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Umbau der AufsichtBundesbank will riskante Banken häufiger prüfen

Sparkassen und Banken mit niedrigem Risikoprofil will die Notenbank künftig weniger intensiv überwachen. Für viele Institute ist dies eine Entlastung.Yasmin Osman 09.08.2023 - 14:06 Uhr Artikel anhören

Die neue Aufsichtsstrategie für Banken soll ab 2024 greifen.

Foto: IMAGO/greatif

Frankfurt. Die Bundesbank ändert ihre Strategie in der Bankenaufsicht: Die Notenbank will ihre Kontrollintensität künftig stärker danach ausrichten, wie riskant eine Bank ist. „Wir wollen mehr personelle Ressourcen dahin lenken, wo sich die größten Risiken befinden“, sagte Karlheinz Walch, Zentralbereichsleiter Banken und Finanzaufsicht, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Auf einer Bundesbank-Konferenz im Juli hatte der Bundesbanker betont, dass die Notenbank bislang auch für kleine und risikoarme Institute ein umfassendes Aufsichtsprogramm vorsehe. Dadurch verbrauche sie „eine ganze Menge Ressourcen, die uns bei den Instituten fehlen, wo wir die großen Risiken sehen“.

Die Aufsichtsstrategie der Bundesbank ist für die Mehrheit der deutschen Institute relevant: Die Notenbank überwacht die etwa 1250 kleinen und mittelgroßen Sparkassen und Banken gemeinsam mit der Finanzaufsicht Bafin. Die Notenbank analysiert die Informationen, die Institute ihr melden, und führt Sonderprüfungen durch. Die Bundesbank-Berichte sind für die Bafin eine wichtige Informationsquelle. Maßnahmen und Sanktionen kann dann aber nur die Bafin verhängen. 

Die neue Strategie, offiziell „Risikotoleranzrahmenwerk“ genannt, haben Bafin und Bundesbank nach Worten von Walch gemeinsam erarbeitet und verabschiedet. Ab 2024 soll die neue Strategie greifen. Die Bafin teilte mit, „bei den bisherigen Überlegungen zum Risikotoleranzrahmenwerk handelt es sich um ein gemeinsames und abgestimmtes Vorgehen von Bafin und Bundesbank“.

Wie intensiv die Banken und Sparkassen künftig überwacht werden, hängt davon ab, in welche Risikoklasse die Aufsichtsbehörden die Institute einsortieren. Grundsätzlich gibt es bisher zwar auch schon vier Risikostufen, aber die Behörden haben sich noch einmal genauer überlegt, welche Bank in welche Kategorie gehört. 

Der Zentralbereichsleiter Bankenaufsicht und Finanzstabilität erläutert die Neuausrichtung der Bankenaufsicht.

Foto: Bundesbank

„In der obersten Risikostufe befindet sich eine mittlere zweistellige Zahl an Instituten“, betont Walch. Diese Institute wollen die Bundesbanker künftig intensiver überwachen, auch mit mehr Personal: „Diese Teams stärken wir. Institute in den oberen beiden Risikokategorien werden einen Unterschied spüren“, betonte Walch.

Eine intensivere Aufsicht kann bedeuten, dass die Bundesbank häufiger Aufsichtsgespräche mit Vorstand, Aufsichtsrat oder auch der Innenrevision eines Instituts führt. Auch routinemäßige Sonderprüfungen dürften Banken mit höherem Risikoprofil künftig häufiger treffen.

Für die Masse der Kreditinstitute, die von Bafin und Bundesbank überwacht werden, bedeutet die neue Risikostrategie allerdings eine Entlastung. „Banken, von denen geringe Risiken ausgehen, wollen wir weniger intensiv überwachen. Wir wollen bei solchen Instituten zum Beispiel deutlich seltener bankaufsichtliche Prüfungen durchführen“, so Walch. „Etwa 800 bis 900 Institute fallen in die niedrige Risikokategorie.“

Im Juli hatte Walch gesagt, die Bundesbank habe bei der Risikoeinstufung noch einmal „nachjustiert“ und eine dreistellige Zahl von Instituten zusätzlich in die niedrigste Risikostufe einsortiert. 

Kompetenzzentren für Bausparkassen und Krypto

Die neue Risikostrategie ist nicht die einzige Neuerung, die sich die Bankenaufseher der Bundesbank für das kommende Jahr vorgenommen haben. Sie bündeln künftig außerdem die Expertise für bestimmte Geschäftsmodelle. „Wir wollen rund ein Dutzend Kompetenzzentren etwa für Autobanken, Bausparkassen, Leasing- und Factoring-Firmen und Krypto-Geschäftsmodelle einrichten“, sagte Walch. Daneben werde es auch ein IT-Kompetenzzentrum geben, das seine Expertise allen operativen Bankenaufsehern zur Verfügung stellen werde.

„Die Krise der Silicon Valley Bank (SVB) hat uns in unserer Überzeugung bestätigt, wie wichtig ein tiefes Verständnis für Geschäftsmodelle für eine effektive Bankenaufsicht ist“, betont Walch. So könne man Banken mit ähnlichen Geschäftsmodellen besser miteinander vergleichen. „Fällt ein Institut aus dem Rahmen, fällt das dann schneller auf.“

Im März hatte der Kollaps der SVB eine Krise der Regionalbanken in den USA ausgelöst, die Aufseher rund um den Globus alarmiert hat. Vor diesem Hintergrund forderte die für die Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorständin Claudia Buch in einem Interview mit dem Handelsblatt gerade erst ein entschlosseneres Durchgreifen der Aufseher: „Wir müssen Lehren aus den jüngsten Bankenturbulenzen ziehen und wenn nötig nachjustieren. Und wir müssen fortlaufend prüfen, ob es Risiken im Bankensystem gibt, die aufsichtliche Konsequenzen haben.“ 

Nach Walchs Worten sollen sich künftig etwa zehn Prozent der Aufseherinnen und Aufseher der Bundesbank auf besondere Geschäftsmodelle spezialisieren. Das ist für die Bundesbank nicht selbstverständlich. Denn normalerweise versucht die Notenbank, die von ihr kontrollierten Banken möglichst ortsnah durch ihre neun Hauptverwaltungen zu überwachen. 

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„Wir haben genau abgewogen, bei welchen Geschäftsmodellen und Banken eine Spezialisierung und Vergleichsmöglichkeiten für uns wichtiger sind als der direkte Kontakt in Kilometern gemessen“, betont Walch. Vom Prinzip der Bankenaufsicht vor Ort wende sich die Bundesbank damit aber nicht ab. „Für die überwiegende Mehrheit der Institute, für Sparkassen und Volksbanken oder auch für Auslandsbanken bleibt es vollständig beim bestehenden Regionalprinzip“, sagt er.

Die Kompetenzzentren werden ihre Arbeit voraussichtlich im ersten Quartal 2024 aufnehmen. Das Kompetenzzentrum für Bausparkassen soll in der Hauptverwaltung Stuttgart angesiedelt werden, das für Krypto-Geschäftsmodelle in der Hauptverwaltung Berlin. In der Hauptverwaltung München sollen künftig die Spezialisten für Autobanken sitzen.

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