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Verzinsung Dieser Versicherer gehört seit Jahren zur Spitze bei der Überschussbeteiligung

Die Ideal Versicherung ist ein recht kleiner Anbieter – zahlt bei der laufenden Verzinsung aber mehr als viele große Rivalen. Wieso das möglich ist.
23.11.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Vor allem in der Heimatstadt Berlin griff der Versicherer beherzt zu, was sich heute auszahlt. Quelle: dpa
Wohnungen in Berlin

Vor allem in der Heimatstadt Berlin griff der Versicherer beherzt zu, was sich heute auszahlt.

(Foto: dpa)

Frankfurt Sie kommt so regelmäßig wie die Weihnachtskarte. Immer zum Ende des Jahres versenden die Versicherer ihren Kapitallebensversicherungs-Kunden eine Standmitteilung, in der sie über die Höhe der Überschüsse im kommenden Jahr informieren.

Für Millionen von Versicherten ist dies eine wichtige Information – bestimmt sie doch im Wesentlichen über die laufende Rendite ihrer privaten Altersvorsorge mit.

Denn in der klassischen Kapitallebensversicherung gewährt der Versicherer nicht nur einen garantierten Zins auf die eingezahlten Beiträge nach Kosten. Sondern er schüttet zusätzliche Erträge anteilig an seine Kunden in Form einer Überschussbeteiligung aus, die jedes Jahr je nach Wirtschaftslage und Anlagestrategie neu festgelegt wird.

Bei den klassischen Policen mit fester Garantiezusage steht jedoch seit Jahren nicht einer der großen Versicherungskonzerne an der Spitze der höchsten Überschussbeteiligung, sondern ein kleiner Anbieter aus Berlin: die Ideal Versicherung.

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    Einer der Gründe dafür ist, dass die Firma aus der Berliner Kochstraße vieles anders als die große Konkurrenz macht – und damit durchaus erfolgreich ist.

    Die Niedrigzinsen würden zwar auch vor der Ideal nicht haltmachen, sagte Vorstandschef Rainer M. Jacobus dem Handelsblatt. „Wir werden für das kommende Jahr die laufende Überschussbeteiligung leicht auf 3,0 Prozent zuzüglich Schlussüberschuss absenken müssen, nach noch 3,3 Prozent in 2020. Allerdings bin ich mir sicher, dass wir damit weiterhin an der Spitze des Marktes stehen werden“, gibt sich der Topmanager selbstbewusst.

    Im Schatten der Niedrigzinsen kennt der Trend bei der Überschussbeteiligung für praktisch alle Kunden von klassischen Policen in den letzten Jahren nur eine Richtung: abwärts.

    Die Lebensversicherungspolicen werfen im Durchschnitt infolge der Dauerniedrigzinsen immer weniger ab, wie aus Zahlen der Ratingagentur Assekurata hervorgeht. So hatte Marktführer Allianz seine Überschüsse für das Jahr 2020 beispielsweise gesenkt, nachdem der Konzern sie zuvor drei Jahre stabil halten konnte.

    Die laufende Verzinsung für Klassikpolicen mit lebenslanger Garantie fiel beim Marktführer im laufenden Jahr um 0,3 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Der kleine Versicherer Ideal sticht jedoch in den letzten Jahren heraus.

    Die Assekuranz hatte ihre laufende Verzinsung im Jahr 2019 sogar als einer von wenigen Anbietern von 3,0 auf 3,3 Prozent im Jahr angehoben – und steht seit mehreren Jahren auf einem Spitzenplatz bei der laufenden Verzinsung. Was steckt dahinter?

    „Antizyklische Kapitalanlagepolitik“

    Jacobus selbst spricht nicht ohne Stolz von einer „antizyklischen Kapitalanlagepolitik“. „So haben wir beispielsweise bereits ab Anfang 2003 Immobilien erworben, als viele andere Versicherungsunternehmen ihren Bestand reduziert haben“, betont der Vorstandschef.

    Der Chef der Ideal Versicherung sieht sich auch 2021 an der Spitze bei der laufenden Verzinsung für die Versicherten. Quelle: Ideal/Sven Darmer
    Rainer M. Jacobus:

    Der Chef der Ideal Versicherung sieht sich auch 2021 an der Spitze bei der laufenden Verzinsung für die Versicherten.

    (Foto: Ideal/Sven Darmer)

    Vor allem in der Heimatstadt Berlin griff die Firma beherzt zu, was sich heute auszahlt. So verfügt der Versicherer im Vergleich zu vielen Rivalen über einen ungewöhnlich hohen Anteil an Immobilien im Portfolio, vor allem am boomenden Berliner Markt - und will diesen sogar weiter aufstocken. Insgesamt liegt der Immobilienanteil am Portfolio bei 24 Prozent nach Marktwert, während die Branche im Durchschnitt nur auf vier bis fünf Prozent kommt.

    Der frühe Schwenk in Richtung Immobilien zahlt sich für die Ideal-Kunden nun aus, auch wenn Versicherer Immobilieninvestments nach den neuen Regulierungsanforderungen gemäß „Solvency II“ mit 25 Prozent Eigenkapital – und damit deutlich mehr als für Staatsanleihen – hinterlegen müssen.

    Denn Wohnungen und Häuser in Deutschland verteuern sich auch nach mehr als zehn Jahren Immobilienboom weiter kräftig. Viele Konkurrenten investieren zwar inzwischen ebenfalls mehr in Immobilien. Doch mittlerweile sind die Investments deutlich riskanter – und auch weniger profitabel als noch am Anfang des Booms.

    So kann sich die Ideal es leisten, in vielen Punkten einen anderen Weg als die Rivalen zu gehen. „Wir sind zu klein, als dass wir alles anbieten können“, sagt Jacobus. Also konzentriere sich die Assekuranz auf Nischen.

    Eine davon sei die Pflegerentenversicherung. Eine andere Nische sei die klassische Lebensversicherung als Garantieprodukt, für die weiter in Deutschland Nachfrage bestehe. „Bundesweit sucht noch immer jeder dritte Deutsche bei einem Neuabschluss nach einem solchen Produkt“, betont der Vorstandschef.

    Der Anteil möge kleiner werden – aber für die Ideal werde er reichen, um weiter Geschäft zu machen. „Die klassische Lebensversicherung ist nicht tot – ganz im Gegenteil“, lautet die Ansage von Jacobus.

    Klassische Police – ein Auslaufmodell?

    Es ist auch eine Kampfansage an die großen Rivalen. Denn die Branchenführer glauben nicht mehr an eine große Zukunft der klassischen Policen, sondern setzen auf neue, flexible Produkte, die weniger Garantien und im Gegenzug mehr Chancen bieten sollen.

    „Die klassische Police hat sich überlebt“, sagte Ergo-Vorstandschef Markus Rieß vor wenigen Tagen im Handelsblatt-Interview. „In einer Welt ohne positiven Nominalzins muss die Altersvorsorge neu gedacht werden – das gilt auch für Riester und die betriebliche Altersversorgung“, betonte jüngst auch der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, Jörg Asmussen.

    Die Branche dringt auch seit Längerem darauf, den Höchstrechnungszins, der meist Garantiezins genannt wird, weiter zu senken. „Die Zeit drängt: Der Höchstrechnungszins muss mindestens auf 0,5 Prozent sinken – vielleicht sogar noch tiefer“, sagte Guido Bader, Vorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung und Vorstand der Stuttgarter Versicherung, jüngst.

    Die Aktuarvereinigung hat ein Vorschlagsrecht für den Zins, über dessen genaue Höhe das Bundesfinanzministerium befindet. Die Bundesregierung hatte eine vorgeschlagene Senkung des Höchstrechnungszinses von 0,9 Prozent zum 1. Januar 2021 wegen der Turbulenzen in der Coronakrise vorerst vertagt.

    Der Höchstrechnungszins gilt bei klassischen Policen und beschreibt den Zinssatz, den Versicherer ihren Kunden maximal auf ihren Sparanteil des gezahlten Beitrags zusagen dürfen. Aktuell beträgt er 0,9 Prozent pro Jahr. Die Bafin appellierte aber bereits an die Versicherer, diesen Satz ab dem kommenden Jahr angesichts des Niedrigzinsumfelds kritisch zu hinterfragen.

    Doch auch hier geht Jacobus seinen eigenen Weg. „Wir werden auch 2021 bei unseren eingeführten biometrischen Produkten einen Höchstrechnungszins von 0,9 Prozent anwenden“, kündigt Jacobus an.

    Nur beim Ideal-Produkt Universal Life bietet der Versicherer – aber von Anfang an – nur 0,5 Prozent an. Die Ansage von Jacobus ist klar und unmissverständlich: „Wir haben das intern durchgerechnet, und die Antwort ist eindeutig: Wir können uns das leisten.“

    Mehr: Lebensversicherungsexperte: „Der Garantiezins muss auf 0,5 Prozent sinken – vielleicht sogar noch tiefer.“

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