Fintech: Klarna dämmt Verlust ein und will bald an die Börse
Frankfurt, Düsseldorf. Die schwedische Zahlungsfirma Klarna hat auch 2023 rote Zahlen geschrieben, den Verlust aber deutlich eingedämmt. Im vergangenen Jahr betrug das Minus 2,5 Milliarden schwedische Kronen (rund 230 Millionen Euro), wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. 2022 hatte sich der Verlust auf mehr als zehn Milliarden Kronen belaufen.
Klarna, 2005 gegründet, war einst das teuerste nicht börsennotierte europäische Start-up. Die Bewertung kletterte 2021 auf fast 46 Milliarden Dollar (42,5 Milliarden Euro), sackte im Jahr darauf aber auf noch knapp sieben Milliarden Dollar ab.
Auch die Bewertungen anderer Start-ups fielen im Zuge steigender Zinsen deutlich. Bei Klarna kommt noch hinzu, dass das Unternehmen nach einer profitablen Phase ab 2019 Verluste schrieb und die Paymentbranche generell die Gunst vieler Investoren verloren hat. Etliche Zahlungsdienstleister, die im Auftrag des Handels Zahlungen abwickeln und dafür eine Minigebühr erhalten, verfehlten zuletzt die Erwartungen der Anleger.
Die Schweden hatten den Umsatz zwar über mehrere Jahre hinweg stark gesteigert. Allerdings schossen im Zuge der Expansion auch die Kosten in die Höhe. 2023 stieg der Umsatz um gut 20 Prozent auf 24 Milliarden schwedische Kronen. Zugleich gelang es Klarna, die Aufwendungen sowie die Kreditausfälle zu drücken.
Bekannt geworden ist Klarna besonders für seine sogenannten BNPL-Angebote. Im Fachjargon steht „Buy now, pay later“ (BNPL) für das Bezahlen auf Raten und auf Rechnung beim Onlineshopping. Onlinekäufe auf Kredit sind allerdings auch in die Kritik geraten, weil Verbraucherinnen und Verbraucher so eher Gefahr laufen, sich stark zu verschulden. Die EU hat die Regeln dafür kürzlich verschärft.
Klarna will Sprung aufs Parkett wagen
An den Plänen für einen Börsengang hält Klarna trotz der anhaltenden Verluste fest. Im Januar hatte Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski der Nachrichtenagentur Bloomberg gesagt, dass der Börsengang in den USA wahrscheinlich recht bald stattfinden werde. Es könnte einer der größten IPOs des Jahres werden. Klarna strebe eine Bewertung von 20 Milliarden Dollar an, berichtet Bloomberg unter Berufung auf Insider. Klarna äußerte sich nicht dazu.
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Auch setzt Klarna zunehmend auf Künstliche Intelligenz. Am Dienstag stellte die Firma ihren generativen Chatbot vor, der auf dem gleichen Sprachmodell wie ChatGPT von OpenAI läuft. Er soll durch die automatisierte Bearbeitung von Kundenanfragen in mehreren Sprachen, Retouren und Finanzfragen eine Effizienzsteigerung von 40 Millionen Dollar bereits 2024 erreichen.
Klarna-CEO Sebastian Siemiatkowski: „Mit KI können wir die Zahl der Mitarbeiter von 3400 auf 2000 reduzieren“
Die größten Einsparpotenziale dürften im Bereich der Mitarbeitenden liegen. So soll der Chatbot ein Arbeitsvolumen von 700 Vollzeitmitarbeitenden erreicht, 2,3 Millionen Unterhaltungen geführt und Anliegen der Kunden in nur zwei statt bisher elf Minuten beantwortet haben. Die Kundenzufriedenheit soll dabei gleich geblieben, der Anteil der Rückfragen aber um 25 Prozent gesunken sein. Unabhängig prüfen lassen sich die Zahlen nicht.
Bereits im Dezember hatte Siemiatkowski im Interview mit der britischen Zeitung „The Telegraph“ gesagt, dass das Unternehmen dank ChatGPT deutlich weniger Menschen benötige, um die gleiche Arbeit zu verrichten. Deshalb wolle Siemiatkowski zukünftig keine Mitarbeitenden mehr einstellen. „Die Firma wird schrumpfen.“ Entlassungen will der Klarna-CEO aber nicht vornehmen. Aktuell zählt Klarna rund 4200 Vollzeitjobs, gut ein Viertel weniger als zwei Jahre zuvor.
Dass das Finanzunternehmen die geplanten 40 Millionen Dollar Effizienzsteigerungen öffentlich bekannt gab, ist verwunderlich. Bisher waren Unternehmen zögerlich, wenn es darum ging, die Produktivitätssteigerung durch Künstliche Intelligenz zu benennen. Zu groß ist die Angst davor, zukünftig an diesen Werten gemessen werden zu können.
Wettbewerber Worldline mit hohem Verlust
Vor wenigen Tagen war Klarna wegen eines Machtkampfs beim größten Anteilseigner, dem US-Wagniskapitalgeber Sequoia, in die Schlagzeilen geraten. Ein Streit zwischen verschiedenen Sequoia-Vertretern im Klarna-Aufsichtsrat hatte die Spannungen innerhalb der Finanzierungsfirma offengelegt. Sequoia hält in Deutschland beispielsweise Anteile an den Start-ups Tacto, Xentral, Robco und Yokoy, ist aber auch bei den US-Unternehmen Stripe und Airbnb engagiert.
Wie sehr die Branche der Zahlungsdienstleister derzeit unter Druck steht, zeigte der französische Zahlungsdienstleister Worldline am Mittwoch mit seinen Jahreszahlen. Er meldete einen Verlust von rund 820 Millionen Euro.
Der Konzern nahm eine Abschreibung von 1,1 Milliarden Euro auf sein Geschäft Händlerdienstleistungen, die wichtigste Sparte, vor. Worldline gehört die Mehrheit am deutschen Zahlungsdienstleister Payone, an dem auch die Sparkassen beteiligt sind.
Worldline begründete die Abschreibung mit den generell gesunkenen Bewertungen der Paymentbranche. Investoren reagierten erneut enttäuscht. Die Aktie fiel bis zum Nachmittag um elf Prozent. Schon nach den Zahlen für das dritte Quartal 2023 war der Aktienkurs eingebrochen. Die Worldline-Aktie notiert rund 85 Prozent unter dem Höchststand von 2021.