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WirtschaftsprüferCommerzbank setzt EY wegen Wirecard-Skandal vor die Tür

Die Commerzbank geht auf Distanz zu EY und wechselt den Prüfer, ebenso die Deutsche-Bank-Tochter DWS. Andere Konzerne halten dagegen an der Prüfungsgesellschaft fest. 02.09.2020 - 17:57 Uhr aktualisiert

Deutschlands zweitgrößte Privatbank plant deutliche Einschnitte im Filialnetz und im Auslandsgeschäft.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Reputation der Wirtschaftsprüfer von EY hat im Zuge des Bilanzskandals von Wirecard schweren Schaden genommen. EY hatte die Bilanzen des Finanzdienstleisters ein Jahrzehnt lang geprüft, aber erst im Juni dieses Jahres ein 1,9 Milliarden Euro großes Loch in den Büchern des mittlerweile insolventen Zahlungsabwicklers entdeckt. Nun rollt auf das Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen eine Klagewelle zu und die Wirtschaftsprüfer-Aufsicht Apas ermittelt.

Nicht nur das: EY verliert auch wichtige Prüfmandate. Die Deutsche-Bank-Tochter DWS etwa verzichtet auf den geplanten Wechsel zu EY und lässt ihre Bilanzen weiter von KPMG prüfen. Entgegen seiner bisherigen Präferenz habe sich der DWS-Aufsichtsrat entschieden, EY doch nicht als Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2020 vorzuschlagen, teilte die Fondsgesellschaft in ihrer Einladung zur Hauptversammlung am 18. November mit. Die Deutsche Bank dagegen hält bisher an EY als Abschlussprüfer fest.

Auch die Commerzbank zieht Konsequenzen aus dem Wirecard-Skandal und will EY vor die Tür setzen. „Der Aufsichtsrat der Commerzbank hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, der Hauptversammlung 2021 einen Wechsel des Abschlussprüfers für das Geschäftsjahr 2022 vorzuschlagen“, teilte das Institut nach der Sitzung des Kontrollgremiums an diesem Mittwoch mit. Die Commerzbank zählt zu den größten Kreditgebern Wirecards und musste deshalb im ersten Halbjahr 175 Millionen Euro abschreiben.

Die DWS sagt indes zu ihrem Entschluss: „Diese Entscheidung wurde vorsorglich, einvernehmlich und unter sorgfältiger Abwägung getroffen, um mögliche zukünftige Konflikte zu vermeiden, die sich aus EYs Rolle als Abschlussprüfer der Wirecard AG ergeben können.“ Die Fondsgesellschaft prüft einem Sprecher zufolge rechtliche Schritte gegen Wirecard und andere involvierte Parteien.

Die DWS zählte zeitweise zu den größten Wirecard-Aktionären und hatte viel Geld ihrer Anleger in den Zahlungsabwickler investiert. EY bedauerte die Entscheidung der DWS. „Wir hätten uns natürlich ein anderes Ergebnis gewünscht, möchten aber betonen, dass wir weiterhin im guten und konstruktiven Dialog mit der DWS sind“, sagte ein Sprecher. Das Prüfungsmandat für EY galt bis vor wenigen Monaten als so gut wie sicher. Die prüferische Durchsicht des Halbjahresabschlusses 2020 der DWS habe bereits in deren Händen gelegen, sagte der Untenrehmenssprecher.

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Anders als die Fondsgesellschaft haben die Aktionäre der Deutschen Bank EY schon zum Abschlussprüfer für 2020 bestellt. Ihre Hauptversammlung fand bereits im Mai statt. An der Entscheidung will das Institut nicht rütteln. „Die Deutsche Bank erwägt keinen Wechsel des Abschlussprüfers für 2020“, sagte ein Sprecher. „Unsere Aktionäre haben EY auf der Hauptversammlung 2020 ordnungsgemäß ernannt. Wir werden alle weiteren Entwicklungen aufmerksam verfolgen und ihre Auswirkungen auf die Bank analysieren.“

Ähnlich äußerten sich am Mittwoch weitere Dax-Konzerne, die sich künftig von EY prüfen lassen wollen. So hält die Lufthansa an der von der Hauptversammlung jüngst beschlossenen Ernennung der Prüfungsgesellschaft fest und stellt das Engagement aktuell nicht in Frage. Bei Volkswagen soll EY weiterhin wie geplant Ende September von den Aktionären zum neuen Abschlussprüfer ernannt werden. Die Munich Re hat bereits Ende April der Gesellschaft per HV-Beschluss das Mandat zum Bilanztestat erteilt. Am Mittwoch wollte sich die Munich Re nicht zu dem Thema äußern.

Hinter der Entscheidung der Commerzbank könnten angesichts der Rolle als Kreditgeber wie bei der DWS mögliche Interessenkonflikte stehen. So könnte die Commerzbank in die Situation kommen, rechtlich gegen EY vorzugehen, falls sich die Prüfungsgesellschaft wegen nachweislich schwerwiegender Prüfungsfehler schadenersatzpflichtig macht. Eine Trennung aus diesem Grund wäre nachvollziehbar.

Für EY ist der Verlust schon zweier Mandate durch die Wirecard-Krise ein schwerer Verlust. Die Prüfungsgesellschaft gilt als Gewinner der gesetzlich vorgeschriebenen Rotation, nach der kapitalmarktorientierte Unternehme in regelmäßigen Abständen ihren Abschlussprüfer wechseln müssen. EY hatte in mehrere Auswahlverfahren in den vergangenen Jahren die Hauptkonkurrenten KPMG und PwC ausgestochen. Vom kommenden Jahr an wird EY 28 Prozent der Dax-30-Firmen testieren.

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