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Schweizer Großbank Überraschungscoup der UBS: Hamers soll die Großbank beleben

ING-Chef Ralph Hamers übernimmt ab Herbst die Leitung der Schweizer UBS. Der Schachzug des Verwaltungsratsvorsitzenden Axel Weber kommt zur rechten Zeit.
20.02.2020 - 18:13 Uhr Kommentieren
UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber (Mitte) entschied sich für Ralph Hamers (rechts) als Nachfolger des UBS-CEOs Sergio Ermotti (links). Quelle: Reuters
Führungswechsel bei der UBS

UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber (Mitte) entschied sich für Ralph Hamers (rechts) als Nachfolger des UBS-CEOs Sergio Ermotti (links).

(Foto: Reuters)

Zürich, Frankfurt Vor dem Führungswechsel bei der Schweizer UBS gab es ein Vorbeben in Amsterdam: Am Mittwoch sagte die niederländische Großbank ING überraschend die Emission einer Anleihe ab. Die kryptische Begründung: Man habe „Informationen erhalten, die zunächst untersucht werden müssen“. Anleger reagierten verunsichert, die Aktie der Bank gab um fast vier Prozent nach. Kein Wunder, die Anleihe war schließlich mehrfach überzeichnet: Weshalb war der Deal geplatzt?

Schuld waren die Schweizer: Am Mittwochmittag hatte ING-Chef Ralph Hamers den Aufsichtsrat des niederländischen Instituts darüber informiert, dass er zum Schweizer Vermögensverwalter UBS wechseln wird. Die Niederländer bliesen die Anleiheemission auf Anraten der Rechtsabteilung ab, schließlich hatten sich wesentliche Informationen schlagartig geändert: Die Bank verliert ihren Chef.

Noch in der Nacht machten beide Banken den Wechsel offiziell: Hamers soll das Ruder im November übernehmen. Nur wenige Tage nach der Rivalin Credit Suisse leitet nun also auch die UBS den Wechsel an der Spitze ein.

Hamers tritt die Nachfolge von Sergio Ermotti an, der die größte Schweizer Bank fast neun Jahre lang geführt hat. Sein Abgang hatte sich schon länger angedeutet. Etliche einflussreiche Aktionäre hatten zuletzt moniert, sie wünschten sich vom Management neue Impulse und stärkere Kosteneinsparungen. Doch den Erwartungen konnte die UBS zuletzt nur noch schwer gerecht werden.

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    Hinter den Kulissen suchte Verwaltungsratschef Axel Weber deshalb seit einiger Zeit nach passenden Kandidaten für die Ermotti-Nachfolge. Mit Hamers überraschte er nun aber alle – Analysten, Investoren und Mitarbeiter. „Ralph ist die Persönlichkeit, die die Bank jetzt braucht“, erklärte Weber.

    Der 54-jährige Hamers gilt als einer der renommiertesten Banker in Europa. Allerdings hat sich der Niederländer diesen Ruf im Geschäft mit einfachen Privat- und Firmenkunden erarbeitet. Die Vermögensverwaltung für Millionäre und Milliardäre zählte bislang nicht zu seinen Kernkompetenzen. Dabei wird er künftig den größten Vermögensverwalter der Welt führen.

    Die UBS hat bei wohlhabenden Kunden auf der ganzen Welt insgesamt rund 3,6 Billionen Dollar an Kapital eingesammelt. Hamers Nominierung wirft deshalb auch Fragen auf, etwa die nach der künftigen Ausrichtung: Ändert die UBS jetzt ihre Strategie? 

    Ermotti hatte die Bank nach der Finanzkrise gemeinsam mit Weber vergleichsweise zügig umgebaut und vor allem das riskantere Investmentbanking gestutzt. Die Vermögensverwaltung liefert zwar stabile Erträge ab, doch hier nimmt der Wettbewerbsdruck stetig zu. So tat sich die UBS zuletzt unerwartet schwer.

    Im vergangenen Jahr schrumpfte der Gewinn um fünf Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar. Und die erst vor einem Jahr ausgerufenen Finanzziele hatte Ermotti bei der Präsentation der Jahreszahlen im Januar schon wieder zurückgeschraubt. Für den Zeitraum 2020 bis 2022 peilt die UBS nun eine Rendite auf das wichtige harte Kernkapital von zwölf bis 15 Prozent an. Bisher hatte sich die Bank bis 2021 einen Wert von 17 Prozent vorgenommen. Auch beim Verhältnis von Kosten zu Aufwand senkte die Bank ihre Erwartungen.

    Die wachsende Konkurrenz im Geschäft mit superreichen Kunden zehrt an den Margen - viele Großbanken wollen hier ein Stück vom Kuchen haben. Und auf dem Schweizer Heimatmarkt machen Fintechs der UBS immer mehr Druck. Sie könnten insbesondere die jüngere Kundschaft langfristig abwerben. Hinzu kommen hausgemachte Probleme aus der Vergangenheit: So droht der Bank in Frankreich eine Milliardenstrafe wegen Steuerhinterziehung.

    Hoffnung auf einen Befreiungsschlag

    Mit Hamers Nominierung könnte der UBS nun ein Befreiungsschlag gelingen, hoffen Branchenkenner. „Hamers bringt den nötigen Schwung mit“, sagt ein hochrangiger Banker. Der Niederländer habe die ING „kraftvoll und unsentimental“ umgekrempelt und die Digitalisierung vorangebracht. „Das braucht auch die UBS dringend“. Hamers Berufung sei eine „clevere Entscheidung“ von Weber gewesen. Hamers und Weber kennen sich seit Jahren aus dem „Institute of International Finance“, einem Lobbyverband der globalen Finanzbranche.

    Dass Weber sich nun so schnell entschieden habe, liege auch daran, dass er eine Situation wie bei der Crédit Suisse vermeiden wollte, berichten Insider. Dort hatten sich Verwaltungsratschef Urs Rohner und Vorstandschef Tidjane Thiam einen halb-öffentlichen Machtkampf geleistet - bevor Thiam das Institut dann in der vergangenen Woche verließ. 

    In Finanzkreisen hieß es zwar, auch der bisherige UBS-Chef Ermotti sei nun von der Entscheidung des Verwaltungsrates überrascht worden. Doch nach außen stellen Weber, Ermotti und Hamers den Wechsel als geordnete Staffelübergabe dar. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Zürich demonstrierten sie am Donnerstag Einigkeit und überschütteten sich gegenseitig mit Lob. 

    Weber lobte die Leistungen von Ermotti, stellte den Führungswechsel aber dennoch als notwendigen Generationswechsel dar. Die Regelung der Nachfolge gehöre zu den Kernaufgaben des Managements. „Wir haben sehr gut zusammengearbeitet, Sergio war dabei mit involviert“, sagte Weber.

    Zweifel an den Fähigkeiten von Hamers zerstreute Weber. Sowohl die ING als auch die UBS seien systemrelevante globale Banken. „Ralphs Job wird es sein, die Gruppe zu führen“, sagte Weber. Die UBS habe bereits zwei ausgezeichnete Manager im Wealth Management: Tom Naratil und Iqbal Khan, die beiden Co-Chefs der Vermögensverwaltung

    UBS-Aktionäre begrüßen den Wechsel

    Das Rennen um den CEO-Posten konnten Khan und Naratil jedoch nicht für sich entscheiden – genauso wenig wie die operative Chefin Sabine Keller-Busse, der ebenfalls Chancen nachgesagt wurden. Hamers habe sich in einem „gründlichen und strengen Auswahlprozess“ durchgesetzt, betonte Weber.

    Die UBS-Aktionäre nahmen den Wechsel positiv auf. Der Kurs der Großbank legte bis zum Mittag um mehr als zwei Prozent zu. Analysten hoffen, dass Hamers sein Know-how in Sachen Digitalisierung bei der UBS einbringen wird. „Unter Hamers dürfte die Digitalisierung neuen Schub erhalten, wodurch die Bank ihren Vorsprung nochmals ausbauen dürfte“, schrieben die Analysten der Zürcher Kantonalbank. Lob bekam Hamers auch von den Experten der Investmentbank Jeffries. Der Niederländer habe sich als „Vorreiter des digitalen Bankings“ einen Ruf erarbeitet.

    Hamers weiß um die Vorschusslorbeeren. Er mühte sich am Donnerstag, die Erwartungen zu dämpfen: „Digitalisierung ist kein Selbstzweck“, sagte er.  Auch Verwaltungsratschef Weber stellte keine radikale Kehrtwende in Aussicht. Die Bank sei erfolgreich positioniert. „Es geht nicht um einen Strategiewechsel, sondern um den Wechsel des CEOs“, sagte Weber.

    Mit der Ablösung Ermottis stellt sich auch die Frage nach Webers Zukunft an der Spitze des Verwaltungsrats neu. Der Ex-Bundesbankchef bekräftigte, dass er bis zum Jahr 2022 für das Amt zur Verfügung steht – die Entscheidung liege aber bei den Aktionären.

    Schon länger ist in Zürich die Rede davon, dass sich Ermotti Hoffnungen darauf macht, eines Tages an die Spitze des Verwaltungsrates zu rücken. Doch zu seinen Zukunftsplänen hielt sich der Tessiner bedeckt: „Ich bin nicht bekannt dafür, dass ich für irgendetwas kandidiere“, scherzte Ermotti. Jetzt gehe es darum, den nahtlosen Übergang zu gewährleisten.

    Weitere Personalveränderungen sind wahrscheinlich

    Nach dem Wechsel an der Spitze der Bank könnten sukzessive weitere Positionen im Topmanagement neu besetzt werden, vermuten Insider. Das Durchschnittsalter der Mitglieder des obersten Führungsgremiums, des Group Executive Board, ist vergleichsweise hoch. Allein fünf Mitglieder neben Ermotti sind um die 60 Jahre oder älter.

    Die ersten Manager positionieren sich offenbar bereits. So glaubt ein Insider, dass UBS-Europachefin Christl Novakovic in der „Pole Position“ für die Nachfolge von Axel Lehmann als Schweiz-Chef der Bank sein könnte. Der 60-Jährige führt das Geschäft im Heimatmarkt der UBS seit 2018 und ist seit 2016 Mitglied der Konzernleitung. Novakovic, 55, führt seit 2019 die Europa-Einheit der Bank. Für die europäische Vermögensverwaltung ist sie schon länger zuständig. Lehmanns Nachfolge sei aber nicht akut, heißt es in Zürich.

    Zunächst solle sich Hamers in seiner neuen Rolle einarbeiten. Seinen ersten Arbeitstag bei der UBS hat Hamers im September, im November soll er dann den CEO-Posten antreten. 

    Bei ING äußern Insider Bedauern über den Abgang von Hamers, der seit 2013 an der Konzernspitze stand. Er sei visionär aufgetreten, rhetorisch stark und habe den digitalen Wandel der Bank gelebt und auch nach außen verkauft. Unter Hamers Ägide hat ING die milliardenschweren Kapitalspritzen des niederländischen Staates aus der Zeit der Finanzkrise bis 2014 vollständig zurückgezahlt. Außerdem hatte er der Großbank eine Modernisierung der IT verordnet und den Ausbau der digitalen Kanäle vorangetrieben.

    Unter ihm baute ING das Geschäft mit Unternehmens- und Privatkunden in Märkten wie Deutschland aus. Zugleich kämpfte die Bank aber auch mit mehreren Geldwäsche-Skandalen. In Italien gilt bis heute ein Aufnahmestopp für Neukunden, in den Niederlanden musste die Bank 2018 ganze 775 Millionen Euro Strafe bezahlen. Hamers wurden jedoch keine Kenntnis der Vorgänge und auch kein Fehlverhalten nachgewiesen. Die Schweizer Finanzaufsicht Finma hat ihm deshalb bereits ihren Segen als UBS-Chef erteilt. 

    Mehr: Der Führungswechsel bei der UBS ist ein Beweis für den Paradigmenwechsel in der Bankbranche

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