Wirecard-Skandal: Verräterische Mails: Jan Marsalek und sein Vertrauensmann auf den Philippinen
Jan Marsalek gilt als einer der Drahtzieher des Milliardenbetrugs bei Wirecard. Er hatte in einem deutschen Manager auf den Philippinen offenbar einen engen Gefolgsmann.
Foto: dpaDüsseldorf . Die Zentrale wollte Geld, aber das Geld war nicht da. Christopher B. mochte vermutlich kaum glauben, was er in seinem E-Mail-Eingang fand. Seit 13 Jahren war er jetzt Statthalter von Wirecard auf den Philippinen. Die Wirtschaftsprüfer glaubten, hier liege ein Milliardenvermögen.
B. wusste es offenbar besser. Dann erhielt er am 13. Mai 2020 um 8 Uhr morgens eine Nachricht aus der deutschen Finanzabteilung. Zu Testzwecken, stand dort zu lesen, würde der Wirtschaftsprüfer von Wirecard kurzfristig 110 Millionen Euro von einem Konto in Manila abbuchen. Eine Stunde später schrieb B. an Wirecards Asienvorstand Jan Marsalek: „Sag mal, seid ihr jetzt von allen guten Geistern verlassen worden?“
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Die E-Mail ist Teil eines riesigen Datenbergs, durch den sich die Staatsanwaltschaft München kämpft. Auf der Suche nach den Verantwortlichen für den Milliardenskandal stößt sie dabei immer wieder auf groteske Szenen. Diesmal gibt es ein tragisches Detail: Zehn Wochen nach seiner Mail war B. tot.
Sein frühzeitiges Ableben ist für die Staatsanwaltschaft ein Problem – gerade auch wegen der nun aufgetauchten Mail sowie weiteren Schriftverkehrs. B. hatte 2007 auf den Philippinen die erste asiatische Niederlassung von Wirecard gegründet. Später arbeitete er nicht mehr für den Konzern, blieb aber eng mit Wirecard verbunden.