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StresstestHöhere Profitabilität hilft europäischen Banken beim Härtetest

Einige Geldhäuser müssten im schlimmsten Krisenszenario allerdings ihre Ausschüttungen beschränken. Das gilt auch für mindestens ein deutsches Kreditinstitut.Yasmin Osman 01.08.2025 - 22:17 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Frankfurter Skyline: Europäische Banken haben die Härteprüfung der EBA in diesem Jahr besser weggesteckt als vor zwei Jahren. Foto: AP

Frankfurt. Die europäischen Banken haben beim Stresstest der EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA besser abgeschnitten als 2023. Die Behörde hatte überprüft, welche Folgen ein Krisenszenario aus geopolitischen Spannungen, Handelskonflikten, Inflation und drei Jahren Rezession auf die Banken hätte.

Ein solches Szenario würde bei den 63 untersuchten Banken in den nächsten drei Jahren zu Verlusten in Höhe von 547 Milliarden Euro führen. Doch da die Institute in den vergangenen Jahren dank höherer Zinseinnahmen deutlich profitabler waren, würden sie diese Rückschläge auch besser wegstecken, lautet der Befund der EBA. Keine der Banken würde außerdem unter die gesetzlich vorgeschriebene Eigenkapitalausstattung rutschen.

Die Ergebnisse deuten laut der EBA darauf hin, dass das EU-Bankensystem diesem schwierigen, aber plausiblen makroökonomischen Szenario standhalten könnte: „Dies spiegelt die Widerstandsfähigkeit wider, die die Banken in den vergangenen Jahren aufgebaut haben“, schreibt die Behörde.

Einige Banken müssten im untersuchten Szenario allerdings auf Dividenden oder Bonuszahlungen ganz oder teilweise verzichten. Denn wenn die harte Kernkapitalquote, die das Verhältnis von Eigenkapital zu den risikogewichteten Vermögenswerten einer Bank beschreibt, unter ein bestimmtes Niveau sinkt, dann greifen Beschränkungen für solche Ausschüttungen.

Davon wären 17 Institute betroffen, schreibt die EBA in ihrer Analyse. Das ist jedenfalls dann der Fall, wenn man als Maßstab die Kapitalvorschriften nimmt, die die Europäische Union in den nächsten Jahren über mehrere Jahre gestreckt einführen will. Es gibt zwar keine einheitliche Messlatte dafür, welche Kapitalquote Banken erfüllen müssen, um solche Beschränkungen zu vermeiden.

Das absolute Minimum, das Banken für Dividenden benötigen, liegt allerdings bei sieben Prozent harter Kernkapitalquote. Dieses Ziel würde unter den deutschen Banken unter anderem die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verfehlen, die im härtesten Szenario im Jahr 2027 noch eine harte Kernkapitalquote von 5,5 Prozent erreichen würde.

LBBW schneidet schwach ab

Da die tatsächliche Dividenden-Sperre in der Regel bereits bei höheren Kapitalquoten greift, wären wohl aber auch weitere Institute betroffen, die relativ wenig Abstand zu dieser Untergrenze aufweisen. Das gilt etwa für die Deutsche Bank, die im härtesten Fall 7,4 Prozent erreichen würde, und für die Landesbank Hessen-Thüringen mit sieben Prozent.

Die LBBW schnitt noch bei einem weiteren, mindestens ebenso wichtigen Aspekt verhältnismäßig schwach ab. Dabei geht es um die Frage, in welchem Ausmaß der Stresstest die Kernkapitalquote der Banken verringert. Bei der LBBW war dieses Ausmaß mit einem Rückgang um rund 7,1 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent besonders groß.

10,7
Prozent
beträgt die Kernkapitalquote der Bofa Securities Europe. Es ist die niedrigste im Test.

Die Frage, in welchem Ausmaß der Härtetest die Kapitalausstattung schrumpft, lässt Rückschlüsse auf die Resilienz der Bank auf Stressphasen zu. Darauf achten die Bankenaufseher mindestens ebenso sehr. Man darf vermuten, eine Bank, deren Kapitalquote sich von zwölf Prozent auf zehn Prozent verringert, ist ihnen lieber als ein Institut, dessen Quote sich von 24 Prozent auf zwölf Prozent halbiert.

Das lässt sich an der Grafik ablesen, die die EBA in ihrem Bericht ganz vorn im Kapitel zu den individuellen Ergebnissen der Banken veröffentlicht. Dort sind die von ihr geprüften Banken in der Reihenfolge abgebildet, in der sich ihr Kapital durch den Härtetest verringert.

Besonders widerstandsfähig ist danach die Bank Polska Kasa Opieki. Diese Universalbank aus Polen ist so ertragsstark, dass ihre Kernkapitalquote selbst im härtesten Szenario weiter steigt. Nur zwischendurch verringert sie sich vorübergehend einmal um einen halben Prozentpunkt.

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Deutsche Institute verbessern Resilienz

Am schlechtesten schneidet dagegen die Bofa Securities Europe ab, eine der Europa-Töchter der Bank of America (Bofa) mit Sitz in Paris. Deren harte Kernkapitalquote fällt um mehr als die Hälfte auf 10,7 Prozent. Auch andere Europa-Töchter großer Wall-Street-Banken trifft das Szenario empfindlich. Bei der Citigroup Global Markets Europe und Morgan Stanley Europe, beide mit Sitz in Deutschland, sowie einer irischen Bofa-Tochter schrumpfte die Kernkapitalquote um mehr als sieben Prozentpunkte.

Mit Blick auf ihre Resilienz haben sich mehrere deutsche Institute verbessert: Bei der Deutschen Bank verringerte sich die Kapitalquote im härtesten Szenario zwar um 2,3 Prozentpunkte, beim Stresstest vor zwei Jahren waren es aber noch 5,3 Prozentpunkte. Die Commerzbank verbesserte sich ebenfalls, wenngleich in geringerem Umfang: Ihre Kapitalquote sank um 4,1 Prozentpunkte nach 4,6 Prozentpunkten vor zwei Jahren.

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