JP Morgan, Citigroup: US-Banken profitieren von hoher Volatilität
New York. Die Wall Street stellt sich auf ein Comeback im Investmentbanking ein. Amerikas größte Bank, JP Morgan Chase, meldete am Dienstag eine überraschende Wiederbelebung des Geschäfts. Die Turbulenzen im April sorgten für starke Handelsumsätze. So stiegen die Gebühren aus dem lukrativen Geschäftsbereich im zweiten Quartal um sieben Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahr an. Analysten hatten eigentlich mit einem erneuten Rückgang gerechnet.
Sowohl bei der Beratung für Fusionen und Übernahmen als auch bei der Ausgabe von Anleihen habe sich die Stimmung nach einem „langsamen Start“ verbessert, sagte Finanzchef Jeremy Barnum. Das zweite Quartal war zu Beginn im April vor allem durch die großen Verwerfungen an den Finanzmärkten geprägt. Nach den ursprünglich verkündeten Zöllen am „Liberation Day“ war für kurze Zeit Panik an den Märkten ausgebrochen.
Nachdem US-Präsident Trump einen Teil der Zölle ausgesetzt hatte, hat sich die Stimmung indes wieder deutlich aufgehellt. Kunden „akzeptieren nun eine gewisse Unsicherheit“, erklärt Barnum, nachdem viele Unternehmen ihre Pläne für Fusionen und Börsengänge zunächst auf Eis gelegt hatten.
Schon lange warten Banker und Investoren auf ein Comeback im Investmentbanking. Zunächst sorgten die rapide steigenden Zinsen der US-Notenbank Fed für Zurückhaltung bei Unternehmen, hinzu kamen geopolitische Spannungen nach dem Beginn des Ukrainekrieges.
Nun, da die Aktienmärkte wieder neue Rekorde erreicht haben, hat sich die Stimmung gedreht. Auch die Citigroup, die am Dienstag ebenfalls ihre Ergebnisse vorlegte, bestätigte den Trend. Die Gebühren aus dem Investmentbanking steigen um 13 Prozent auf gut eine Milliarde Dollar.
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Die Banken konnten im abgelaufenen Quartal gleich doppelt profitieren. Die Marktvolatilität sorgte besonders im April für ein starkes Handelsgeschäft. Für die Aktienhändler bei JP Morgan war es das zweitbeste Quartal aller Zeiten.
Bei der Citigroup war vor allem der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren stark. Citi-Chefin Jane Fraser, die die Bank seit Jahren grundlegend umbaut, zeigte sich zufrieden mit dem abgelaufenen Quartal. „Wir haben die Leistung in allen unseren Geschäftsbereichen verbessert, gewinnen Marktanteile und erzielen höhere Renditen“, stellte sie klar. Der Nettogewinn stieg im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent auf vier Milliarden Dollar. Die Erträge stiegen um acht Prozent auf 21,7 Milliarden Dollar – besser als erwartet.
Auch die Ergebnisse von JP Morgan lagen über den Erwartungen. Aufgrund von Einmaleffekten im vergangenen Jahr ging der Nettogewinn indes um 17 Prozent auf 15 Milliarden Dollar zurück.
Bankaktien gehörten zu den großen Gewinnern im zweiten Quartal. So ist der KBW-Bankindex der wichtigsten US-Institute seit dem Tief um 37 Prozent gestiegen und liegt nahe am Rekordhoch. Der breit gefasste S&P 500 hat in der gleichen Zeit um gut 31 Prozent zugelegt und erreichte am Dienstag eine neue Bestmarke. Die Papiere der Citigroup lagen im frühen New Yorker Handel rund 1,4 Prozent im Plus. Die JP-Morgan-Aktie bewegte sich zunächst seitwärts.
Analysten gehen davon aus, dass Bank-Aktien in der zweiten Jahreshälfte weiter deutlich zulegen könnten. Sie würden vor allem von Trumps Deregulierungsoffensive und den beschlossenen Steuersenkungen für Unternehmen profitieren, prognostiziert KBW-Analyst Christopher McGratty. Nach den bestandenen Stresstests im Juni hat eine Reihe von Banken Aktienrückkäufe angekündigt.
Diese könnten McGratty zufolge ausgebaut werden, wenn die internationalen Basel III-Regeln zu den Eigenkapitalstandards wie erwartet aufgeweicht werden. Basel III ist ein internationaler, vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht entwickelter Regulierungsrahmen. Er soll die Stabilität und Risikobereitschaft des Bankensektors erhöhen.
Dimon rechnet mit deutlich steigender Inflation
Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, warnte am Dienstag indes vor zu viel Optimismus. Die US-Wirtschaft „bleibt widerstandsfähig“. Dennoch „bestehen erhebliche Risiken – darunter Zölle und Handelsunsicherheiten, sich verschärfende geopolitische Bedingungen, hohe Haushaltsdefizite und überhöhte Vermögenspreise“.
Dimon, der am längsten amtierende Chef einer großen Wall-Street-Bank, rechnet auch damit, dass die Inflation deutlich stärker steigen könnte, als viele derzeit annehmen.