Sparkassen-Chef: „Wir müssen nicht kopieren, was gerade in den USA gemacht wird“
Frankfurt. Die Sparkassen fordern von der Bundesregierung rasche Reformen, um den Investitionsstau in Deutschland zu lösen. „Elementar ist aus meiner Sicht, dass Verfahren vereinfacht und beschleunigt werden, zum Beispiel bei Infrastrukturprojekten“, sagte Ulrich Reuter, Präsident des Sparkassenverbands DSGV, im Interview mit dem Handelsblatt. „Da hapert es aktuell noch.“
Firmen hielten sich mit Zukunftsinvestitionen zurück, weil ihnen die wirtschaftliche Lage noch zu unsicher sei, berichtet Reuter. Die Bundesregierung brauche deshalb nun einen klaren Fokus. „Wir müssen jetzt konsequent sein und den Schwerpunkt auf Investitionen legen, statt Mittel für irrelevante Themen wie noch eine Mütterrente auszugeben.“
Bei den Sparkassen haben das Kreditgeschäft mit Firmenkunden und die private Baufinanzierung im ersten Halbjahr angezogen, allerdings von einem niedrigen Niveau aus. Der Gewinn, der sich im vergangenen Jahr auf 16 Milliarden Euro belief, wird laut Reuter 2025 wegen der gesunkenen Einlagezinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) „moderat unter dem letztjährigen Ergebnis“ liegen.
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Herr Reuter, die anfängliche Euphorie über die Ausgabenpläne der Bundesregierung für Rüstung und Infrastruktur ist inzwischen verflogen. Die deutsche Wirtschaft ist seit Jahresbeginn kaum gewachsen. Wie gehen kleine und mittelgroße Firmen, die oft Kunden von Sparkassen sind, mit der Situation um?
Bei uns ist die Kreditnachfrage von Firmenkunden im ersten Halbjahr um über 20 Prozent gestiegen. Der Anstieg ist allerdings auch darauf zurückzuführen, dass die Unternehmen in den vergangenen beiden Jahren kaum investiert haben. Im ersten Halbjahr 2025 haben die Kreditzusagen an Firmenkunden mit rund 43 Milliarden Euro nun wieder ein ordentliches Niveau erreicht.