerken eingehen. Darüber hinaus versprach das Geldhaus, sein derzeitiges Engagement in der Kraftwerkskohlebranche schrittweise zu verringern.

    Allerdings darf die Bank weiter generell Unternehmen finanzieren, die teilweise in fossilen Energien wie Kohle engagiert sind. „Diese unternehmerische Freiheit behalten wir uns vor und entscheiden im Einzelfall“, sagte ein Sprecher.

    In einem Report kritisierten vor Kurzem sechs Umweltschutzorganisationen, dass die Deutsche Bank nach wie vor ein „enger Partner der fossilen Industrie“ sei. Zwar habe die Bank ihr Engagement in den vergangenen vier Jahren verringert, aber sie gehöre noch immer zu den drei größten Finanzierern von Unternehmen, die Öl- und Gasförderung in der Arktis vorantreiben. Außerdem zähle das Geldhaus zu den führenden Finanzierern der Kohlebergbaubranche.

    Als besonders heikel sieht Urgewald eine Anleihe für den indischen Konzern Adani. Das ist das Konglomerat, das bereits Siemens unter Rechtfertigungsdruck brachte. Die Münchener liefern trotz massiver Proteste von Klimaschützern für Adani die Signalanlage für die 189 Kilometer lange Bahnstrecke vom australischen Hafen Abbot Point zur Carmichael-Kohlemine im Bundesstaat Queensland.

    Gegenüber Urgewald rechtfertigt sich die Deutsche Bank damit, dass der Erlös aus der für Adani platzierten Anleihe nicht für die umstrittene Kohlemine in Australien verwendet werden darf. Die Umweltaktivisten halten dieses Argument für nicht stichhaltig: Wenn ein Konzern Kapital für einen Unternehmensteil bekomme, setze das automatisch Mittel für die anderen Teile frei. Außerdem stehe Adani nicht nur wegen der australischen Mine in der Kritik, der ganze Konzern gelte in Indien als notorischer Umweltsünder.

    Mehr: Deka will Vorstand und Aufsichtsrat von Deutscher Bank entlasten.

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